HOME

100 Jahre "Kitchen Aid": Revolution in der Küche: Die Geschichte der ersten Küchenmaschine, die bis heute alle begehren

Die Wundermaschine von Herbert Johnson sollte das Leben von Kochkünstlern und Gourmets revolutionieren. Seit gut 100 Jahren steht die "Kitchen Aid" nun in den Haushalten. Ein guter Anlass, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Das erste Modell der späteren "Kitchen Aid". Das Bild stammt aus dem Jahr 1920.

Das erste Modell der späteren "Kitchen Aid". Das Bild stammt aus dem Jahr 1920.

Der amerikanische Ingenieur Herbert Johnston aus Ohio hatte Mitleid mit den Bäckern. Er konnte ihnen nicht mehr bei der mühevollen Arbeit zusehen, wie sie einen Brotteig mit einem Eisenlöffel kneteten. Da müsste es doch Erleichterung geben. Also hat er es sich zur Aufgabe gemacht, ein Gerät zu erfinden, welches das Kneten von Teig automatisch übernimmt: die Geburtsstunde der späteren "Kitchen Aid".

1914 brachte Johnston, der zu dem Zeitpunkt bei der Hobart Manufacturing Company angestellt war, einen ersten elektrischen Teigmixer auf den Markt. Der konnte 75 Liter fassen, war also genau für den Einsatz von Bäckereien ausgerichtet. Aber was für Berufsbäcker gut ist, ist vielleicht auch etwas für die vielen amerikanischen Hausfrauen.  

KitchenAid

So sieht sie heute aus: Die Küchenmaschine "Kitchen Aid", die seit 100 Jahren in den Haushalten steht

Auch Henry Ford hatte eine "Kitchen Aid" in der Küche

Fünf Jahre später entwickelte Johnston einen kleineren Mixer, den "Hobart 5", kurz H-5. Dass dieser Mixer die Küchen revolutionieren würde, hätte zu diesem Zeitpunkt wohl kaum einer gedacht. Die ersten, die den Haushaltsmixer testen durften, waren die Ehefrauen der Hobart-Mitarbeiter. Eine von ihnen war davon so begeistert, dass sie dem Erfinder sagte: "It's the best kitchen aid I've ever had" (auf Deutsch: "Das ist der beste Küchenhelfer, den ich je hatte") - und Johnston hatte endlich einen massentauglichen Namen.

1919 - also genau vor 100 Jahren ließ er die "Kichten Aid" beim US-Patentamt als neuen Markennamen sichern - und gründete die "Kitchen Aid Manufacturing Company". In den "Goldenen Zwanziger" Jahren konnte Johnston 20.000 Küchenhelfer verkaufen. Sogar Henry Ford war stolzer Besitzer dieser Neuheit.

Das heutige Design der Küchenmaschine wurde 1937 festgelegt. Damals heuerte der Herausgeber von "Vanity Fair", Egmont Ahrens, bei "Kitchen Aid" als Produktdesigner an. Arens' Entwurf findet sich in den heutigen Modellen der "Kitchen Aid Artisan" nahezu unverändert wieder. Bunt wurden die Mixer zur Zeit des Wirtschaftswunders. Zuvor gab's den Küchenhelfer nur in Weiß. Heute gibt es gelbe, pinke, grüne, chromfarbene, mattschschwarze Geräte. 

Eine Werbeplakatt aus den 1940er Jahren. Man beachte den Preis von nur 29,95 US-Dollar. Zur Zeit der Wirtschaftskrise sollte die "Kitchen Aid" für alle erschwinglich sein.

Eine Werbeplakatt aus den 1940er Jahren. Man beachte den Preis von nur 29,95 US-Dollar. Zur Zeit der Wirtschaftskrise sollte die "Kitchen Aid" für alle erschwinglich sein.

Erst 90 Jahre später gab's die "Kitchen Aid" in Europa

In den USA war der Küchenhelfer schnell angesagt und wurde ein Statussymbol in den amerikanischen Küchen. Eine "Kitchen Aid" kaufte man sich nicht, weil sie das günstigste Gerät auf dem Markt war, sondern weil sie durch Qualität - und vor allem auch durchs Design überzeugte. Heute bekommt man eine "Kitchen Aid"  je nach Modell, Farbe und Ausstattung ab 400 Euro.

Bis die Küchenmaschine aber in Europa zu haben war, vergingen weitere 90 Jahre. Erst seit 2007 sind hierzulande die amerikanische Küchenmaschine erhältlich. Bis heute ist die "Kitchen Aid Artisan" der Verkaufsschlager des Unternehmens, der Durchbruch gelang der Firma aber letztendlich mit der Erweiterung des Sortiments. Heute gibt es Toaster, Wasserkocher, Kaffeemaschinen, Mixer und weitere Geräte der Marke. Alle können farblich zur "Kitchen Aid" abgestimmt werden.

Vegan Backen: Das schnellste vegane Brot-Rezept der Welt

Der Erfolg ist vor allem auch Herbert Johnston zu verdanken. Der ließ das Planetenrührwerk seiner Maschine bereits 1920 patentieren. Dabei bewegt das Rührwerk Werkzeuge wie Schneebesen, Knethaken oder Flachrührer auf einer Kreisbahn durch die Rührschüssel und dreht sich gleichzeitig um die eigene Achse. So können alle Zutaten verarbeitet werden. Der Motor kommt ohne Getriebe aus, weil dieser direkt im Kopf der Küchenmaschine sitzt.

"Kitchen Aid"-Liebhaber sind vor allem vom vierfältigen Zubehör begeistert, es gibt kaum ein Gerät unter den Küchenmaschinen, das man so unbegrenzt erweitern kann: Es gibt einen Fleischwolfaufsatz, ein Wurstfüllhorn, eine Gemüsereibe, eine Nudelwalze... Bis heute - also 100 Jahre später - erleichtert die Maschine nicht nur Profi-, sondern auch Hobbyköchen die Arbeit. Da hatte Johnston wohl einen guten Einfall.


Themen in diesem Artikel