VG-Wort Pixel

Wahre Nährstoffpakete Sprossen selbst ziehen: Wie es funktioniert und was es zu beachten gibt

Sprossen selbst ziehen.
In Sprossen stecken alle Nährstoffe, die für das spätere Wachstum einer gesunden Pflanze benötigt werden – diese bereichern auch unsere Gesundheit
© MurzikNata / Getty Images
Sprossen und Keimlinge stecken voller Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe. Gerade der Keimprozess macht sie zu wahren Superfoods. Einige Sprossen sollen sogar krebshemmende Stoffe bilden. Hier erfahren Sie, wie Sie die Nährstoffbomben ganz leicht selbst ziehen können. 

Sprossen schmecken auf Brot, in Salaten oder Suppen und punkten zudem mit einem unschlagbaren Nährstoffprofil. Sie stecken voller hochwertiger Vitamine und Mineralstoffe, pflanzlichem Eiweiß und Ballaststoffen. Das alles macht sie besonders für die vegane Ernährung zu einem wertvollen Begleiter. Grund genug, die knackige Ergänzung regelmäßig in den Speiseplan zu integrieren. Da die fertig gekeimten Sprossen aus der Kühltheke im Supermarkt auf Dauer ziemlich auf den Geldbeutel schlagen, bietet es sich an, die Sprossen einfach selbst zu ziehen. Das geht schnell, ist mit wenig Aufwand verbunden und spart einiges an Geld.

Hier erfahren Sie, was Sprossen so besonders macht, wie Sie sie selbst züchten und was Sie dabei unbedingt beachten sollten.

Was sind gekeimte Sprossen?

Ein Trieb, welcher bereits in einem Samenkorn angelegt ist, wächst mittels Keimung aus diesem heraus – ein Keimling entsteht. Erkennbar ist dieser als fadenartige Triebspitze, welche oftmals mit feinen, flaumartigen Wurzeln überzogen ist. Mit weiterem Wachstum entsteht je nach Pflanzenart ein kleiner Stängel mit Blättchen – das ist die Sprosse. Die Begriffe Keimling und Sprosse werden teilweise jedoch auch gleichbedeutend für die gesamte Jungpflanze genutzt. In diesem Stadium sind die meisten Keimlinge schon vollständig verzehrfertig.

Was macht gekeimte Sprossen so gesund?

Laut Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn sind Sprossen "eine unkomplizierte und sehr gesunde Bereicherung für den täglichen Speiseplan. Besonders im Winter, wenn das Angebot von saisonalem Obst und Gemüse eher knapp ist, sind Sprossen und Keimlinge ideal, um den Gemüseanteil in der Ernährung zu erhöhen."

Doch warum ist das so? In Sprossen stecken alle Nährstoffe, die für das spätere Wachstum einer gesunden Pflanze benötigt werden – zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiße und Stärke. Während des Aufkeimens bilden sich dazu zahlreiche komplexere Nährstoffe und Enzyme, die den Keimling noch wertvoller machen als die bloßen Samen. Kaum ein Gemüse kommt an die Menge lebenswichtiger Vitalstoffe in Sprossen heran.

Sprossen leben sogar nach der Ernte noch

Die enthaltenen Enzyme werden erst durch das Wasser aktiviert und bringen so den Stoffwechsel und das Wachstum der ruhenden Samen in Schwung. Zudem wird die Produktion von sekundären Pflanzenstoffen und Vitalstoffen beim Keimen angekurbelt – das Samenkorn beginnt zu wachsen und zu leben. Da Sprossen selbst nach der Ernte noch lebendig sind, liefern sie dem Körper nur frische Vitalstoffe.

So enthalten Sprossen eine enorm hohe Konzentration an Nährstoffen pro Kalorie. Der Nährwert von Sprossen ist um ein Vielfaches höher als der des ursprünglichen, nicht gekeimten Korns – seien es Samen, Bohnen, Nüsse, Getreide oder Gemüsesamen. Neben Vitaminen, Mineralstoffen, Eiweißen und Stärke enthalten Sprossen gesunde Kohlenhydrate und Proteine, welche wiederum so umgewandelt werden, dass sie leichter verdaulich sind und im Darm besser aufgenommen werden können.

