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Wohnprojekt: Viele Wünsche unter einem Dach

Wer mit Menschen unterschiedlichen Alters zusammen leben möchte, entscheidet sich am besten für ein Generationen übergreifendes Wohnprojekt. Wichtig ist dabei nicht nur die Wahl der Mitbewohner, sondern auch die des Hauses.

Von Thomas Krause

Menschen, die in einem generationenübergreifenden Wohnprojekt wohnen, haben auf jeden Fall einen gewissen Gemeinschaftssinn. Ansonsten sind die Anforderungen sehr unterschiedlich - speziell aus architektonischer Sicht", sagt Elinor Schües. Die Architektin befasst sich immer wieder mit Projekten, in denen sie auch körperliche Einschränkungen der zukünftigen Bewohner in Betracht ziehen muss. Trotz ihrer jahrelangen Erfahrung bleibt es eine Herausforderung, an der die Hamburgerin Spaß findet.

Manchmal initiiert ein sozialer Träger ein solches Wohnprojekt, oft bilden sich aber durch Bekanntschaften Gruppen, die mit Menschen anderer Altersstufen zusammen leben möchten. "Ich bin sicher, dass viel mehr Menschen in so einer Gemeinschaft zusammen leben würden, wenn sie nur wüssten, wie sich so etwas bewerkstelligen lässt", sagt Schües. Man braucht aber nicht nur den Kontakt zu Gleichgesinnten, sondern auch einen langen Atem. Von der Idee bis zum Einzug vergehen oft Jahre - und das liegt nicht nur an der Bauzeit.

Wieviel Kontakt wird gewünscht?

Wer diese Wohnform wählt, tut dies ja gerade mit dem Gedanken, nicht mehr umziehen zu müssen, sondern auch im Alter in seinen - dann gewohnten - vier Wänden bleiben zu können. Wieviel Kontakt man dabei zu seinen Mitmenschen hat, lässt sich frei bestimmen. "Wichtig ist, dass sich Leute zusammenfinden, die ähnliche Vorstellungen von der Art und Weise des Zusammenlebens haben", sagt Schües. Aufgabe der Älteren ist häufig die Kinderbetreuung für berufstätige Eltern. Schwierigere Entscheidungen stehen für die Jüngeren an: Wollen sie für die Älteren nur ab und zu mit einkaufen oder wären sie auch bereit, eventuell Pflegeaufgaben zu übernehmen?

Wenn es einmal so weit ist, dass Betreuung durch Mitbewohner oder durch professionelle Pflegedienste nötig ist, sollte die Architektur der Wohnungen eine Anpassung an die Bedürfnisse der Bewohner ermöglichen. "Das bedeutet nicht, dass die Wohnung einer jungen Familie von vornherein komplett rollstuhlgerecht ausgestattet ist. Ich würde nicht einmal jemandem Haltegriffe ins Bad montieren, die er bestenfalls erst Jahrzehnte später braucht", sagt Schües.

Umbauen schwierig und teuer

Dennoch ist es der Architektin wichtig, schon in der Planungsphase an solche Details zu denken: Späteres Umbauen ist oft schwierig und teuer. Die Wand im Badezimmer muss also nicht vom ersten Tag an mit Haltegriffen versehen sein. Sie muss aber stabil genug sein, damit problemlos Griffe montiert werden können. In Deutschland und anderen europäischen Ländern gibt es sogar Normen für barrierefreie oder rollstuhlgerechte Wohnungen.

Aber auch in Wohnungen, die eigentlich den Normen entsprechen, können Probleme auftreten. "Gerade unerfahrene Architekten können diese Probleme in der Planungsphase leicht übersehen", sagt Schües. Das beginnt schon bei alltäglichen Sachen wie dem Lüften: Sind die Fenster auch mit nachlassender Kraft im Alter noch zu öffnen? Sind die Fenstergriffe zu hoch montiert? Kommt man noch an alle Heizungen, wenn man auf einen Gehwagen angewiesen ist? Und im Extremfall: Gibt es im Flur genügend Platz, um von einem Straßenrollstuhl in einen Wohnungsrollstuhl umzusteigen?

Zuhören und ausprobieren

Die Architektin weiß, dass bei generationenübergreifenden Wohnprojekten solche Fragen am einfachsten mit den zukünftigen Bewohnern zu klären sind. "Gerade Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, kennen sehr genau ihre speziellen Bedürfnisse", sagt Schües. Vieles kann sie durch zuhören lernen und so in die Architektur einplanen, einiges lässt sich aber am besten in anderen Häusern und Wohnungen ausprobieren.

Und von diesen Erfahrungen können oft auch schon die Gesunden profitieren. Denn jungen und gesunden Mensch fällt es schwer, sich die möglichen Einschränkungen im Alter vorzustellen. Wie man mit diesen Herausforderungen umgeht, lernen die Jüngeren aber auch im persönlichen Kontakt. "In einem der letzten Bauprojekte für mehrere Generationen war uns besonders wichtig, dass man zumindest alle Wohnzimmer auch mit einem Rollstuhl erreichen kann. So kann wirklich jeder Bewohner jeden anderen besuchen", sagt Schües und der Spaß an der Meisterung dieser Aufgabe ist ihr anzumerken. Sie selbst wohnt jedoch nicht in einer altersgerechten Wohnung, sondern in einem denkmalgeschützten Haus. Und das umzubauen, wäre noch einmal eine neue Herausforderung.

Von Thomas Krause

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