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Jesiden fliehen vor IS: Ein Leben auf der Ölraffinerie

Eine jesidische Familie flüchtete vor den Kämpfern des IS. Ihr Schicksal führte sie auf eine Ölraffinerie im Irak. Hier kämpfen sie ums Überleben - 24 Stunden am Tag.

Jamal fängt eine Handvoll Benzin mit der Hand auf und riecht dran. So testet er  den Wassergehalt.

Der 17-jährige Jamal fängt eine Handvoll Benzin auf und riecht daran. So überprüft er den Treibstoff auf seinen Wassergehalt hin.

Das Öl ist überall: Auf ihrer Kleidung, an den Wänden, auf der Matratze, auf dem Laken. Zaidoon, 20, und sein Cousin Jamal, 17, flitzen zwischen den Tanks hin und her. Mit der schwarzen, klebrigen Flüssigkeit  versorgen sie die Trucks, die auf ihrem Weg in den Iran hier vorbeikommen. Zaidoon und seine Familie gehören den Jesiden an, einer alten religiösen Sekte. In den Augen des IS sind sie Ungläubige. Im August 2014 hielt der Terror Einzug in Zaidoons irakischer Heimatstadt Sindschar. Zusammen mit 50.000 anderen Jesiden flohen er und seine Familie vor den Kämpfern des IS aus der Stadt. Nach acht Tagen auf der Flucht erreichten sie die kurdische Region nahe der Stadt Sulaimaniyya - enteignet und völlig verarmt.

Mittlerweile nennen sie die Raffinerie ihr Zuhause. Nach der US-geführten Invasion in den Irak 2003 begann eine beispiellose Ölförderung in der kurdischen Region. Sechs Jahre später entdeckte eine kleine Firma namens Gulf Keystone eine Reserve von 14 Milliarden Barrel Öl (ein Barrel = rund 160 Liter). Zaidoons Familie verdient auf der kleinen Raffinerie 6000 Dollar pro Monat (etwa 5400 Euro). Dafür riskieren sie jedoch auch ihre Gesundheit, durch das Inhalieren der giftigen Dämpfe. 24 Stunden am Tag.

jek