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TV-Kritik

"Kitchen Impossible": "Sobald ich emotional drin bin, bin ich eine Maschine": Wie Tim Mälzer den Balkan begeistert

Keine Sendung bringt dem Zuschauer eine Kultur näher als "Kitchen Impossible". Und das nur mithilfe des Essens. In dieser Folge verlieben sich die Menschen vom Balkan in Tim Mälzer.

Tim Mälzer Kitchen Impossible

TV-Koch Tim Mälzer begeistert bei "Kitchen Impossible" die Bosnier und die Slowenen

Es sind Familiengerichte, die "Kitchen Impossible" so besonders macht. Was nicht bedeutet, dass die Aufgabe dadurch einfach zu meistern wird. Im Gegenteil. Denn wer von Kindesbeinen an schon immer das gleiche Gericht von Oma bekommen hat, der ist irgendwann konditioniert. Nirgendwo wird es so schmecken wie bei der Großmutter. Wer versucht, das Gericht nachzukochen, kann eigentlich nur verlieren.

Max Stiegl ist der Neue in der "Kitchen Impossible"-Familie. Der gebürtige Slowene war einmal Sternekoch und einst jüngster seiner Riege. Bewusst hat er sich aber gegen diese Welt entschieden. Heute kocht er vor allem mit Innereien. Für Mälzer gibt es kaum vergleichbare Köche wie Stiegl in ganz Europa. Ist er für den Kitchen-King eine Konkurrenz? Dass Stiegl der bessere Koch von den beiden ist, würde Mälzer so auch unterschreiben. Aber darum geht es im Duell ja nicht, sondern um die Gabe, den Geschmack des Originalgerichts so zu treffen, dass der Jury das Herz aufgeht. Das hat Mälzer bereits in vielen Folgen bewiesen.

Es kommt auf die Familiengerichte an

Und muss es auch in dieser Episode wieder: Denn Stiegl ist klug. Er schickt Mälzer zweimal auf den Balkan. Das erste Mal nach Bosnien. Das zweite Mal nach Slowenien (in sein Heimatland). In Bosnien muss er ein Familiengericht kochen, das eigentlich simpel ist, aber Mälzer viel zu kompliziert denkt. Bumbar ist ein traditionelles bosnisches Gericht aus Leber, Lunge und Herz vom Lamm. Die Innereien werden gekocht, und später mit Paprika , Zwiebeln, jede Menge Kräutern und Gewürzen aromatisiert. Dann wird der Masse Reis untermengt und die Füllung in ein Fettnetz vom Lamm gewickelt und anschließend im Ofen gebacken

Trifft Mälzer den Geschmack der Bosnier? Überzeugt von sich ist er allemal: "Ich bin kochen", sagt der Hamburger. Auf alle Fälle hat der TV-Koch eine Familie in Bosnien gefunden. Die Punkte hat er zwar nicht bekommen (insgesamt 4,7 von 10 Punkten), dafür aber das Herz der Familie erobert. 

Dem Zuschauer wurde indes mal wieder gezeigt, was die Sendung auszeichnet: Dass einem mithilfe eines Gerichts, eine ganze Kultur näher gebracht werden kann.

Der ehemalige Sternekoch Stiegl hingegen muss sich an asiatischer Küche versuchen. Und zwar in zwei verschiedenen Restaurants. Einmal muss er Dumplings zubereiten, beim zweiten Mal die traditionelle vietnamesische Suppe Pho. Die ist dabei nicht nur eine Suppe. Das wäre zu einfach. Pho ist ein Ritual, sie erzählt eine Geschichte. Das muss sich auch Stiegl eingestehen. Er scheitert an einer Suppe.

Nie zuvor hat Mälzer so gut gebacken

Sowie Mälzer an seinen Aufgaben in Slowenien. Könnte man meinen. Es kommt aber - wie so häufig beim TV-Koch - anders. Zuerst klopft er große Sprüche: "Sobald ich emotional drin bin, bin ich eine Maschine." Dann wird ihm die Aufgabe gestellt, einen Schichtkuchen zu backen. Damit kann er sich arrangieren. Als aber die zweite Box kommt, tobt der TV-Koch. Er weigert sich das typisch slowenische Gulasch aus Schweinsfüßen nachzukochen. Und muss am Ende für die Aufgabe Null Punkte einstreichen. Hätte er da nur gewusst, wie gut er mit seinem Schichtkuchen abschneiden würde. Die Slowenen sind begeistert und geben ihm 9,7 Punkte. Ein All-Time-High für Mälzer. Leider muss er die halbieren, da er die zweite Aufgabe nicht erfüllt hat.

Die letzte Aufgabe führt Stiegl in die Bronx in New York City, um Hühnchensuppe zu kochen. Denkt er. Dabei handelt es sich um eine jüdische Matzensuppe. Matzenknödel sind eine typische Suppeneinlage aus Mehl, Eier, Salz und Öl. Dazu gibt es eingelegte Gurken und ein Krautsalat mit Mayonnaise. Kochen muss er all das im Liebman's Deli, das seit den 50er Jahren für jüdische Kost bekannt ist. Die Aufgabe klingt leicht, doch Stiegl verzweifelt am Knödel. Nach mehrfachen Versuchen aber kommt er dem Original nicht auf die Spur. Leider. Dafür erfährt man einiges über koscheres Essen. Beispielsweise wer Fleischprodukte im Restaurant anbietet, darf keine Milchprodukte verwenden.

"Kitchen Impossible" ist neben der Unterhaltung vor allem auch eine Sendung, bei der man noch einiges übers Kochen, über fremde Küchen und Kulturen lernen kann. Und dass Mälzer unschlagbar bleibt.

Kitchen Impossible Tim Mälzer Christian Bau