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Franken Brauerei erfindet XXL-Bierkasten – weil der Staat keine Corona-Hilfen zahlt


Eine Brauerei aus Franken sorgt in den sozialen Medien für Aufsehen: Sie bietet einen Bierkasten mit 120 Flaschen an. Der Betrieb kämpft um das wirtschaftliche Überleben.

Seit 270 Jahren braut der Brauerei-Gasthof "Zum Löwenbräu" in Adelsdorf in der Nähe von Nürnberg Bier. Jetzt steht der Traditionsbetrieb kurz vor dem Aus – in der Corona-Krise geht es um das wirtschaftliche Überleben. Das versuchen Inhaber Hans-Christian Wirth und sein Team mit einer besonderen Idee in der Vorweihnachtszeit zu sichern: Sie bieten einen XXL-Bierkasten an.

In dem Ungetüm befinden sich 120 Bierflaschen statt 20 oder 24 wie in normalen, im Handel erhältlichen Kisten. 300 Euro kostet der Kasten im Sonderangebot, dazu gibt es noch zwei Mützen. "Weihnachten ist gerettet. Was will Mann mehr?", wirbt die Brauerei auf ihrer Facebook-Seite. Und: "Wenn die Frau mal wieder sagt, ein Kasten pro Woche reicht völlig aus. Wir haben die Lösung!" Außerdem hätten Käufer deutlich weniger Kontakt mit anderen, möglicherweise Corona-infizierten Menschen, wenn sie nicht ständig Bier nachkaufen müssten.

Keine Corona-Hilfen für Brauerei-Gasthof

In den sozialen Netzwerken hat der riesige Kasten bereits viele Fans unter den Bierliebhabern gefunden, die Nachfrage ist groß. Wirth musste bereits nachproduzieren lassen. In erster Linie geht es ihm jedoch darum, auf einen Missstand aufmerksam zu machen – denn sein Betrieb fällt durch das Raster der Corona-Hilfen, die die Bundesregierung beschlossen hat.

Beim Brauerei-Gasthof von Hans-Christian Wirth handelt es sich nämlich um einen sogenannten Mischbetrieb – zum einen Teil Brauerei, zum anderen Hotel und Gaststätte. Die finanzielle Unterstützung der Bundesregierung richtet sich aber nur an Betriebe, bei denen der Teil des Geschäfts, der unter Lockdown-Bedingungen nicht mehr fortzuführen ist, mindestens 80 Prozent des Umsatzes ausgemacht hat. Das war bei Wirth nicht der Fall.

Große Konzerne profitieren von Finanzspritzen

Riesige Konzerne wie McDonald's oder Starbucks kommen also in den Genuss der Hilfen. Doch der kleine Familienbetrieb aus Franken muss selbst Wege finden, die Krise zu überstehen. "Noch sterben wir nicht, aber wir müssen kämpfen", sagte Wirth dem "Münchner Merkur". Mit dem Verkauf von Flaschenbier allein mache er keinen Gewinn, da die Bierproduktion in der Brauerei auch stark daran hängt, dass die Getränke anschließend in der eigenen Gaststätte angeboten werden können.

Dass er trotzdem die Kreativität hat, die es braucht, um in der Krise zu überleben, hat Wirth mit seinem Riesen-Bierkasten bewiesen. Wer Interesse hat, sollte vorher aber kurz auf die Hantelbank gehen: 120 Kilogramm wiegt die Kiste. Oder wie es die Brauerei ausdrückt: "Ist die Kiste zu schwer, bist du zu schwach."

Quellen: Zum Löwenbräu auf Facebook / "Münchner Merkur"

epp

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