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Ursachenforschung: Schimmel 'nur' entfernen reicht nicht

Riecht es in der Wohnung modrig oder werden dunkle Flecken an der Wand sichtbar, ist es zu spät: Der Schimmel da. Schuld daran sind aber nicht nur bauliche Mängel - auch die Bewohner tragen dazu bei.

Die Anzeichen für einen Schimmelpilzbefall, sind klar zu erkennen: Meist sind es erste Flecken an der Wand und ein modderiger Geruch. Mit Schimmelpilzen in der Wohnung ist nicht zu spaßen: er kann zu schweren gesundheitlichen Problemen führen und sollte daher schleunigst bekämpft werden, und zwar einschließlich der Ursachen, wie das Bundesumweltamt rät. Der Grund für das Auftreten von Schimmel liegt in einer erhöhten Feuchtigkeitskonzentration in der Raumluft. Eine Übersicht des Umweltbundesamtes zeigt, dass neben baulichen und bauphysikalischen Mängeln auch die Bewohner zu erhöhter Feuchte im Gebäude beitragen.

"Kalte" Wände

Als Ursachen werden einerseits defekte Dächer, Dachrinnen und Fallrohre sowie Risse im Mauerwerk oder ungenügendes Austrocknen nach Baumaßnahmen genannt. In manchen Altbauten ist auch die Kondensation von Luftfeuchte im Bereich von "kalten" Wänden wegen unzureichender Wärmedämmung ein Problem. Andererseits fördert auch unsachgemäßes Heizen und Lüften, insbesondere in "luftdichten" Gebäuden, das Entstehen von Schimmel.

Jeder kann die Feuchtigkeit in seiner Wohnung selbst prüfen. Bereits einfache Feuchtigkeitsmessgeräte (Hygrometer) geben eine Orientierung über die relative Luftfeuchtigkeit im Raum. Laut Umweltbundesamt sollte sie auf Dauer 65 bis 70 Prozent in der Raumluft und unmittelbar entlang von Wandoberflächen 80 Prozent nicht überschreiten, um die Gefahr von Schimmelpilzwachstum zu verringern.

Suche mit speziellen Spürhunden

Bei Verdacht auf einen verdeckten Schimmelpilzbefall müssen die betroffenen Räume genauer untersucht werden. Falls erforderlich, müssen Hohlräume hinter Verschalungen, Decken oder Wänden freigelegt werden, um an die Schimmelpilzquelle zu gelangen. Zunehmend werden speziell ausgebildete Schimmelspürhunde eingesetzt, um verborgene Schimmelpilzkontaminationen zu "erschnüffeln".

Bei einem mit bloßem Auge erkennbaren Schimmelpilzbefall muss nicht erst aufwändig analysiert werden, wie hoch die Schimmelpilzbelastung in der Wohnung ist und welche Schimmelpilzarten im Einzelfall vorliegen. Sind die Ursachen für den Befall gefunden und beseitigt, sollte der Bereich schnell sachgerecht saniert werden.

Zuerst reinigen und desinfizieren

Falls nicht sofort damit begonnen werden kann, müssen die befallenen Stellen übergangsweise gereinigt und desinfiziert werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt eine Ethanol-Lösung. Der Einsatz einer Essiglösung zur Schimmelpilzbekämpfung ist den Experten zufolge zumeist nicht sinnvoll, da viele Baustoffe und insbesondere Kalk eine Neutralisation des Essigs bewirken und außerdem mit dem Essig organische Nährstoffe auf das Material gelangen, die das Pilzwachstum sogar fördern können. Auch von der Verwendung chemischer Pilzbekämpfungsmittel im Innenraum raten die Experten ab.

Zur Verringerung der Raumfeuchte empfiehlt das Umweltbundesamt, mehrmals täglich gut zu lüften. Im Bad sollte nach dem Duschen das Wasser von Wänden und Boden entfernt und gelüftet werden. Bei fensterlosen Badezimmern ist darauf zu achten, dass die eingebaute Schachtlüftung einwandfrei funktioniert. Weniger beheizte Räume wie Schlafzimmer sollten nicht mittels warmer Luft aus anderen Räumen aufgewärmt werden. Im kälteren Raum kann es sonst an Wänden oder Fensterscheiben zu Tauwasserbildung kommen.

Pilzbefall gilt als Mietmangel

Schimmelpilzbefall in einer Mietwohnung gilt als Mietmangel. Über die Ursachen und die Frage, wer für die Behebung der Schäden aufkommen muss, entsteht in der Praxis häufig Streit, der am Ende oft von einem Gericht entschieden werden muss. Völlig unterschiedlich urteilen die Gerichte bei der Frage, welches Nutzungsverhalten dem Mieter zumutbar ist. Nach Angaben des Berliner Mietervereins wird demnächst in dieser Sache ein Leiturteil des Bundesgerichtshofs erwartet.

Michael Wojtek/DDP / DDP
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