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Vorsorgevollmacht: Wie sich Missbrauch verhindern lässt

Eine Vorsorgevollmacht schützt einen schwer Erkrankten davor, von einem Gericht einen fremden Menschen als Betreuer vor die Nase gesetzt zu bekommen. Jedoch sind eindeutige Regelungen in der Vollmacht nötig, um einen Missbrauch zu erschweren.

Von Bernhard F. Klinger

Eine Vollmacht ist zwar kein Blankoscheck, aber ein sehr gefährliches Blatt Papier. Ein Bevollmächtigter kann sogar in bester Absicht handeln und dennoch Vermögen vernichten, indem er zum Beispiel Wertpapiere in Sorge über fallende Aktienkurse zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft. Entscheidend ist die Auswahl des Bevollmächtigten. Es kommen nur Personen in Frage, die A vertrauenswürdig sind, B selbst mit Geld gut umgehen können und C nicht mit eigenen finanziellen Problemen zu kämpfen haben, sodass der Griff in die Tasche des Vollmachtgebers unwahrscheinlich ist.

Eine Vollmacht kann und soll eindeutige Regelungen beinhalten, um den Missbrauch der Vollmacht zu erschweren:

- Außer einem festgelegten Entgelt für die Tätigkeit des Bevollmächtigten sind keine Überweisungen auf dessen Konto zulässig. Dies führt zu transparenter Verwendung der Gelder.

- Wesentliche Änderungen in den Geldanlagen sind nur mit Genehmigung weiterer Personen möglich.

Mehrere Bevollmächtigte für verschiedene Bereiche

Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, vorsorglich die Verantwortung für die eigenen Angelegenheiten in die Hände mehrerer Personen zu legen. Wie bei einer Betreuung kann ein Vollmachtgeber mehrere "Aufgabenkreise" bilden und die Gesamtverantwortung aufteilen. Eine Tochter mit Bankausbildung übernimmt dann die Finanzen, die Ehefrau zeichnet für die Organisation der Pflege verantwortlich, ein langjähriger Freund mit der erforderlichen Ausbildung und notwendigen Berufserfahrung kümmert sich um die Weiterführung der Firma.

Per Vollmacht kann man auch dafür sorgen, dass der Bevollmächtigte in bestimmten Fristen (monatlich, jährlich) gegenüber einem weiteren Bevollmächtigten – häufig Kontroll- oder Gegenbevollmächtigter genannt – Rechenschaft ablegen und sich bestimmte Aktivitäten (etwa ab einem bestimmten Kostenbetrag) genehmigen lassen muss. Allerdings ist die Kontrollbevollmächtigung eine zweischneidige Sache. Ein ehrlicher Mensch, der möglicherweise für Gottes Lohn Verantwortung übernehmen soll, wird die Bevollmächtigung ablehnen, wenn er feststellt, dass der Vollmachtgeber ihm gegenüber eine gehörige Portion Misstrauen entgegenbringt.

Eine Vorsorgevollmacht schließt in der Regel eine Betreuung aus. Doch rein vorsorglich kann man für den Fall, dass ein Bevollmächtigter die Aufgabe nicht mehr übernehmen kann oder überfordert ist, auch eine Betreuungsverfügung schreiben, die sich an das Betreuungsgericht wendet. Der zuständige Richter wählt dann einen Betreuer, der den persönlichen Vorstellungen des Vollmachtgebers gerecht wird.

Ausführliche Informationen rund um das Thema Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuung finden Sie hier.

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