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Stiftung Warentest Mineralwasser-Check: Warum Sie lieber zum Billigwasser greifen sollten als zur Edelmarke

Gutes Mineralwasser muss nicht teuer sein
Wer gutes Mineralwasser haben will, muss das nicht teuer bezahlen.
© m-imagephotography / Getty Images
Die Preisunterschiede bei Mineralwässern sind gehörig. Aber lohnt es sich wirklich zur teuren Edelmarke oder dem Bio-Produkt zu greifen? Stiftung Warentest hat den Test gemacht – und ein vernichtendes Urteil gefällt.

Wasser ist Wasser ist Wasser? Stimmt nicht. Die Qualitätsunterschiede sind zum Teil gehörig. Stiftung Warentest hat 32 stille Wässer getestet. Dabei hat sich einmal mehr gezeigt, dass dort wo "Bio" draufsteht, nicht immer die beste Qualität drinsteckt. Und dass bei so manchem guten Namen vor allem eines sicher ist – ein hoher Preis.

Die frohe Kunde zuerst: Ein Großteil der Mineralwässer im Test kann guten Gewissens gekauft werden. Mikrobiologisch ist an den Wässern nichts auszusetzen. Kritische Stoffe konnten die Tester nur vereinzelt finden. Unterm Strich kann sich die Bewertung daher sehen lassen. Acht Sorten schneiden sehr gut ab, 18 sind gut. Viele Eigenmarken, auch die von Discountern, halten mit. Eines der besten ist das Eigenprodukt von Kaufland "K-Classic". Das Wasser gehört zu den drei Produkten, die jeweils mit der Gesamtnote 1,4 aus dem Test gehen und die Wertung anführen. Der Liter ist bereits ab 13 Cent zu haben und kostet damit nur in etwa ein Viertel so viel wie die beiden gleichrangigen Konkurrenzprodukte.

Bio-Mineralwasser enttäuscht

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Drei der Wässer sind nur ausreichend, eines sogar mangelhaft. Ausgerechnet zwei von fünf Bio-Produkten überzeugen nicht. Beide Produkte tragen das Label der Qualitätsgemeinschaft Bio-Wässer, die sich von der Konkurrenz mit besonders strengen Kriterien abheben möchte. Allerdings, so das Ergebnis des Tests, halten die Sorten nicht, was sie versprechen. Dabei geht es auch um Geruch und Geschmack, der frei von Fremdstoffen sein soll. Das Wasser von "Landpark Bio-Quelle" schmeckte bei einem Preis von immerhin 98 Cent pro Liter allerdings nach Kunststoff und Karton und muss sich sodann mit einem "Ausreichend" (3,6) zufriedengeben.

Noch härter gehen die Tester mit dem "Rieser Urwasser" ins Gericht. Die Tester wiesen unter anderem ein Pestizid-Abbauprodukt nach. Zudem kratzte es am Grenzwert für Radium. Statt reinem Urwasser wurden auch Teile von Jungwasser in der Flasche gefunden. Das schlägt sich in der Bewertung nieder: "Mangelhaft" – das schlechteste Ergebnis im Test. Und auch der Anbieter reagierte. Er wolle, schreibt Warentest, das Wasser "erst einmal nicht mehr" abfüllen.

Das Bio-Label auf Mineralwasser ist ohnehin umstritten. 2012 entschied der Bundesgerichtshof, dass Mineralwasser ein Bio-Produkt sein kann, etwa wenn es die gesetzlich festgelegten Grenzwerte für Schadstoffe deutlich unterschreitet. Ein aktuelles Urteil vom Oberlandesgericht Frankfurt hat nun die Richtlinien noch strenger gezurrt. Demnach darf sich ein Mineralwasser nur "Bio" nennen, wenn es gänzlich unbehandelt ist. Mineralwasser darf ohnehin nur geringfügig behandelt werden. So ist es lediglich gestattet, Stoffe wie Eisen oder Arsen zu entfernen. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. 

Edelwasser: Mehr Show als Know-how

Bleibt der Blick auf den Preis. Die Spanne ist groß. Viele Eigenmarken von Handel und Discountern gibt es schon für schmales Geld, 13 Cent pro Liter. Manche Marken lassen sich den Liter weitaus teurer bezahlen. Da wäre zum Beispiel das Produkt von "Voss", das mit 3,60 Euro pro Liter 27-mal teurer ist. Das Wasser kommt in der schicken Design-Flasche, macht optisch was her. Doch was drin steckt, ist alles andere als top. "Voss enthält so wenig Mineralstoffe wie kaum ein je von uns geprüftes Wasser", schreibt Warentest.

Kann Wasser wirklich ablaufen?

Und auch "Healsi", das in einer Flasche in Diamantform abgefüllt ist, und das zweitteuerste im Vergleich ist, fällt qualitativ von der Konkurrenz ab. Bemängelt wird bei beiden Luxus-Wässern auch die Klimabilanz. Zum einen kommen die Wässer aus Norwegen und Portugal, sie werden zudem in Halbliterflaschen verkauft. Der "CO2-Fußabdruck solch kleiner Flaschen ist mehr als doppelt so groß wie der von 1,5 Liter-Flaschen aus 100 Prozent recyceltem PET", so Warentest. Die beiden teuren Produkte rechnen sich nicht: Sie gehören zu den schlechtesten und müssen sich mit einem "Ausreichend" abspeisen lassen – Healsi (4,2), Voss (4,5).

Den gesamten Test können Sie auf test.de gegen Gebühr nachlesen.

tpo

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