VG-Wort Pixel

Vanille-Eiscreme-Tag Meine kalte, süße Liebe


Eiscreme ist fester Bestandteil meines Ernährungsplans, egal zu welcher Jahreszeit. Und heute feiert die kalte Süße Namenstag in Amerika. Bekenntnisse einer Eisverrückten.
Von Sophie Albers Ben Chamo

Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, mütterlichen Berechnungen zufolge ungefähr drei oder vier. Aber ich weiß, wo ich war: in Italien, ganz in der Nähe von Pesaro, in der Küstenstadt Fano. Ich kann noch den Motor unserer roten Alfa Romeo Giulia in der Sonne knacken hören. Und ich sehe mich schnurstracks in eine kleine Eisdiele laufen, in einem gestreiften Kleid. Damals begann eine Liebesgeschichte, die bis heute anhält, die sich jedes Jahr vertieft, der die Jahreszeiten egal sind, und die in meinem Freundeskreis fester Bestandteil meiner Charakterbeschreibung ist: eisverrückt. Dazu zählt auch Schokolade, aber das ist eine andere Geschichte. Zurück nach Fano.

Da stehe ich vor diesem riesigen Glaskasten in Tausend Lichtern, und ein freundlicher Mann reicht mir glücklichem Kind das erste Gold in der Waffel, an das ich mich erinnern kann. Eine Millisekunde später zerschmilzt es in meinem Mund, ich bin wie weggeschossen ins Zauberreich der durchdrehenden Geschmacksnerven, und die feuern ans Gehirn, dass dies für immer und ewig meine Hauptmahlzeit zu sein hat: das Vanilleeis aus Fano. Hat dann natürlich nicht geklappt.

Keine Schokoladenstückchen, bitte!

Das war aber gar nicht so schlimm, weil ich seitdem ein Netz der Eiskenntnis aufbauen konnte. Wohin immer es mich verschlägt, ich kann Ihnen sehr bald sagen, wo es am Ort das beste Eis gibt. Ja, auch im Winter. Und damit wir uns richtig verstehen, damit meine ich nicht die Fruchtsorten. Milchspeiseeis muss es sein (und bitte nicht mit Pflanzenöl). So rein und eindeutig wie Vanille eben. Das dann aber gern auch mit Brownie-, Cookie-Dough oder Erdnuss-Zusatz. Nur keine Schokoladenstückchen, das ist eh nur gefärbtes Fett.

San Francisco? Gehen Sie zur Bi-Rite Creamery, 18. Straße, Ecke Dolores, und schmelzen Sie dahin. Berlin? Lange Zeit war es das Caffè e Gelato in den Arkaden am Potsdamer Platz, aber versuchen Sie mal das Eis im Allegretto am Spree Palais am Hackeschen Markt oder auch die Minieisbar gegenüber von Clärchens Ballhaus. Tel Aviv? Da muss es Frozen Joghurt sein bei Tamara in der Gordon Street. Da gibt es eine Schaukel im Laden! In Rom bin ich mal Eisrunden gelaufen um die Fontana di Trevi, wo wirklich an jeder Ecke ein Eissalon ist. Meine beste Freundin in Melbourne hat mich einst vom Flieger abgeholt und sofort zur Cold Rock Ice Cream gefahren. Ich liebe sie! Die Freundin und das Eis.

Das Allerschönste ist ehrlich gesagt aber das Entdecken kleiner Eiswerkstätten an unbekannten Orten, was auch damit einhergehen kann, dass ich die Eisdiele nie wieder finde. So ging es mir mal in Padua, wo ich schlaftrunken aus dem Zug und in ein Eiscafé stolperte. "Vaniglia, per favore." Plötzlich war ich wieder vier Jahre alt und glücklich wie in Fano. Da war er, der Geschmack, mit dem es angefangen hat. Eisaugenblicke sind kostbar!


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker