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Bäckerei Kamps: Herr der Brötchen: Heiner Kamps wird 65

Zur Jahrtausendwende erschuf der Bäckersohn praktisch aus dem Nichts Europas größtes Backwarenunternehmen. Nur, um es dann an Barilla zu verlieren. Porträt eines einstigen Trendsetters der Foodbranche.

Heiner Kamps

Andere Zeiten: Als Heiner Kamps noch Vorstandsvorsitzender der Kamps AG war und seine Baguettes fest im Arm hielt.

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Selfmade-Millionär und Brötchen-König - zur Jahrtausendwende erschuf der Bäckersohn Heiner Kamps mehr oder weniger aus dem Nichts ein europäisches Backwaren-Imperium. Noch heute tragen mehr als 400 Filialen in Deutschland seinen Namen. Der Rest ist Geschichte. Am 25. Mai, feiert der einstige Herr der Brötchen seinen 65. Geburtstag

Kein anderer gab der Backbranche eine Prägung, wie es Heiner Kamps in den Jahren 1982 bis 2000 tat. Dabei begann die Karriere des späteren "Brötchen-Königs" eher unauffällig in der Backstube als Lehrling. Es folgte der Meisterbrief und ein Studium der Betriebswirtschaft. 1982 eröffnete er seine erste eigene Bäckerei in Düsseldorf.

Das sollte nur der Anfang sein. 15 Jahre später war aus dem Brötchenbäcker ein Millionär geworden und der Umsatz des Kamps-Imperiums erreichte schon mehr als 300 Millionen D-Mark (über 150 Millionen Euro). "Ich habe reichlich Mehl geatmet", sagte der Unternehmer einst über diese ersten Jahre.  

Aus der Backstube an die Börse

Doch Kamps wollte mehr. Im April 1998 wagte er als erster Groß-Bäcker den Gang an die Börse. Wieder einmal bewies der Unternehmer den richtigen Riecher. Der Kurs der Aktie schoss in die Höhe. Über Nacht wurde der Bäcker zum Börsenstar. "Kamps hat es geschafft, eine Bäckerei-Aktie ähnlich attraktiv zu machen wie ein Internetpapier", staunt heute noch Mark Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. 

Mit den durch den Börsengang eingenommenen Millionen ging Kamps einmal mehr auf Einkaufstour. Innerhalb von nicht einmal zwei Jahren übernahm er elf Bäckerei-Filialketten mit fast 1500 Verkaufsstellen. Kamps kaufte industrielle Großbäcker und wagte den Schritt ins Ausland. Doch der Höhenflug dauerte nicht lange. Einige Großeinkäufe im Ausland erwiesen sich als schwer verdaulich. Die Aktie brach ein, und der Börsenliebling wurde plötzlich selbst zum Übernahmekandidaten. 

Barilla übernimmt

Im Sommer 2002 übernahm der italienische Nudelriese Barilla die Kontrolle im Kamps-Imperium und zahlte dafür 1,8 Milliarden Euro. Der Gründer verließ wenig später das Unternehmen. Kamps selbst soll damals Zeitungsberichten zufolge durch den Verkauf seines Aktienpakets rund 60 Millionen Euro verdient haben. 

"Die Kamps-Story war ein großer Erfolg, auch wenn die feindliche Übernahme am Ende sicher nicht in meinem Sinne gewesen ist", sagt der Millionär heute im Rückblick. Da eine Konkurrenzklausel im Kaufvertrag weitere Aktivitäten im Backbereich zunächst einmal untersagte, suchte er andere Beschäftigungsfelder, stieg bei der Fischrestaurant-Kette Nordsee ein und übernahm später für einige Jahre die Leitung des Firmenimperiums von Müller-Milch-Gründer Theo Müller. 

"Ich werde nie aufhören zu arbeiten"

Seit Anfang 2019 konzentriert er sich wieder ganz auf die eigenen Geschäfte. Von Ruhestand keine Spur. "Ich werde nie aufhören zu arbeiten", sagte Kamps der Deutschen Presse-Agentur. Der Unternehmer sieht sogar in der Corona-Krise neben allen negativen Aspekten auch große Chancen. Das gelte gerade im Bäckereigeschäft.

Denn durch die Krise würden viele Einzelhändler aufgeben müssen und die Mieten in den Innenstädten unter Druck geraten. Für Cafés und Bäckereien eröffneten sich dadurch Möglichkeiten, Geschäfte in attraktiven Lagen zu eröffnen, die sie sich zuvor nicht hätten leisten können.  

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"Corona hat in der Lebensmittelbranche noch einmal alles durcheinander gewirbelt, und da ergeben sich trotz aller negativen Auswirkungen der Pandemie auch Chancen", sagte er kurz vor seinem Geburtstag. "Ich wäre jetzt gerne 10 bis 15 Jahre jünger. Dann würde ich diese Gelegenheit nutzen." Zwar sei er noch bei bester Gesundheit. Aber: "Man braucht doch immer fünf bis sechs Jahre, um etwas Neues aufzubauen, und das ist mir inzwischen wohl doch zu lang."

Außerdem hätten sich auch seine Prioritäten verändert, seitdem seine dritte Ehefrau vor sechs Jahren Zwillinge zur Welt gebracht habe. "In meine jüngsten Kinder kann ich mehr Zeit investieren, als ich es bei meinen älteren Kindern tun konnte, die Anfang der 1980er-Jahre zur Welt gekommen sind. Damals war ich gerade mit dem Aufbau meines Unternehmens beschäftigt."


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tpo / DPA