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Der Streit um den Namen "Otto": Warum das Versandhaus Otto einen kleinen Burgerladen in die Knie zwingen will

Es geht um den Namen Otto. Dem Versandhaus passt es nicht, dass ein Hamburger Burgerladen den gleichen Namen führt. Deshalb klagt das Versandhaus, obwohl sie mit Otto's Burger sogar Veranstaltungen machen wollten. Ein paradoxer Streit.

Otto's Burger

Eigentlich könnte sich Daniel MacGowan Schöneres vorstellen als sich um den Namen "Otto" zu streiten

"Die schlaflosen Nächte sind vorbei", sagt Daniel MacGowan, Geschäftsführer einer Hamburger Burgerkette, die sich auf hochwertige Burger spezialisiert hat. In Hamburg gibt es bereits vier Läden, Köln und Lüneburg sollen folgen. Sie alle tragen den Namen: " 's Burger". Und genau das ist das Problem. Zumindest aus der Sicht des Hamburger Versandhauses Otto. 

Eigentlich haben die beiden Unternehmen wenig gemein - bis auf den Namen - und genau das wirft das Versandhaus Otto dem Burgerladen vor: "Verletzung der Kennzeichenrechte". Das geht aus einem Statement des Pressesprechers von Otto hervor, das dem stern vorliegt. Der Name "Otto" sei bekannt und "Otto's Burger" würde den Namen unberechtigterweise verwenden. "Der Beklagte nutzt die Bekanntheit und Wertschätzung der Marke aus. Da denkt der Verbraucher doch: 'Macht Otto jetzt auch noch in Burger'?“, zitiert die "Bild" den Jurist Paul Schäuble, der den Otto-Versand vertritt. Ist die Klage wirklich berechtigt?

Als 2014 die erste Filiale von "Otto's Burger" eröffnete, sah das Otto wohl noch keine Gefahr, die von der Burgerfiliale ausgehen könnte. "Sie wollten mit uns gemeinsam Namenstag feiern und sogar das Catering bei uns bestellen - wir hatten zu dem Zeitpunkt nur noch keinen Foodtruck und konnten die Anfrage leider nicht erfüllen", erinnert sich MacGowan. Auch das Versandhaus Otto bestätigt die Kontakte zwischen ihrer Marketingabteilung und "Otto's Burger". Die sollen aber stattgefunden haben, bevor die Rechtsabteilung die Streitigkeit gerichtlich einleitete.

Der Streit um "Otto"

 2015 dann flatterte ein Brief von einem Anwalt vom Versandhaus Otto beim Burgerladen ein. "Otto's Burger" sollte seinen Firmennamen "Otto" löschen. Zur Erklärung: "Die Marke 'Otto's Burger' war ursprünglich nicht nur mit den klassischen Leistungen eines Restaurants angemeldet worden, sondern behielt sich vor, auch Kleidung, Schuhe oder Kopfbedeckungen anzubieten", heißt es vom Sprecher des Versandunternehmens auf Nachfrage des stern. "Otto's Burger" verzichtete schließlich auf die Bekleidung.

Das reichte dem Otto Versandhaus nicht, sie wollten mit der Burgerkette einen Lizenzvertrag schließen, das hätte bedeutet, "Otto's Burger" dürfe zwar den Namen weiter führen, die Rechte für den Namen aber liegen beim Versandhaus. "Otto's Burger" lehnte das ab. "Wir hätten keine 100 prozentige Kontrolle mehr über den Laden gehabt. Und es ist schwierig, wenn man über den Namen nicht frei verfügen darf. Franchise beispielsweise wäre unmöglich, wir könnten den Namen theoretisch nicht weitergeben", erklärt MacGowan die Absage an den Versandhandel.

Schließlich habe Otto-Versand damit gedroht, vor Gericht zu gehen, wenn es zu keiner Einigung komme, so MacGowan. Otto hingegen beharrt darauf, dass es keinen anderen Ausweg gegeben habe als eben die Klage. Sie hätten Vorschläge und auch zahlreiche Initiativen erarbeitet, um eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen. Die habe "Otto's Burger" abgelehnt. 

MacGowan aber erwidert darauf, dass es einen persönlichen Kontakt oder eine Annäherung nie gegeben haben soll, obwohl sie mehrfach angefragt haben, sich persönlich in zu treffen. "Sie sind recht aggressiv vorgegangen. Alle drei Geschäftsführer sind persönlich angeklagt. Die Streitsumme beläuft sich auf 750.000 Euro. Es scheint, dass es um so viel Geld wie möglich gehen soll, damit wir einknicken", sagt der Geschäftsführer von "Otto's Burger". Das haben die Gründer von "Otto's Burger" aber keineswegs vor. Wenn es sein muss, gehen sie bis zur höchsten Instanz.

Otto, der Erfinder des Hamburgers?

Der Name "Otto's Burger" geht übrigens keineswegs auf den Hamburger Versandhandel zurück, sondern um die Theorie, dass der Hamburger Koch Otto Kuase um 1890 für die Überseefahrer Steak in zwei Brötchenhälften getan habe. Als die Passagiere in Amerika ankamen, haben sie das Brötchen der Einfachheit halber 'Hamburger' genannt.

Bislang hat "Otto's Burger" bereits einen fünfstelligen Betrag in die Arbeit der Anwälte gesteckt. Der Worst Case wäre natürlich in allen Anklagepunkten zu verlieren, Alternativpläne gebe es nicht. Die Geschäftsführung ist einfach nur froh, wenn am 10. Juli das Urteil im Streit um den Namen "Otto" gefällt wird. Damit könne man arbeiten.

Wie das Urteil auch ausfallen wird, an Sympathien gewinnt ein Unternehmen mit rund 4500 Mitarbeitern gegen eine Burgerkette mit 87 Mitarbeitern mit so einer Klage nicht. Es mutet wie eine klassische David gegen Goliath-Geschichte an. Nur, dass es hier nicht um Sympathien gehe, sondern um "Recht", wie der Pressesprecher von Otto-Versand betont. Es würde wohl kein Unternehmen zulassen, dass seine Marke unkontrolliert verwendet werde. Dass aber 120 Unternehmen in Deutschland den Namen "Otto" führen dürfen, ist wohl eine andere Geschichte.