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Fotoretrospektive von Anders Petersen: Hart, direkt, romantisch

Seine Protagonisten haben oft schon bessere Tage gesehen, unterkriegen lassen sie sich dennoch nicht. Die Bilder des Schweden Anders Petersen sind stimmungsvolle Momentaufnahmen zwischen Bett, Bier und Balkon.

Von Ingo Scheel

Sommer auf dem Balkon. Hier wird nicht nur die Bettwäsche ausgelüftet, auch die Seele scheint mit Blick in den Innenhof einmal kurz durchzuatmen.

Sommer auf dem Balkon. Hier wird nicht nur die Bettwäsche ausgelüftet, auch die Seele scheint mit Blick in den Innenhof einmal kurz durchzuatmen.

Der schwedische Fotograf Anders Petersen versteht sich als Erzähler, als einer der verborgene Sehnsüchte und unterdrückte Seiten der menschlichen Existenz sichtbar machen will. 1944 in Stockholm geboren, in den 60er Jahren an der renommierten Fotoschule von Christer Strömholm ausgebildet, ist Petersen heute einer der einflussreichsten Fotografen seiner Generation. Zu seinen bekanntesten Motiven gehören die Serien aus dem "Lehmitz", jener berühmt-berüchtigten Kiezkaschemme auf der Hamburger Reeperbahn. Nach einer Ausstellung in Arles 1977 erschien der Bildband "Café Lehmitz", später fand der US-Sänger Tom Waits am stimmungsvollen Titelbild soviel Gefallen, dass er es als Cover für sein Album "Raindogs" (1985) verwendete.

Reduzierte Ästhetik in Schwarz-Weiß, erdige Porträts, ungewöhnliche Momentaufnahmen des Alltags - der Themenkanon des Schweden: "Für mich geht es beim Moment des Fotografierens auch um eine Nähe zu mir selbst. Um den Versuch, die Wirklichkeit zu erleben, anstatt sie lediglich darzustellen, und in diesem Erleben möglichst präsent zu sein", so der Fotograf über seinen Ansatz.

Das Münchner Stadtmuseum zeigt noch bis Ende Juni Petersens Arbeiten aus den gut 30 Büchern, die der Fotograf mittlerweile veröffentlicht hat - ca. 400 Originalaufnahmen, dazu der Dokumentarfilm „A Film about with Anders Petersen“ von JH Engström.

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