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Obsternte Mundraub: Darf man die Früchte aus Nachbars Garten essen?

Eine Hand greift nach Mirabellen vom Baum
Ihnen läuft beim Anblick von den Mirabellen auf des Nachbarn Baum das Wasser im Mund zusammen? Fragen Sie ihn lieber, bevor Sie zulangen.
© Bernd Weissbrod / DPA
Im Sommer hängen die Bäume und Sträucher voller Obst - auch in der Stadt. Aber darf man einfach nach Lust und Laune von fremden Bäumen ernten? Was erlaubt ist und wann man lieber die Finger von den süßen Früchten lassen sollte.

Viele süße Früchte, wie Kirschen und Äpfel, wachsen auch in der Stadt, manchmal sogar vor der eigenen Haustür. Aber ist es eigentlich erlaubt, sich von den Bäumen und Sträuchern zu nehmen, was man will? Es gibt tatsächlich Pflanzen, von denen nach Belieben für den Hausgebrauch gepflückt werden darf. Was natürlich nicht nur den eigenen Geldbeutel schont, sondern auch dafür sorgt, dass das Obst nicht ungegessen vergammelt.

Zugelangt werden darf, wenn es sich um wild ausgesäte Pflanzen handelt, die nicht etwa in Parkanlagen stehen. Von ihnen darf nach Bundesnaturschutzgesetz in kleineren Mengen geerntet werden, wenn das Betreten des Bodens, auf dem Baum oder Strauch stehen, erlaubt ist. In öffentlichen Wäldern ist das beispielsweise in der Regel der Fall, Privatbesitz fällt nicht darunter. Pflanzen, die am Straßenrand stehen, gehören in den meisten Fällen der Stadt, dem Kreis oder dem Land.

Vor dem Ernten, den Nachbar fragen

Und wie ist es mit dem Obst aus Nachbars Garten? Fragen hilft. Einfach zulangen, das ist nicht erlaubt. Die Erlaubnis des Besitzers muss eingeholt werden, bevor das Grundstück betreten werden darf. Schlicht über den Zaun klettern, ist keine gute Idee. Denn das ist Hausfriedensbruch. Fällt das Obst von Nachbars Baum aber in den eigenen Garten, darf dieses genommen werden. Hängt es noch am Ast, ist das Pflücken nicht erlaubt, selbst dann nicht, wenn der Ast in das eigene Grundstück ragt.

Die App "Mundraub" macht es leicht, Erntemöglichkeiten zu finden. Sie ist nicht nur kostenlos, durch die Karte kann man auch ganz einfach die Sträucher und Obstbäume finden, an denen man sich bedienen kann. Mehr als 58.000 Fundorte sind in der App verzeichnet. Das Beste: Durch die Filterfunktion kann genau nach dem Obst gesucht werden, auf das man gerade Gelüste hat. Das ermöglicht ein gezieltes Ernten. Un das ist immer "legaler Mundraub", denn zuvor - zumindest sollte es so sein - wurde geklärt , dass das Pflücken erlaubt ist.

Noch bis Mitte der 70er-Jahre stand Mundraub unter Strafe. Wer sich unrechtmäßig an fremden Bäumen verköstigt hat, musste mit einer Geldstrafe bis zu 500 Mark rechnen. Diesen Passus gibt es heute nicht mehr. Das heißt aber nicht, dass man keinen Ärger bekommen kann. Denn wer Obst von fremdem Eigentum nimmt, begeht laut Strafgesetzbuch Diebstahl. Das wird zwar nur dann verfolgt, wenn der Eigentümer darauf besteht und bleibt ohne Konsequenzen, wenn er es nicht merkt, rechtens ist es aber damit nicht.

Um auch wirklich auf Nummer sicher zu gehen, hilft daher ein Doppelcheck. Denn klar, auch wenn es manchmal so aussieht, als stehe hinter dem Baum kein Besitzer und auch kein Zaun oder Schild klärt über die Verhältnisse auf, ist der Baum nicht gleich Allgemeingut. In dem Fall gilt es, die Finger vom Obst zu lassen. 


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