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Fotoreportage

Im Lepradorf: Überlebenswille, Humor und Schönheit unter widrigsten Umständen

Der österreichische Fotograf Joachim Bergauer war für seine Recherche an einem Ort, an dem kaum jemand freiwillig lebt – im Lepradorf M'Balling in Senegal. Gesunde und Erkrankte trotzen dort gemeinsam der Infektion, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte.

Die Menschen leben von Tag zu Tag

Die Menschen leben von Tag zu Tag

Früher war M'Balling ein kleines Dorf, das nur aus ein paar Lehmhütten bestand. Es wurde zu einem Zufluchtsort für Leprakranke, die aus größeren Städten verstoßen worden waren. Weil es immer mehr wurde, entstand dort vor mehr als 30 Jahren die Leprahilfe Senegal, was zur Konsequenz hatte, dass noch mehr Leprakranke nach M'Balling zogen. Inzwischen ist die Einwohnerzahl auf etwa 6000 angewachsen und ein Drittel der Menschen haben Lepra. So erhielt M'Balling den Namen Lepradorf.

Joachim Bergauer ging an diesen Ort, weil ein Freund ihm den Tipp gegeben hatte. Denn neben seiner Werbeagentur interessiert sich der Österreicher aus Schwarzbach bei Salzburg auch für Fotoprojekte. Der 53-Jährige reiste also 2009 nach Afrika mit dem Vorsatz, sich einmal umzuschauen. Daraus entwuchs eine Passion, die ihn rund acht Jahre lang immer wieder in das Dorf zog, dessen Bewohner ihn faszinierten: Trotz der widrigen Lebensumstände hatten sie es geschafft, ihren Humor zu bewahren.

Joachim Bergauer bei der Arbeit im Lepradorf M'Balling

Joachim Bergauer bei der Arbeit im Lepradorf M'Balling

In den ersten beiden Jahren, in denen der Fotograf je für ein paar Wochen vor Ort war, lernte er das Volk der Peulh erst einmal kennen. Er beobachtete, spielte mit den Jugendlichen Fußball und schloss so Kontakte. Er gewann das Vetrauen der Einwohner und wurde aus einem namenlosen "Weißen" irgendwann zu "Joachim". Sein erster Kontakt zu den Leprakranken war wie ein Schock. "Die Leute eitern zum Beispiel auch aus den Augen, weil sie nichts spüren, wenn sie in die Sonne gucken", so Bergauer zum "Spiegel".

Cover

Leben im Lepradorf von Joachim Bergauer, Artbook Verlag, 29 Euro, hier bestellbar

Bergauer errichtete in dem Dorf, in dem es an allem mangelt – von Arbeit bis Nahrung – ein Fotostudio und begann, die leprösen Menschen zu fotografieren. Doch er zeigt nicht nur Leid und Armut, sondern auch die Anmut und Schönheit der Peulh. Aus seinen vielen tausend Bidern entstand ein Bildband, der den Betrachter in eine Welt führt, die ihn verzaubert. Aus dem Verkauf seines Buches kommt der Reinerlös


Weitere Bilder von Joachim Bergauer finden Sie auch in unserer VIEW Fotocommunity

bal
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?