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Interview

Dalad Kambhu in Berlin: Sie hat als einzige Frau dieses Jahr einen Michelin-Stern bekommen - was sie davon hält

Dalad Kambhu hat als einzige Frau in diesem Jahr einen Michelin-Stern für ihr Berliner Restaurant "Kin Dee" bekommen. Das irritiert sie. Dennoch ist sie glücklich darüber, dass Thai-Essen endlich eine Würdigung erfährt. Wir haben mit ihr über Frauen in der Spitzengastronomie und regionale thailändische Gerichte gesprochen.

Dalad Kambhu Kin Dee

Die 32-jährige gebürtige Thailänderin Dalad Kambhu hat ihren ersten Michelin-Stern für ihr Berliner Restaurant "Kin Dee" bekommen. "Kin Dee" heißt gut essen auf Thai.

Frau Dalad Kambhu, unter 309 Sterneköchen in Deutschland gibt es nur zehn Frauen. Warum glauben Sie, gibt es so wenige Frauen in der Spitzengastronomie?

Ich glaube, das ändert sich gerade. Aber es ist weiterhin ein Prozess. Ich habe viele Frauen getroffen, die Küchenchefinnen werden wollten, aber sie haben die Chance nicht ergriffen oder hatten Angst, dass sie es nicht schaffen.

Spielt Sexismus in der Küche eine Rolle?

Definitiv. Ich hatte männliche Angestellte, die meinen Anweisungen nicht folgen wollten und mich nicht ernst genommen haben. Männer, die sich über meine Dekoration auf dem Teller lustig gemacht haben, weil ich eine Blume angerichtet hatte. Dieses Problem wird sich nur ändern lassen, wenn wir anständig und nett zueinander sind. Dies ist in jeder Branche der einzige Weg für eine bessere Zukunft, in der Männer und Frauen arbeiten.

Wie wichtig ist der Michelin-Stern für Sie und ihr Restaurant "Kin Dee"?

Ich habe mich sehr darüber gefreut, nicht, weil ich die einzige Frau an diesem Abend war, die einen Michelin-Stern bekommen hat, sondern, weil ein Thai-Restaurant ausgezeichnet wurde. Und das in einer Stadt, in der die Leute sich weigern, für thailändisches Essen Geld auszugeben. Jetzt haben wir gewissermaßen eine internationale Empfehlung dafür bekommen, dass man für Thai-Essen ruhig mehr ausgeben kann. 

Sie haben sich mit Modeljobs über Wasser gehalten und sind Autodidaktin. Sie haben nie eine Kochausbildung gemacht. Wie kamen Sie zum Kochen?

Ich liebe essen. Und ich wollte immer selber Essen machen. Ich arbeitete als Model und auch schon in der Gastronomie, aber nie in der Küche. Also beschloss ich 2016 mein eigenes Restaurant aufzumachen.

Sie haben sich dafür Berlin und den Stadtteil Tiergarten ausgesucht. Warum gerade dort?

Ich habe nie in Berlin gelebt, aber es kam eine Möglichkeit auf und ich hatte ein gutes Gefühl für die Stadt und den Vibe. Es hat sich richtig angefühlt, also habe ich zugeschlagen. Aber ich hatte nicht mit den Vorurteilen gerechnet, die Thai-Essen entgegengebracht werden.

Dass die Gäste nicht bereit sind, Geld für thailändisches Essen auszugeben.

Genau. Die Gäste denken, Thai-Essen muss billig sein. Weil sie es so aus ihrem Urlaub kennen. Also wird mir oft gesagt, wie thailändisches Essen sein müsste, obwohl ich selber 20 Jahre dort gelebt habe. 

Wie gehen Sie damit um?

Ich kläre auf, und erkläre, was thailändisches Essen wirklich impliziert. Es geht um die Balance zwischen Säure, Süße und Bitterkeit, die man perfekt in Einklang bringen muss. Ich koche so, weil ich in Thailand aufgewachsen bin. Das Essen ist meine Visitenkarte. 

Was steht bei Ihnen auf der Speisekarte?

Hausgemachtes Thai-Food, das Spaß macht. Und als Zutaten verwende ich die Produkte, die im Umland wachsen.

Aber sie servieren thailändisches Essen. Wie funktioniert das denn?

Ich orientiere mich an den Traditionen Thailands. Dort wird auch nur das verwertet, was die Saison bringt. Da ich alle Currypasten und Saucen selber mache, funktioniert das sogar sehr gut. Es gibt dann beispielsweise Sauerampfer mit Salz und Chili oder scharfes Wildschwein ...

Mögen Sie auch deutsches Essen?

Ja, ich liebe Schnitzel und esse gerne Knödel.

Ihr Menü kostet 55 Euro. Planen Sie die Preise zu erhöhen?

Am liebsten nicht. Ich wünsche mir, dass mein Restaurant für alle Gäste zugänglich bleibt. Es kommen auch viele junge Leute, dass soll gern so bleiben.

Von 38 Preisträgern haben Sie als einzige Frau dieses Jahr einen Michelin-Stern bekommen. Hatten Sie gemischte Gefühle ob der Ehrung?

Ja, ich habe mich gefragt, warum ich die einzige Frau hier bin. Das habe ich nicht verstanden. Es ist 2019, hier sollten mehr Frauen sein.