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Verbraucherzentrale : Discounter verpacken Lebensmittel in zu viel Plastik - Verbraucher zahlen bei loser Ware drauf

Die Verbraucherzentrale hat bedenkliche Zahlen veröffentlicht: Mehr als die Hälfte des Gemüse- und Obst-Angebots in Supermärkten ist in Plastik verpackt. Erschreckenderweise kommt hinzu: Unverpacktes Obst und Gemüse ist oft teurer. Discounter sind Schlusslichter in puncto Müllvermeidung.

Mehr als 600 Kilogramm Haushalts- und Verpackungsabfälle produziert jeder Einwohner in der Bundesrepublik im Jahr. Das geht aus den Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervor. Vor allem die Plastikflut bei Obst und Gemüse ärgert viele Verbraucher. Die wünschen sich eigentlich laut Umfragen weniger Plastik im Alltag, doch der Handel reagiert nur sehr müßig. Das hat sich die Verbraucherzentrale Hamburg mit dem Bundesverband etwas genauer angesehen.

In 42 Filialen der wichtigsten acht Lebensmittelhändler Deutschlands überprüften sie die Verpackungslage von konventionellem Obst und Gemüse. Das Fazit: Es ist ein Trauerspiel. Zu fast zwei Dritteln sind Tomaten, Möhren, Paprika, Gurken und auch Äpfel sind noch immer zu fast zwei Dritteln in Plastik verpackt. Insgesamt hat sich die Verbraucherzentrale 1.394 Produkte angesehen.

Der Handel muss mehr unverpacktes Obst und Gemüse anbieten

"Es reicht nicht, Verbrauchern Mehrwegnetze anzubieten, wenn sie dann überwiegend vorverpackte Produkte in den Regalen finden. Der Handel ist in der Pflicht, das Angebot an unverpacktem Obst- und Gemüse zu vergrößern. Einige Läden zeigen bereits, dass das geht. Vor allem Discounter müssen ihre Hausaufgaben noch machen", sagt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Die Plastikquote ist teilweise enorm. Bei Penny ist die Plastikflut am größten. Ganze 81 Prozent der Obst- und Gemüsesorten sind in Plastik verpackt. In einer Penny-Filiale waren sogar 23 der 27 überprüften Obst- und Gemüseangebote verpackt. Das sind dann 85 Prozent. Bei Aldi sind es 74 Prozent, bei Netto, Lidl und Kaufland über 60 Prozent. Rewe und Real kratzen an der 60-Prozent-Marke und bei Edeka sind immerhin weniger als die Hälfte der Produkte noch in Plastik verpackt. Vor allem Tomaten sind meist in Plastik verpackt, fand die Verbraucherzentrale heraus.

Verpacktes Obst und Gemüse oft günstiger

Bei der hatten sich auch Verbraucher beschwert, dass unverpacktes Obst und Gemüse oft teurer wären als das verpackte Pendant. Was steckt dahinter? Die Verbraucherzentrale hat die Vermutung der Verbraucher überprüft und muss die tatsächlich bestätigen. Im Preisvergleich war mehr als die Hälfte der verpackten Produkte günstiger als die unverpackten. "Händler, die mehr Geld für unverpacktes Obst und Gemüse verlangen, ohne dass dieses qualitativ besser ist, tun weder Verbrauchern noch der Umwelt einen Gefallen. Wer umweltfreundlich einkaufen will, darf dafür nicht zusätzlich zur Kasse gebeten werden", sagt Michael Knobloch, Vorstand der Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Verbraucherzentrale fordert daher, dass der Handel sein Angebot an unverpacktem Obst und Gemüse ausweiten muss, ohne den Verbraucher zur Kasse zu bitten.

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