HOME

Quito in Ecuador: Blut, Stacheln, Kreuze: Eine Stadt voller Schmerz – Bilder einer Karfreitagsprozession

Tausende Menschen in lila Gewändern: In Ecuador wird an Ostern Buße getan. Zwei Fotografinnen dokumentierten vergangenes Jahr einen Marsch, bei dem der Körper leidet, während die Seele befreit wird. Hier zeigen sie ihre ausdrucksstarken Bilder.

Schwere Kreuze, piksende Kakteen und Stacheldraht auf bloßer Haut. Gekleidet in lila Gewändern mit langen, spitzen Kapuzen wird Ostern in Ecuador auf besondere Weise zelebriert. Denn die Stadt Quito zeigt sich in der Osterwoche, der semana santa, von ihrer spirituellen Seite.

Ein Marsch, um Buße zu tun

Eine Woche lang folgt eine religiöse Feierlichkeit der nächsten. Den Höhepunkt des Spektakels bildet dann die Karfreitagsprozession durch die Stadt. Unzählige Ecuadorianer nehmen an dem Marsch teil, um Buße zu tun. Sie bestrafen sich selbst, schlagen sich mit Peitschen auf die Rücken, tragen schwere Holzkreuze.

Die Tradition einer solchen Prozession gibt es in Quito bereits seit dem 16. Jahrhundert. Die Gedenken gelten dabei den Leiden Jesu auf seinem Kreuzweg. Tausende Menschen, Einheimische ebenso wie Touristen, säumen die Straßen der Altstadt in dieser Woche, keiner will die Prozession verpassen. So reisten  auch die Fotografinnen Jeanette Dobrindt und Ulrike Herrmann vergangenes Jahr nach Quito und dokumentierten die procesión de Jesús del Gran Poder mit Bildern. Denn die Lieblingsmotive der beiden waren schon immer die Menschen rund um die Welt. So fangen sie auch hier, in Quito, mittendrin im Getümmel mit ihren Fotos Momente ein, die Worte nicht hätten beschreiben können.

Kreuze auf dem Rücken, Eisenketten an den Füßen

Als die ecuadorianische Nationalhymne ertönt, singen die Besucher voller Inbrunst mit. Manche sind so ergriffen, dass sie zu weinen beginnen. Diese Emotionalität ist auch auf den Fotos zu erkennen. Die meisten Bilder zeigen Teilnehmer mit schmerzerfüllten Gesichtern. Einige tragen schwere Kreuze auf dem Rücken, andere haben dicke Eisenketten um die Fußgelenke. In ihren Gesichtern sehen die Fotografinnen, wie der Körper leidet, während die Seele befreit wird.

Den Abschluss bildet die Verehrung der Maria. Viele beten, einige weinen, Frauen werfen Rosenblätter. In diesem Moment bekommen die Fotografinnen unweigerlich eine Gänsehaut und spüren die Ehrfurcht der Einheimischen. Als letzte Statue wird Jesus durch die Straßen geführt. Jeder möchte ihm nahe sein, keiner weicht ihm von der Seite – es gleicht schon fast einer Massenpanik. Es herrscht eine Stimmung, wie sie sie noch nie erlebt haben. Eine Ergebenheit, die sie mit ihren Bildern festhalten. Hier sehen Sie eine Auswahl der besten Aufnahmen.

Große Unterschiede: Welches Bundesland hat 2018 die meisten Feiertage?
gho
Themen in diesem Artikel