Die Art der Herstellung unterstützt die gesundheitliche Wirkung ebenfalls. Anders als andere Pflanzen und selbst Bio-Gemüse entstehen die Keimlinge aus dem Samenkorn – Verarbeitungsschritte oder Transportwege, Spritzmittel, Konservierungsstoffe oder sonstige Zusätze fallen demnach weg. Da sich die meisten Sprossen und Keimlinge roh genießen lassen, gehen bei der Zubereitung zudem keine der gesunden Vitalstoffe durch Hitze verloren.

Brokkolisprossen gegen Tumorzellen

Laut einer Studie des Heidelberger Universitätsklinikum können Brokkolisprossen gegen besonders aggressive Tumorzellen wirken. Sie enthalten große Mengen von Sulforaphan, ein Senföl, welches entsprechende Tumorzellen effektiv bekämpft. In Studien zur begleitenden Krebstherapie wurden bei Patienten 90 Milligramm Sulforaphan in Form von pulverisierten Sprossenextrakten getestet und gute Ergebnisse bei hoch resistenten Tumorstammzellen erzielt. Zudem wurde an Hühnereiern nachgewiesen, dass Sulphoraphan das Krebswachstum schwächt und Tumorstammzellen angreift.

Nicht nur Brokkoli, sondern auch andere Kreuzblütler wie Kresse, Rucola oder Radieschen, enthalten besonders viel Sulforaphan und sind somit von enormen gesundheitlichen Vorteil

Welche Sprossen kann man selbst ziehen?

Zur Anzucht eignet sich Kresse, aber auch die Saat von Radieschen, Brokkoli, Linsen, Zwiebeln und Alfalfa. Sprossen von Hülsenfrüchten wie Mungobohnen, Kichererbsen oder Linsen sind ebenfalls zum Keimen geeignet. Nachtschattengewächse wie Tomaten, Kartoffeln und Auberginen sollten hingegen nicht verwendet werden. 

Im Sprossenglas kann fast jede Sprossensorte kultiviert werden. Kleine Samen wie die von Kresse, Rauke oder Brokkoli  lassen sich jedoch am besten in einer sogenannten Keimschale ziehen. Das ist Anzuchtschale mit Gitter (Kresse-Schale), welche das Keimen der Samen auf dem Gitter ermöglicht, während die Wurzeln hindurch ins Wasser wachsen.

Sind Sprossen gefährlich?

2011 kam es zur Ehec-Epidemie, wobei in Deutschland mehr als 3800 Menschen erkrankten. Im Verdacht waren Bockshornkleesamen aus Ägypten, welche auf einem Biohof in Niedersachsen gekeimt und in denen sich gefährliche Bakterien eingenistet hatten.

Das Robert-Koch-Institut hat mittlerweile zwar Entwarnung gegeben, trotzdem zeigt die Erfahrung, dass Sprossen und Samen prinzipiell anfällig für gesundheitsschädliche Keime sind. Menschen mit geschwächter oder nicht ausgebildeter Immunabwehr, wie Kleinkinder und Schwangere, sowie alte und kranke Menschen sollten demnach beim Verzehr vorsichtig sein und Sprossen grundsätzlich nur nach ausreichender Erhitzung durch Kochen oder Braten verzehren. Blanchierte Sprossen seien keine Alternative, da diese Garmethode nicht ausreiche, um Keime sicher abzutöten.

Sprossen ziehen: So gelingt es

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Sprossen zuhause zu ziehen. Die einfachste Methode ist es, Sprossen wie Kresse auf Papier zu ziehen. Dafür zum Beispiel in eine Auflaufform Küchenpapier legen, dieses mit Wasser befeuchten und die Saat darauf verteilen. Schon nach wenigen Tagen sind die jungen Pflänzchen gewachsen und können verzehrt werden. 

