HOME

Fotoreportage aus Myanmar: Der Kampf der jungen Rebellen

Die Foto- und Videoreportage "Yangon Rebel" von VIEW-Fotocommunity-Mitglied Alexander Indra zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie schwer es für die Jugend in Myanmar ist, ihre Meinung kundzutun. Trotz der Reformen haben es Andersdenkende in dem südostasiatischen Staat nicht leicht.

Myanmar

Ganz vorne bei der Demo dabei: junge Anarchisten aus Yangon.

Der Fotograf Alexander Indra reiste im März 2015 in den südostasiatischen Staat Myanmar. Mit dem, was er dort in der Stadt Yangon erlebte, hatte der gebürtige Südtiroler nicht gerechnet. Gleich am zweiten Tag seines Aufenthaltes lernte er einen einheimischen Fotografen kennen, der ihn mit auf eine Studenten-Demonstration nahm.

Mit roten, wehenden Fahnen

"Die Stimmung war gleich von Anfang an ziemlich angespannt", schreibt Alexander Indra in sein Reisetagebuch. "Am Tag zuvor hatte die Polizei in Lepadan, drei Autostunden von Yangon entfernt, eine Studentendemo gewaltsam aufgelöst und über 100 Personen festgenommen." In Yangon hatte sich für diese Demonstration die Studenten-Gruppe "Red Flag Union" angekündigt, um gegen das neue Bildungsgesetz zu protestieren und ihren Unmut gegenüber der Regierung zum Ausdruck zu bringen.

Mit roten, wehenden Fahnen traf die Bewegung schließlich an einem Einkaufszentrum ein, wo bereits dutzende Fotografen und Polizisten auf die Studenten warteten. Sie nahmen die komplette Straße ein, einige Menschen schlossen sich dem Trupp an und marschierten Richtung Hauptstraße - mit Flaggen, Bannern und Schildern, auf denen Friedens- und Anarchiesymbole zu sehen waren. 

"Nach wenigen Minuten wurde die gesamte Straße von Polizisten abgesperrt. Mit Schildern und Schlagstöcken ausgerüstet versuchten sie ein weiterkommen zu verhindern", erzählt der Südtiroler weiter. Studenten, die die Polizeiabsperrung versuchten zu durchbrechen, wurden niedergestreckt. Bei den Polizisten waren die Fotografen unerwünscht und ihnen wurde unmissverständlich klar gemacht, dass sie verschwinden sollen: "Also nahm ich die Beine in die Hand und sprintete bei sengender Hitze weiter, um ein wenig Sicherheitsabstand zu schaffen."

Protest geht auch anders

Protest geht in Myanmar aber auch anders: Das Land hat eine ausgeprägte Punk-Szene, die mit ihrer Musik gegen die Regierung des Landes rebelliert. Alexander Indra war fasziniert von der unerwarteten Bewegung und traf sich in Yangon mit einheimischen Punkern, von denen er zu einem der seltenen Underground-Konzerte eingeladen wurde. 

"Ich war erstaunt wie sehr das Punk sein für diese Leute viel mehr als Mode ist, sondern eine Lebenseinstellung." Äußerlich waren die Menschen unweigerlich als Punks zu erkennen: bunte Irokesen-Frisuren, schwere Stiefel und mit Nieten besetzte Lederjacken - trotz der vorherrschenden Hitze. Diese Jugendlichen etwas ganz besonderes aus: die bedingungslose Leidenschaft dazu, etwas verändern zu wollen. 

"Food not Bombs"

In einem Land wie Myanmar ist Rebellion keine einfache Angelegenheit. Ein Punk erzählte dem Fotografen, dass es oft auch gefährlich sein könne, gesellschaftskritische Botschaften durch Musik zu verbreiten. Kritik an der Regierung sei nicht gern gesehen. 

Viele der Punker engagieren sich sozial, indem sie mit der Gruppe "Food not Bombs" Essen an Bedürftige und Obdachlose in Yangon verteilen. Jeden Montag treffen sich die Jungs und Mädchen in der Stadt, um anderen zu helfen. Die Gruppe in Myanmar wurde von örtlichen Mitgliedern einer Punk-Band gegründet. Sie sprechen sich gegen Krieg aus und lehnen Kapitalismus ab. Die Lebensmittel, die sie verteilen, stammen von lokalen Straßenhändlern und nicht aus großen Supermarktketten. "Food not Bombs" ist unabhängig von Religion und strebt nach mehr Menschlichkeit und Nächstenliebe. 

Ein Fotograf mit Mission

Alexander Indras Dokumentation "Yangon Rebel" zeigt eine Welt, in der Hoffnung und Unterdrückung so dicht beieinander liegen wie an kaum einem anderen Ort. Mit seiner Arbeit als Fotograf widmet er sich häufig der Dokumentation von politischen und sozialen Themen, wie der Flüchtlingsproblematik auf der Insel Lampedusa im Mittelmeer oder den Ausschreitungen im Gezi-Park in Istanbul. 

Der gebürtige Südtiroler wurde 1989 in Italien geboren. Nach seinem Design-Studium in Bozen und Istanbul entdeckte er seine Leidenschaft für Fotografie, die authentisch, aussagekräftig und nah am Menschen ist. 

Mehr Fotos von Alexander Indra finden Sie auch in unserer VIEW Fotocommunity.