HOME

Rezepte zum Nachkochen: Für dieses Curry geben Sie alle Zutaten in einen Blitzhacker

Für ein Curry aus Malaysia muss man ein paar Zutaten mehr als sonst auf den Einkaufszettel schreiben. Lohnt sich aber!

Curry mit Jakobsmuscheln und Tofu. Die Würzpaste entsteht im Blitzhacker.

Curry mit Jakobsmuscheln und Tofu. Die Würzpaste entsteht im Blitzhacker.

When I was out east ..." Wann immer Mrs Gascoigne diese Formel sprach, spitzte ich die Ohren. Das klang wie "Es war einmal ..." – nur dass die Mutter meiner angeheirateten schottischen Cousine dann Märchen aus Tausendundeiner Nacht der Alkoholisierung erzählte, erlebt in den Country Clubs von Kolonial-Malaysia. Jugendlich saß ich zu der Dame Füßen, lauschte und beschloss, eines Tages selbst zu schauen, ob es stimmt, dass nämlich malaiische Köche niemals zwei gleiche Currys kochen, dass die Zubereitungen aber allesamt fabelhaft sind. Nach meinem Studium reiste ich nach Kuala Lumpur, wo ich fand: Mrs Gascoigne hatte ja sooo recht! Seitdem liebe ich nicht nur Malaysia, sondern gleich den ganzen Malaiischen Archipel von der Insel Penang bis hinüber zu den Kei-Inseln. Ich habe dort niemals fein gegessen, immer aber grandios, denn die Burschen können würzen.

Um zumindest den Hauch einer Ahnung von der Küche der 20 000 Inseln zu geben, stelle ich hier ein Curry vor, für dessen Zubereitung man einen Blitzhacker braucht sowie eine Menge von Zutaten, die die Zahl zwei überschreitet. „Ja, da muss ich ja all die doofen Gewürze erst noch kaufen ...“ Ja, mein Herr oder meine Dame, müssen Sie, wie ja auch keiner im Hobbykeller einen Schrank nur mit einem Hammer und Nägeln bauen will. Kaufen wir also die Gewürze sowie ein paar weitere ungewohnte Zutaten und stellen wir auch sicher, dass unser Blitzhacker funktioniert. Tut er es nicht, kaufen wir einen neuen. Und hören auf zu jammern.

Hier kommt die Zutatenliste

Wir beschaffen: 400 g festen Tofu (keinen Seidentofu), 1 Dose Kokosmilch (ca. 200 ml), 400 g Jakobsmuschelfleisch (oder Kammmuscheln, gibt es TK, kann man bestellen, findet man in den Asia-Shops großer Städte), frisches Zitronengras, frische Zitronenblätter (so man sie kriegt), Chilipulver, Salz, Schalotten, Knoblauchzehen, frische Ingwerwurzel, frische rote Peperoni (mild), 1 TL Sambal Terasi (stinkt, ist aber unverzichtbar), gemahlene Mandeln (oder Haselnüsse), 1 TL Koriander (Pulver), 1 TL Paprika (süß, Pulver), 1/2 TL Kurkuma (Pulver), Limettensaft und Pflanzenöl.

Der Grund, warum Mrs Gascoignes Köche niemals zwei gleiche Currys zubereiteten, liegt darin, dass sie "aus der Lamäng" kochten (frei aus dem Handgelenk). Überhaupt sind die Mengenangaben eines Currys stets verhandelbar. Nicht verhandelbar ist allerdings, dass Zitronengras im Spiel ist, frischer Ingwer, Chili und das umraunte Sambal Terasi, ein für sich allein graubraunes und übel riechendes Gebrösel aus zunächst gestampften und dann vergorenen Garnelen; gibt es im Asia-Laden und wird nur in kleinen Mengen eingesetzt, ähnlich der Sardelle. Es pur zu schnuppern lässt erschaudern, lässt man es aber fort, dann fehlt ganz einfach das Parfüm hinter dem Ohrläppchen.

Zur Zubereitung: den Tofu in Stücke von der Größe der Jakobsmuscheln zuschneiden. 1 Stängel Zitronengras fein hacken, 2 Zitronenblätter (wenn vorhanden) in feine Streifen schneiden, beide mit 1/2 TL Chili (alias Cayenne) und 1/2 TL Salz in einer Schüssel (Glas, Keramik, kein Metall) mischen, mit 125 ml kochendem Wasser übergießen und verrühren und die Tofustücke darin 1–2 Stunden einlegen.

Zur Vorbereitung einer Bumbu genannten Würzpaste 3 Schalotten, 2 Knoblauchzehen, 5 cm Ingwer (geschält), 3 rote Peperoni (entkernt), eine daumennagelgroße Menge Sambal Terasi, 2 EL gemahlene Mandeln, Koriander, Paprika und Kurkuma zusammen mit dem Saft von 1/2 Limette, 2 EL Öl und 2 EL Wasser im Blitzhacker zu einer glatten Paste verarbeiten (in Kuala Lumpur, einer atemlosen Stadt mit tollen Nachtmärkten, würde man alles mörsern, aber das tun wir uns nicht an).

Eine Kasserolle mittelstark erhitzen und die Paste darin unter Rühren mit einem Holzlöffel für 4–5 Minuten rösten (darf nicht anbrennen). Mit der Tofumarinade (inkl. der festen Bestandteile) ablöschen und 20 Minuten leise köcheln. Die Kokosmilch einrühren, 3 Minuten mitkochen lassen und die Sauce mit dem Saft von 1/2 Limette und Salz abschmecken.

Sri Owen, von der ich das Rezept adaptiert habe, sagt: Bis hier kann das Gericht zubereitet und dann kalt verwahrt werden.

Die Sauce aufkochen, den Tofu darin 4–5 Minuten erhitzen (ohne wild zu rühren, die Tofustücke sollen ganz bleiben), dann die Jakobsmuscheln dazugeben, zart unterheben, den Topf deckeln, vom Herd nehmen und die Muscheln in der Resthitze für wenige Minuten gar ziehen lassen.

Das Curry abschmecken und zu weißem Reis und mit Koriandergrün sowie Erdnüssen bestreut servieren.

Und wie geht es Kuala Lumpur sonst?

Kuala Lumpur ändert sich jedes Jahr rasant, was aber bleibt, ist die menschenfreundliche Atmosphäre. Das Nebeneinander von Malaien, Indern und Chinesen garantiert eine abwechslungsreiche Küche, die man am besten nachts genießt, bei den "supper" genannten Nachtmahlzeiten – zu Hunderten sitzen die Menschen dann mitternächtlich draußen und essen, denn auch nachts sinkt die Temperatur nicht unter 22 Grad. Man hockt auf Plastikstühlen und isst von Plastikgeschirr enormleckere Gerichte – die einen Stände machen Fisch, die anderen Nudeln, die dritten Suppen – all das für kleines Geld, eigentlich für weniger als nix, es ist grandios. Niemand legt Wert auf Äußerlichkeiten.

In Malaysia trinkt man Tee zum Essen, wobei man einen so hervorragenden wie den nachstehend empfohlenen auf den Märkten kaum findet. Zu den "suppers" lässt man sich am besten von einem Einheimischen mitnehmen und stellt bei den immer neuen Tellern keine Fragen. Meist lautet die Antwort: "Dont’t ask, eat.“"Auch dies ist für mich die Eröffnungsformel für Märchen, für kulinarische allerdings.

Raffinierte Rezepte: Das beste Butter Chicken-Rezept der Welt