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Sommersuppe Gazpacho: Diese Kaiserin hat die kalte Gemüsesuppe groß gemacht

Gemälde von Eugénie de Montijo
Kaiserin Eugénie liebte die kalte Sommersuppe und macht sie in der spanischen Oberschicht salonfähig.
© traveler1116 / Getty Images
Jahrhundertelang war die Gazpacho ein andalusisches Geheimnis. Es musste erst eine Regentin kommen, die den Vorreiter des Smoothies mit der Oberschicht bekannt machte. Danach sollte die ganze Welt auf den Geschmack kommen.

Kalte Sommersuppen, Gazpacho genannt, sind ein Klassiker der andalusischen Küche. Kalt serviert und erfrischend ist die Gemüsesuppe eine der besten Mahlzeiten für heiße Sommertage.  Dass die andalusische Köstlichkeit heute in vielen Teilen der Welt bekannt ist, ist vor allem einer Dame zu verdanken.

Der Legende zufolge soll es die spanische Kaiserin Eugénie de Montijo gewesen sein, die im 19. Jahrhundert so kräftig die Werbetrommel für ihr Leib- und Magengericht rührte, dass bald das ganze Land dem Gericht verfiel. Eugénie, die Ehefrau von Napoleon III, und die letzte Monarchin, die über Frankreich regierte, war selbst ein Kind Andalusiens. Geboren in Granada, kannte und liebte die Spanierin die regionalen Köstlichkeiten. 

Aus Andalusien in die Welt

Darunter auch die Gazpacho. Die kalt servierte Gemüsesuppe zählte zu den Lieblingsgerichten der Regentin, selbst dann noch, als sie längst weit entfernt ihrer Heimat durch die Paläste wandelte. Und anstelle die Gerichte ihrer Herkunft zu vergessen, machte sie sich auf, um diese in den oberen Gesellschaftsschichten salonfähig zu machen. Der Rest ist Geschichte. Es sollte nicht lang dauern, bis auch der Rest der  Bevölkerung auf den Geschmack kommen sollte. Denn anders als die meisten Speisen der Oberschicht, konnte auch das gemeine Fußvolk Gazpacho auf die heimischen Teller bringen. Die Zutaten waren billig, die Zubereitung einfach.

Viele Jahre später war es der spanische Filmemacher Pedro Almodóvar, der die andalusische Spezialität neuerlich auf die Weltbühne hob. In seiner oscarnominierten Tragikkomödie "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" ist es die Gazpacho, die in den Vordergrund rückt. Denn die Suppe ist mit Schlafmitteln versetzt, was nach und nach die Hauptdarsteller aus dem Spiel nimmt. Mit dem Erfolg des Filmes, gewann auch die Gazpacho an Weltbekanntheit.

Sommerliche Tomatensuppe nach andalusischer Art
Kühler Genuss: Die Sommersuppe Gazpacho ist perfekt für den kleinen Hunger an heißen Tagen.
© olga_prava / Getty Images

Die Anfänge der Gazpacho

Aus einer authentischen Gazpacho sind die Tomaten nicht wegzudenken. Ursprünglich aber hatten die in der Suppe gar nichts zu suchen. Denn die Geschichte der Gazpacho reicht viel weiter zurück, als die Geschichte der Tomate auf dem europäischen Kontinent. Es waren die Mauren, die das Gericht in Andalusien zuerst auf die Teller brachten und das wohl schon im ersten Jahrtausend nach Christus. Allerdings handelte es sich damals noch um eine völlige andere Suppe, die harte Brotreste als Basis hatte.

Das heutige Aushängeschild Andalusiens galt lange als typisches Armengericht. Erst als Amerika entdeckt wurde, die Ernährungsmöglichkeiten dadurch vielfältiger wurden und die Tomate ihren Siegeszug in Europa antrat, wandelte sich die einst simple Kost zu dem, was man heute unter Gazpacho andaluz kennt. Und das ist, wenn man es genau nimmt, nichts anderes als ein gekühlter Gemüse-Smoothie.

Andalusische Gazpacho – so geht’s

Die bekannteste Variante der Sommersuppe, die wohl Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden ist, ist mit wenigen Handgriffen zubereitet. Tomaten sind die Grundessenz. Aufgepeppt wird die Suppe unter anderem mit Gurken und Zwiebeln. Für vier Portionen benötigen Sie:

500 Gramm Tomaten
2 Paprikaschoten (rot und grün)
1 Salatgurke
1 Zwiebel
4 Knoblauchzehen
4 EL Olivenöl
3 EL Sherryessig
3 Scheiben Weißbrot
Salz und Pfeffer

Zunächst wird das Weißbrot grob gezupft und in einer Schüssel mit ein wenig Wasser etwa 30 Minuten zur Seite gestellt. In der Zwischenzeit das Gemüse klein schneiden und in einem Mixer pürieren. Das eingeweichte Brot und Olivenöl dazugeben. Je nach Konsistenzwunsch mit Wasser anreichern. Danach mit Gewürzen und Essig abschmecken. Gazpacho muss sehr kalt serviert werden. Bevor es auf die Teller kommt, sollte die Suppe daher mindestens 60 Minuten im Kühlschrank gekühlt werden.


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