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Der Coronoavirus-Effekt: Wer chinesisch essen geht, wird krank? So leiden Restaurants in den USA unter dem Virus

In den USA gibt es bislang zwar nur zwölf bestätigte Fälle des Coronavirus, die Restaurants in Chinatown werden dennoch im ganzen Land gemieden. Die Wirte sind in Panik. Droht ihnen eine Wirtschaftskrise? 

Chinatown Coronavirus

Immer mehr Menschen meiden in den USA die chinesischen Viertel und ihre Restaurants. Grund dafür ist das Coronavirus auf dem chinesischen Festland.

Getty Images

Chinesische Restaurants in den USA stecken in der Krise. Grund dafür ist ausgerechnet die Ausbreitung des Coronavirus auf dem chinesischen Festland. Zwar gibt es in den USA bislang nur zwölf bestätigte Fälle mit Coronavirus, die Menschen sind dennoch misstrauisch und meiden Chinatowns und deren Restaurants im ganzen Land. Was hat das für Auswirkungen?

Gravierende, wie die "New York Times" berichtet. Die größten Chinatowns in New York City beispielsweise, die sich in Manhattan, Queens und Brooklyn befinden, beobachten Umsatzeinbußen zwischen 50 und 70 Prozent. Und das innerhalb von zwei Wochen. Viele Wirte beschreiben die Viertel als "ghost towns", also Geisterstädte. In den letzten fünf Jahren gab es keinen vergleichbaren Rückgang des Geschäfts dieser Art.

Viele Restaurants hatten mit Touristen zum chinesischen Neujahrsfest gerechnet, aber auch in dieser Zeit blieben die Gäste aus. Zum einen weil Nicht-US-Bürger, die sich in den vergangenen zwei Wochen in China aufgehalten haben, nicht mehr einreisen dürfen. Genauso leiden chinesische Lokale in Boston und Houston unter der Ausbreitung des Coronaviruses. An San Franciscos Chinatown geht die Virus-Aufregung auch nicht spurlos vorüber. Etwa 50 Prozent weniger Besucher als normalerweise halten sich auf den Straßen auf. Obwohl es in San Francisco keinen einzigen verzeichneten Coronavirus-Fall gibt. Das Phänomen betrifft Chinatowns landesweit, aber selbst in London und Sydney beobachten chinesische Viertel Umsatzeinbußen.

Chinesische Lokale leiden weltweit

Das Problem dabei: Das müsste gar nicht sein, wie das Food-Magazin "Eater" schreibt. Denn die Befürchtungen und Ressentiments gegenüber den chinesischen Mitmenschen und deren Lokalen sind unbegründet - und fußen auf Falschinformationen. Viele Gerüchte, die dem Geschäft schaden, verbreiten sich auch über die sozialen Netzwerke. Da sich das Virus aber in China ausgebreitet hat, leiden Chinesen weltweit. Die Unsicherheit, die viele Menschen gerade spüren, ist ein Nährboden für Ausgrenzung und Rassismus. Bereits vor einigen Tagen habe viele asiatischstämmige Menschen unter dem Hashtag "Ich bin kein Virus" ihre ausgrenzenden Erfahrungen geteilt. 

Coronavirus: "Ich bin kein Virus" – Menschen wehren sich gegen Rassismus

Schon 2013 erlebten China-Restaurants eine ähnliche Situation: Damals brach in Asien das SARS-Virus aus - wie heute mussten Chinatowns mit weniger Kunden und dadurch mit weniger Umsatz umgehen. Was kann man also heute besser machen? Sich nicht verrückt machen lassen, rät "Eater" - und sich besser informieren. In Boston beispielsweise besuchte der Bürgermeister 2003 Chinatown, um der Öffentlichkeit die Angst zu nehmen. Vielleicht ist es an der Zeit, dass US-Politiker nur noch in Chinatowns essen gehen, um die Panik abzumildern.

Quellen: "New York Times", "Eater"

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