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Kinderarbeit USA: Ihre Leben dienten der Wirtschaft: Als Kinder auch im Westen schon zur Arbeit gingen

Der Fotograf Lewis W. Hine sorgte vor gut 100 Jahren mit seinen Bildern dafür, dass der gesellschaftliche Missstand der Kinderarbeit landesweit dokumentiert wurde. Seinen Aufnahmen hat Dominique Große in "The Colour of the Children" neues Leben eingehaucht.

Zwei Jungen in zerrissener Kleidung

Glasarbeiter im August 1908 in Indiana, die Aufnahme entstand um Mitternacht

Ihre Kleidung ist zerrissen, ihre Schuhe haben Löcher und ihre Leben dienten der Wirtschaft: Kinderarbeiter, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA mit vollem körperlichen Einsatz für ihr eigenes und das Überleben ihrer Familien sorgen mussten. Der sozialdokumentarische Fotograf Lewis Wickes Hine (1874 bis 1940) begleitete sie von 1906 bis 1918 im Auftrag des National Child Labor Committee (NCLC) und hielt sie für die Nachwelt fest. Der Schwarzwälder Dominique Große hat einige von Hines Aufnahmen überarbeitet und nachkoloriert und mit seinem Projekt "The Colour of the Children" die monochromen Erinnerungen ins Hier und Jetzt überführt. Auf diese Weise wirken die Motive wie entstaubt und die ganze Schwere der Arbeit wird auf den Gesichtern der Kinder noch deutlicher sichtbar.

Kraftwerksarbeiter an einer Dampfmaschine

Dieses Bild von Lewis Hine, den "Kraftwerksarbeiter an einer Dampfmaschine" von 1920, kennt vermutlich jeder

"Was die Wirtschaft durch Kinderarbeit spart, zahlt die Gesellschaft später tausendfach zurück", zitiert Große den amerikanischen Fotografen auf seiner Website. Hines Arbeit für das NCLC hatte zum Ziel, ein Bewusstsein für Kinderarbeit in der Öffentlichkeit zu schaffen und dadurch die Politik zur Verabschiedung eines Gesetzes zum Kinderschutz zu bewegen.

Der Blick zurück – Einblick ins Jetzt

Was in den USA vor rund hundert Jahren stattfand, ist auch heute noch ein akutes Problem. "Insgesamt gehen weltweit 218 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren einer Arbeit nach, wenn man ausbeuterische Kinderarbeit und legale Beschäftigung zusammenzählt", heißt es auf der Website von Unicef. Viele von ihnen arbeiten überlange Zeiten oder unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Fast die Hälfte der Kinder ist unter zwölf Jahre alt.

Mit seiner Arbeit an Hines Bildern bietet Große einen aktuellen Anlass, sich erneut mit den Themen Kinderarbeit und Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Die Fotografien mahnen uns zu vermeiden, Waren so billig einzukaufen, dass ihre Herstellung eindeutig auf der Ausbeutung anderer fußt. Der Blick in die Vergangenheit bildet nichts anderes ab als das, wovor wir heute noch immer gern die Augen verschließen.

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