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Reportage aus der VIEW Fotocommunity: "Müllstadt" - Der Schandfleck von Kairo

Im Süden von Kairo gibt es ein Viertel, in dem keine Busse fahren und es keine öffentliche Versorgung gibt, umsäumt von Schutt und Dreck - genannt die "Müllstadt". Niemanden kümmert es, wie es dort aussieht. Ein deutscher Fotograf dokumentierte die katastrophalen Zustände.

Eine Reportage von Christoph Jorda

Ein unbekanntes Kind steht vor seinem zu Hause.

Ein unbekanntes Kind steht vor seinem zu Hause.

Es schaukelt ziemlich, als sich der Bus langsam durch die Häuserschluchten schiebt - Schlagloch für Schlagloch. Vorbei an hohlen Fensteraugen, schief in den Angeln hängenden Türen, kleinen Läden und Werkstätten, neugierigen Blicken, hohen Müllbergen. Lachende Kinder laufen dem Bus hinterher und klopfen an die Fensterscheiben. Was sie wohl über die Gruppe von Europäern denken, die mit Staunen, Entsetzen und Fragen in den Augen nach draußen schauen?

Uns kommt ein Lkw entgegen - in einer Straße, die gerade breit genug ist für ein Auto. Unglaublich mit welcher Geschicklichkeit die beiden Fahrer ihre Vehikel aneinander vorbei bewegen. Zwischendrin ein Eselskarren, von zwei Jungen gelenkt. Die Passanten in ihren teils schmutzigen und schäbigen, teils schönen orientalischen Kleidern helfen mit Ratschlägen, damit die Straße wieder frei wird.

Wir kommen an. Der Bus parkt, die Türen öffnen sich, unsäglicher Gestank schlägt uns entgegen. Der Boden unter den Füßen gibt leicht nach - festgetretener Müll, kein Straßenbelag wie wir ihn kennen. Kinder umringen uns. Schalk und Neugier blitzen aus ihren Augen. Am Straßenrand laufen durch den Abfall. Um die Ecke sitzen Männer und rauchen gemütlich Wasserpfeife. Wir ziehen mit unseren Essenspaketen los, um sie an arme Familien zu verteilen. Auch die mitgebrachten Kuscheltiere finden erfreute Abnehmer auf der Straße.

Katastrophale Zustände 

Die riesigen Müllhalden, auf denen diese Kinder leben, befinden sich vor den Toren . Sie hausen in notdürftigen Unterkünften aus Wellblech, zwischen Abfällen, Ratten und Exkrementen. Das gesamte Gelände liegt unter einer Glocke aus beißendem Dunst. Die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal. Allein in der ägyptischen Hauptstadt gibt es schätzungsweise 200.000 Müllmenschen. 

Krankheiten sind hier an der Tagesordnung, insbesondere Erkrankungen der Bronchien – eine Folge der permanent brennenden Feuer aus alten Plastiktüten. Fliegen, die die Müllhalden bevölkern, tragen schwerste Infektionskrankheiten weiter, wie zum Beispiel das Trachom. 60 Prozent der 50-Jährigen hier sind bereits erblindet.

Hilfe für die Müllstadtbewohner

In den Müllstädten wird der Müll aus dem übrigen Stadtgebiet von Hand sortiert. Brauchbares wird wieder verkauft, der Rest bleibt liegen. Zumeist sind es Christen, die vom Müll leben. Ein ägyptischer Freund sagte uns, dass es wichtig sei, dass die Müllstadtbewohner Gottes Liebe kennen lernen und sie begreifen, dass auch sie Gottes Geschöpfe und wertvoll sind. Ein Freund von uns, er ist Lehrer, wird Sonntagsschullehrer ausbilden für den Dienst in der Müllstadt.

Für uns als Christen ist diese Vereinsarbeit gelebter Glaube. Wir wollen unsere Glaubensbrüder und -schwestern in Kairo unterstützen. Damit die gemeinsamen Visionen dort erfüllt werden, kümmert sich der Verein Müllstadtkinder Kairo e.V.  um alle Belange und er lässt sich gern in die Karten schauen.

Weitere eindrucksvolle Fotoreportagen von Christoph Jorda finden Sie in der VIEW Fotocommmunity oder auf seiner Webseite.
Ein Making-Of-Video zur "Müllstadt" in Kairo können Sie sich hier ansehen.

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