HOME

Hausgeburt: Wenn eine Mutter in ihr altes Kinderzimmer zurückkehrt, um dort ein Baby zu bekommen

An der Geburt eines Babys teilhaben zu dürfen, ist auch für Janina Maurer immer wieder ein großes Ereignis. Die Fotografin hat eine Hausgeburt begleitet und neben dem Baby die gesamte Familie porträtiert. Da bleibt vom Schmerz nicht viel übrig.

Die Mutter kniet auf dem Bett und stützt sich auf den Vater

Kaum ist die Fruchtblase geplatzt, geht alles ganz schnell, die Presswehen setzen ein. Die Mutter hatte ihr erstes Kind, ein Mädchen, im sogenannten Vierfüßlerstand, also auf Händen und Knien, zur Welt gebracht und entscheidet sich auch bei der zweiten Geburt für diese Position. Ihr Mann und die Hebamme unterstützen sie dabei.

Wie oft hat man normalerweise die Gelegenheit, bei einer Geburt dabeizusein? Die meisten Menschen wohl nur, wenn sie selbst ein Baby bekommen. Bei Janina Maurer, 43, ist das anders, sie hat die Geburtsfotografie zu einem Bestandteil ihrer dokumentarischen Arbeit gemacht. Und wenn Eltern nach der Entbindung sagen: "Wir haben gar nicht gemerkt, dass du da warst", ist es das schönste Kompliment für sie. Bei einem so intimen Ereignis einem Menschen Zutritt zu gewähren, der nicht unmittelbar an der Geburt beteiligt ist, war früher für werdende Eltern unvorstellbar. Doch inzwischen findet die Geburtsfotografie auch in Deutschland immer mehr Anklang – ein verwackeltes Polaroid, von der Hebamme geschossen, kann einfach nicht wiedergeben, was in dem Prozess der Geburt geschehen ist. Und Erinnerungen daran haben eben nur jene, die anwesend waren.

Maurer, selbst vierfache Mutter, kannte die Familie bereits, deren Hausgeburt sie nun begleiten sollte. 2013 hatte sie schon die Geburt der großen Schwester fotografiert, damals im Krankenhaus. Weil beim ersten Kind alles sehr schnell ging, machte sie sich direkt auf den Weg, als es hieß, es gehe los. Doch das Brüderchen hatte es nicht ganz so eilig, auf die Welt zu kommen. Die Entbindung fand in dem ehemaligen Kinderzimmer der Mutter statt, bei Oma zu Hause. Dann platzte plötzlich die Fruchtblase und alles ging hopplahopp. Kurz darauf setzten bereits die Presswehen ein.

Die Geburt, ein unwiederbringlicher Moment

"Fotos, echte Fotos, auch von der direkten Geburt, waren der Familie sehr wichtig", berichtet Maurer, "von daher gibt es tatsächlich Bilder, wie das Baby Stück für Stück das Licht der Welt erblickt." Diese Fotos allerdings sind nur für die Familie gedacht. Bei der Geburt waren neben Mutter und Vater nur die Hebamme sowie die Fotografin anwesend. Doch kaum hatte der kleine Junge den ersten Schrei von sich gegeben, kamen auch die Oma und das Schwesterchen herein, um den Familienzuwachs zu begrüßen. Und dann kam die große Stunde der Dreijährigen: Monatelang hatte sie sich auf das Amt gefreut, das ihr bei der Geburt zugedacht worden war – sie durfte die Nabelschnur durchtrennen und erledigte ihre Aufgabe mit Bravour. 

Das Thema Familie ist Maurers beruflicher Schwerpunkt. Neben der Geburtsfotografie dokumentiert sie auch die Tage im Wochenbett und vorher die Schwangerschaft. Wer Kontakt zu der Fotografin, die am Niederrhein lebt, aufnehmen möchte, findet alle Daten auf ihrer Facebook-Seite, die hier verlinkt ist.

Weitere Bilder von Janina Maurer finden Sie auch in unserer VIEW Fotocommunity.