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Kaffeevollautomaten: Barista auf Knopfdruck

Was der Flachbildschirm fürs Wohnzimmer, ist der Kaffeeautomat für die Küche. Ohne jegliches Kaffeewissen lassen sich Latte Macchiato und Espresso zubereiten. Auf Knopfdruck. Was leisten die Modelle?

Von Sven Stillich

Während Barista, der Begriff für Kaffeekünstler, Sexappeal hat, klingt Kaffeevollautomat so sexy wie Waschvollautomat. Und mit dem hat der Nachfolger der Kaffeemaschine auch einiges gemein:
• Wie die Waschmaschine verspricht der Kaffeevollautomat, das Leben besser zu machen.
• Es gibt ihn von Siemens, Bosch oder AEG Electrolux.
• Er kann ganz schön teuer sein. Die 90er Jahre waren für die Branche das Angstjahrzehnt. Filterkaffee, Kaffee überhaupt war bei der Jugend mega-out. Frau Sommer nahm kein Ecstasy, und es war voll peinlich, mit ihr und ihrem Jacobs-Filterkaffee auf der Barbie-Fernsehveranda zu sitzen, während im Hintergrund betagte Kaffeemaschinen rentnerhaft röchelten. Sie klangen nach Pflegestufe II.

Zwei Trends haben dem Kaffee den Umzug in die jüngeren Daseinsstockwerke ermöglicht. • Der geeiste Kaffee aus der Ring-Pull- Dose, sofort links überholt von Red Bull, der Brause, die das Koffein als Droge wiederbelebte.
• Die Italianisierung der deutschen Kaffeewelt, betrieben über das Image der US-Kaffeekette Starbucks. Mit den Boys aus Seattle haben viele junge Deutsche das Café für sich neu entdeckt – und dazu den Espresso und seine mit Milchschaum gepimpten Vettern Cappuccino und Latte Macchiato. Das Café wandelte sich zum coolen Ort und konnte sein "Draußen nur Kännchen"-Image abstreifen, auch für junge Hornbrillenträger bekam Kaffee nun etwas Akzeptables.

Das führte erst zum "Coffee to go" und schließlich zum Wunsch nach dem "Coffee at home". Und den erledigen die Kaffeevollautomaten. Diese Maschinen sind so intelligent geworden, dass man nur noch Bohnen einfüllen muss, ihnen kalte Milch sowie ein Glas (oder eine Tasse) hinzustellen braucht, und sie erledigen den Rest. "One Touch" nennt die Branche das Prinzip: Ein Knopfdruck genügt, und unten raus kommt ein Cappuccino. Der sieht dann so aus wie im Café und schmeckt auch so. Nun kosten solche Geräte ab 800 Euro aufwärts. Für das Geld könnte man in einem Café seeehr viele Espressi oder Latte Macchiato trinken. Es geht also wie immer um mehr, wenn solche Rechnungen nicht aufgehen - es geht um Design, um Status. Die Maschine soll in der Küche wirken. Deswegen werden die Geräte auch in verschiedensten Farben und Ausstattungen angeboten. Manchmal unterscheiden sich zwei Geräte desselben Herstellers nur dadurch, dass das teurere ein wenig mehr Edelstahl auf der Hüfte hat als das andere - und damit weniger Plastik.

Alle Vollautomaten auf diesen Seiten sind die preiswertesten "One Touch"-Modelle des jeweiligen Herstellers. Sie alle funktionieren in etwa gleich. Wer mehr Geld ausgeben will, der kann das bei jedem Hersteller tun und sich damit bessere Verarbeitung, mehr Bequemlichkeit oder auch farbige Displays kaufen. Bei vielen Herstellern wird jedoch in allen Geräten dieselbe Zubereitungseinheit verbaut, das heißt, das Getränk an sich wird bei höherem Maschinenpreis nicht besser oder schlechter.

Die gute Nachricht zum Schluss: Selbst wenn irgendwann jeder einen Kaffeevollautomaten zu Hause hätte, wird das Café nicht aussterben. Denn eines findet man nur selten in der eigenen Küche: eine hübsche Kellnerin.

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