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Fleischfreie Kitas in Freiburg Kein Fleisch mehr auf den Tellern der Kinder? Ja, endlich!

In Freiburg gibt es bald nur noch vegetarische Kost in den Kitas. Die Autorin findet diesen Vorstoß gut und mutig.
In Freiburg gibt es bald nur noch vegetarische Kost in den Kitas. Die Autorin findet diesen Vorstoß gut und mutig.
© Getty Images
Freiburg leistet Pionierarbeit: In städtischen Kitas und Grundschulen gibt es künftig nur noch ein vegetarisches Angebot. Was dem zuständigen Agrarministerium gar nicht schmeckt. Dabei sollte es sich über etwas ganz anderes aufregen.

Meine zweijährige Tochter geht fünf Mal die Woche in die Kita: Einmal die Woche gibt es Fleisch, einmal Fisch, zweimal gibt es vegetarisches Essen und einmal die Woche sogar ein veganes Angebot. Würde mir die Stadt Hamburg nun sagen, ab sofort werden Fisch und Fleisch vom Speiseplan gestrichen, würde ich applaudieren.

So wie ich der Stadt Freiburg applaudiere, denn die leistet Pionierarbeit, auch wenn die Gründe finanzieller Natur sind: In städtischen Kitas und Grundschulen gibt es künftig nur noch ein vegetarisches Einheitsmenü. Um Kosten zu sparen. Wer Fleisch oder Fisch essen möchte, muss sich das künftig woanders holen. Das Agrarministerium tobt, eine ausschließlich vegetarische Ernährung als Vorgabe unterstütze das Stuttgarter Agrarministerium nicht. Für die Politiker gehöre zu einer ausgewogenen Ernährung auch Fleisch. Aber stimmt das wirklich?

Debatte um Fleisch in Freiburger Kitas: Expertin sieht kein Problem bei vegetarischer Ernährung für Kinder
Bildquelle: DPA

Es spricht nichts gegen eine vegetarische Ernährung

"Das kommt darauf an, welche Form der vegetarischen Kost gewählt wird", so die Antwort der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Entscheiden Eltern oder Kinder sich für eine ausgewogene und abwechslungsreiche ovo-lacto-vegetarische Ernährung, also ohne Fleisch und Fisch, aber mit Eiern und Milchprodukten, spricht nichts gegen eine komplett vegetarische Ernährung. Eine rein vegane Diät hält die DGE im gesamten Kindesalter jedoch für ungeeignet.

Also, liebes Stuttgarter Agrarministerium, Fleisch gehört nicht zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Wer jetzt aufschreit, mein Kind braucht aber sein Fleisch, der kann ja abends eine Fleischmahlzeit servieren. Wäre das Leben ein Wunschkonzert, würde meine Tochter in der Kita auch nur selbstgekochtes Bio-Essen verspeisen. Die Realität sieht aber so aus, dass ein Convenience-Caterer vorfährt. Weine ich deshalb? Nein, weil abends gibt es dann das Essen, was meine Ansprüche erfüllt. Das kann auch mal Fleisch und Fisch sein, aber selten, denn meine Tochter verschmäht das bis auf Spaghetti Bolognese und Fischstäbchen sowieso. Klassisches Kind halt.

Weniger übers Fleisch jammern, lieber mehr Bio

Das Ministerium in Stuttgart argumentiert, dass Kinder "in ihrer Entwicklung die Möglichkeit haben, einen eigenen Geschmack zu entwickeln und sich auszuprobieren. Dazu gehört auch der Verzehr von Fleisch". Da bin ich bei ersterem sogar beim Ministerium. Aber dafür sind ja nicht nur die Kitas und Schulen verantwortlich, sondern auch die Eltern zuhause. Jeder Elternratgeber predigt, dem Kind so viele verschiedene Lebensmittelgruppen wie möglich anzubieten.

Und wenn wir schon mal beim Aufregen sind, wäre es nicht klüger seine Energie dahin zu kanalisieren, den Anteil von Bio-Produkten in Kitas und Schulen zu erhöhen? Denn rein aus Kostengründen wird das Fleisch, das jetzt noch in den Kitas und Schulen angeboten wird, womöglich eher aus Massentierhaltung stammen als vom Bio-Bauernhof. Und das ist weder für die Gesundheit der Kinder noch für die Umwelt besonders förderlich. Immerhin soll in Freiburg der Anteil von Bio-Produkten bei der Schul- und Kitaverpflegung von 20 auf 30 Prozent steigen. Genug ist das noch lange nicht. 

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