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Gastronomie: Tödliches Essen: Wenn Köche Lebensmittelallergien nicht ernst nehmen

Man muss zwischen Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien unterscheiden. Letztere könnten tödlich sein. Warum Köche mehr darauf sensiblisiert werden müssen.

Allergien

Lebensmittel wie Eier, Nüsse oder Schalentiere können Allergien auslösen

Getty Images

Ben Faltwell ist allergisch auf Eier. Vor etwa sechs Jahren aß er in einem französischen Café in Amsterdam und machte dem Kellner vorher eindrücklich klar, dass er keine Eier essen dürfe. Er sei allergisch. Also fragte er nach, ob Eier im Gebäck wären. Der Kellner sprach mit dem Küchenchef und versicherte, dass keine Eier darin wären. Als der Kellner an den Tisch kam, fragte Faltwell noch einmal. Ob er wirklich garantieren könne, dass sich im Gebäck keine Eier befänden. Der Kellner bejahte erneut. Also biss Faltwell hinein - und erlitt eine allergische Reaktion.

Innerhalb von Sekunden kann er feststellen, ob ein Gericht Eier enthält oder nicht. Seine Zunge fängt dann an, zu jucken. Die nächsten Stunden verbrachte Faltwell auf der Toilette und musste sich übergeben. Es ist nicht der einzige Fall, von dem der "Guardian" berichtet. Lebensmittelallergien werden oft nicht ernst genommen oder schlichtweg ignoriert. Im schlimmsten Fall kann das tödlich enden. 

2016 starb ein 15-jähriges Mädchen an den Folgen einer allergischen Reaktion. Sie kaufte ein Baguette mit Artischocken und Olivenpaste darauf. Was nicht vermerkt war: Das Brot enthielt Sesamkörner. Die 15-Jährige war darauf allergisch. Sie starb wenige Stunden später. Ein anderes Mädchen starb an den Folgen einer Erdnuss-Allergie. Die Erdnüsse waren in einem Gericht eines Lieferdienstes. Beim Bestellen vermerkte das Mädchen noch, dass sie gegen Erdnüsse allergisch sei. Der Restaurantbesitzer wurde später wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Allergien nehmen zu

Allergien gegenüber bestimmten Lebensmitteln nehmen zu, da sind sich Experten sicher, und zwar auch bei Erwachsenen, die im Kindesalter nie Probleme damit hatten. Prinzipiell kann jedes Nahrungsmittel eine allergische Reaktion auslösen. Vor allem Kinder reagieren häufig auf Grundnahrungsmittel wie Milch, Eier, Weizen oder Nüsse.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind es vermehrt Allergien auf pflanzliche Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse oder Nüsse. Dabei spielen auch Kreuzreaktionen eine wichtige Rolle. Etwa wenn jemand eine Pollenallergie hat und dann auch auf bestimmte Obst- und Gemüsesorten reagiert. Aber nicht jede Reaktion auf ein Nahrungsmittel ist automatisch eine Allergie. Es kann sich auch schlicht um eine vorübergehende Unverträglichkeit handeln.

+++ Lesen Sie hier, warum Lebensmittelallergien zunehmen +++

Menschen mit Lebensmittelallergien werden oft belächelt. Und häufig werden ihre Symptome von ihrem Umfeld als Unverträglichkeit abgetan. Man solle sich nicht so anstellen. Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen einer Unverträglichkeit und einer Allergie. Von diesem Schicksal ist auch stern-Autorin Denise Fernholz betroffen. Sie leidet an Zöliakie, also einer Allergie gegen Gluten, das ist der Kleber im Weizen. Schon kleinste Spuren lösen bei ihr Beschwerden aus. Lesen Sie hier mehr zu ihrem Schicksal.

Nachdem Ben Faltwell allergisch auf das Gebäck reagierte, äußerte sich der Küchenchef zu dem Vorfall. Im Gebäck seien zwar Eier gewesen, aber er ging davon aus, dass diese wegen der Hitze beim Backen und beim Frittieren keine Probleme bereiten würden. Faltwell hatte Glück im Unglück. Dennoch sollten Allergien ernst genommen werden. Sie führen nicht immer zum Tod, aber können dennoch die Gesundheit aufs Spiel setzen.

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