Eine weitere Möglichkeit stellen so genannte Sprossenboxen dar, welche im Handel erhältlich sind. In der Regel werden vier Boxen übereinandergestapelt. Das Wasser wird in die oberste Schale gegeben und sickert dann bis nach unten durch. In der untersten Schale wird überschüssiges Wasser aufgefangen.

Am bekanntesten ist die Herstellung von Sprossen in Sprossengläser. Das sind Gläser mit einem Sieb als Deckel. Das Sprossenglas kann dabei sogar ganz leicht selbst angefertigt werden. Dafür werden in den Plastik-Schraubdeckel eines Gefäßes Löcher gebohrt. Achten Sie dabei auf die passende Größe der Öffnungen beziehungsweise der Maschen des Keimbehälters, damit die Samen nicht durchfallen können.

Der Vorteil von speziellen Keimgläsern, die man im Handel kaufen kann, ist hingegen die schräge Halterung, welche es ermöglicht, dass überflüssiges Wasser abfließen kann und so verhindert, dass die Sprossen im Wasser stehen.

Der Prozess

  1. Die Samen zum Sprossenziehen kann man meist in Reformhäusern oder gut sortierten Bio-Märkten kaufen. Wichtig hierbei: Verwenden Sie nur Bio-Samen und auch nur solche, die extra für die Sprossenzucht vorgesehen sind.
  2. Geben Sie einen Esslöffel der Samen in ein Sieb und spülen Sie diese unter Wasser gründlich ab. Füllen Sie die Samen dann in das Keimglas und bedecke Sie diese mit der doppelten Menge Wasser.
  3. Je nach Samenmischung müssen sie nun zwischen einer und zwölf Stunden einweichen, dann wird das Wasser abgegossen. Genaue Angaben zur Einweichzeit finden Sie in der Regel auf der Samenpackung.
  4. Etwaige nicht gequollene Samen und leere Samenschalen werden nun heraussortiert, da diese nicht keimen würden und unter Umständen in der feuchten Umgebung des Keimglases faulen.
  5. Die gequollenen Samen werden nun zurück in das Keimglas gefüllt und mit dem Siebeinsatz verschlossen. Nun sollte das Glas auf den Kopf gestellt und in der Schrägstellung auf einen Unterteller gestellt werden, um sicherzustellen, dass überflüssiges Wasser abfließen kann. Wichtig ist es hierbei, den Keimlingen genug Platz zum "Atmen" zu geben – demnach sollte das Glas nicht zu voll sein. Die beste Temperatur für den Keimling ist normale Raumtemperatur.
  6. Das Glas mit den Keimlingen sollte nun zwei- bis dreimal täglich mit Wasser gespült und zum Abtropfen wieder auf den Unterteller gestellt werden. Dafür das Wasser durch den löchrigen Deckel laufen lassen, dann im Glas ein paar Mal schwenken und wieder durch den geschlossenen Deckel abgießen.
  7. Abhängig von der Sorte können die Sprossen und Keimlinge bereits nach drei bis vier Tagen geerntet werden. Sie halten sich ab dann etwa zwei Tage im Kühlschrank, sollten jedoch schnellstmöglich verzehrt werden. Vor dem Verzehr sollten Sie die frischen Sprossen erneut gründlich waschen.
  8. Das Keimglas sollte vor der nächsten Verwendung gründlich gespült und getrocknet werden, um zu verhindern, dass Keime im Glas verbleiben.
Wahre Nährstoffpakete: Sprossen selbst ziehen: Wie es funktioniert und was es zu beachten gibt

Hinweis: Überprüfen Sie die Keime während und nach der Zucht regelmäßig mit Augen und Nase. Sehen die Sprossen ungewöhnlich aus oder riechen modrig, sollten der Prozess lieber abgebrochen und von vorne gestartet werden. Faserwurzeln bilden manchmal einen kleinen weißen Flaum (vorallem bei Radieschen und Rettich) – verwechseln Sie diesen nicht mit Schimmel.

Quellen:NDR, Spiegel, Uni Heidelberg


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker