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TV-Kritik

Fünfte Staffel "Kitchen Impossible": Warum Tim Mälzers Kochshow einfach nicht langweilig wird

Man kann sich darüber streiten, ob sich TV-Shows irgendwann abnutzen. Natürlich stellt sich die Frage auch bei der 5. Staffel von "Kitchen Impossible". Aber Tim Mälzer und sein Team schaffen es immer wieder, dass man vom Kochen begeistert ist.

Tim Mälzer fängt mit "Kitchen Impossible" weiterhin den Charme des Kochens ein

Tim Mälzer fängt mit "Kitchen Impossible" weiterhin den Charme des Kochens ein

"Kitchen Impossible" spielt fast in der gleichen Liga wie "Chef's Table" auf Netflix. Zumindest im Kern. Natürlich hat Netflix ein viel höheres Budget für die wohl bekannteste Food-Serie der Welt und sie wird nicht nur in Deutschland, sondern in weiteren 189 Ländern ausgestrahlt. "Chef's Table" war die erste Kochshow, die wie eine Dokumentation gedreht wurde - ohne Moderator. Mittlerweile läuft sie in der sechsten Staffel.

Ähnlich verhält es sich mit "Kitchen Impossible". Auch diese Kochshow ist ein Original, obgleich nur für deutschsprachige Zuschauer produziert. Aber die Idee der beiden Shows bleibt die Gleiche: Sie zeigen die verschiedenen Facetten des Kochens. Natürlich werden in beiden Sendungen immer wieder die Spitze der Kochzunft gezeigt, aber nicht nur. Auch der einfachste Koch, der nur ein Gericht beherrscht, hat sowohl bei "Kitchen Impossible" als auch bei "Chef's Table" seinen legitimen Platz.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die fünfte Staffel von "Kitchen Impossible" an den Facetten-Reichtum des Kochens anknüpft. Das Konzept bleibt gleich: Tim Mälzer duelliert sich mit einem Koch oder einer Köchin, es müssen vier Aufgaben an vier verschiedenen Orten mit jeweils vier Originalköchen bestritten werden. Eine Jury verköstigt das Ergebnis und verteilt Punkte. Der Gewinner des Duells ist derjenige mit den meisten Punkten.

"Kitchen Impossible" zeigt die Kunst des Kochens

Gewohnt großkotzig nimmt Mälzer auch in dieser Staffel kein Blatt vor den Mund: "'Kitchen Impossible' ist die Mona Lisa des internationalen Kochfernsehens und ich bin ihr Lächeln“, stellt Mälzer gleich mal klar. Man muss die derbe Sprache Mälzers mögen - oder aber ignorieren können. Der wohl größte Kritikpunkt in seiner Sendung. Da rutschen schon mal so Sätze raus wie "Ich bin wie Maria - nur mit Penis". Normalerweise könnte man sowas herausschneiden. Aber bei "Kitchen Impossible" geht es ab Minute eins um Authentizität.

Sein erster Kontrahent der neuen Staffel ist der Münchner Zwei-Sterne-Koch Christoph Kunz. Der 33-Jährige konnte Mälzer früher nicht leiden, seine Meinung hat sich erst durch "Kitchen Impossible" verändert. Kunz hat Mälzer in den letzten Staffeln gut studiert und weiß, wo seine Achillesferse ist. Deshalb schickt er ihn zum Kochen nach Deutschland und lässt ihn bei der 90-jährigen Maria kochen. Die zufällig die Großmutter seiner Freundin ist.

Kochen mit Tim Mälzer: Das Geheimnis einer guten Tomatensoße

Genau bei Maria aber zeigt sich die Bandbreite der Kochkunst. Aus der Not heraus musste sie bereits mit neun Jahren den Haushalt schmeißen - und auch kochen. Sie flüchtete später von Ungarn nach München - und erzählt von den schweren Zeiten ihres Lebens. Seit sie denken kann, macht sie ihren Bohneneintopf mit Einlage wie Fleisch, selbst gezupfte Spätzle, Möhren und Paprikapulver. Das Gericht ist Geschichte, den Geschmack zu treffen gewissermaßen unmöglich. Aber es ist genau dieses Essen, das "Kitchen Impossible" nach wie vor sehenswert macht - auch noch in der fünften Staffel.

Köche, die in Erinnerung bleiben

Das gleiche gilt für die Aufgabe für Christoph Kunz in Marokko: Er muss Mhancha kochen. Die Einheimischen sagen, es ist eines der schwierigsten Gerichte der marokkanischen Küche. Ein Gebäck, das sowohl süß als auch herzhaft gegessen werden kann. Der Clou des Gerichts aber ist der Teig: der Originalkoch backt die fast durchsichtigen Teigfladen auf einer Art heißem Crêpe-Stein. Um den Teig zu perfektionieren, hat er gut ein Jahr gebraucht. Der Zwei-Sterne-Koch Kunz verzweifelt fast an der Aufgabe, hier aber zeigt sich, wofür die Bande der Köche steht - sie sind getrieben vom Ehrgeiz. Am Ende liefert Kunz ab, kein perfektes Ergebnis, aber sein bestmögliches.

Der Zuschauer taucht wieder ein, in die vielfältige und faszinierende Welt des Kochens. Natürlich kommen auch die Fine-Dining-Köche in der ersten Folge nicht zu kurz. Aber wirklich hängen bleibt man bei der 90-jährigen Maria, die mit wenigen Mitteln ein Gericht kocht, das in Erinnerung bleibt. Oder aber bei der Kochtradition in Marokko.

Das Rennen macht am Ende der Zwei-Sterne-Koch Christoph Kunz. Tim Mälzer kann das mittlerweile gut verkraften. Schließlich hat er schon etliche Siege in den vorherigen Staffeln eingeheimst - und weil er beweisen konnte, was heute die ganze Branche weiß: Mälzer kann kochen.