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Kokos, Curry, Schoko: Weizenbier - wunderbar wandelbar

Das Weizen ist das wohl anspruchsvollste Bier. Doch wie trinkt man es richtig? Ist es wirklich gut für Sportler? Und gibt es einen Unterschied zwischen Weizen und Weißbier?

Von Christoph Fröhlich

Anfängerfehler trotz stilechtem Janker: Wer Weizenbier von oben ins Glas kippt, bekommt mehr Schaum als Bier. Besser: Das Glas sehr schräg halten und das Bier langsam hineinfließen lassen.

Anfängerfehler trotz stilechtem Janker: Wer Weizenbier von oben ins Glas kippt, bekommt mehr Schaum als Bier. Besser: Das Glas sehr schräg halten und das Bier langsam hineinfließen lassen.

Weizen- oder Weißbiere haben Konjunktur auf dem deutschen Biermarkt. Kein Wunder, denn die frischen, milden Biere gehören zu den vielseitigsten Sorten überhaupt. Ob naturtrüb, kristallklar oder gemischt mit Bananensaft: Jährlich werden hierzulande allein im Lebensmitteleinzelhandel etwa sechs Millionen Hektoliter verkauft. Während norddeutsche Brauereien die Biere eher mit der Kneifzange anfassen, hat so gut wie jeder der über 600 bayerischen Brauereien mindestens ein Weizenbier im Sortiment. Nicht ohne Grund: Für viele Bayern gibt es wohl kaum etwas Schöneres, als im Sommer in einem Biergarten zu sitzen, die Feierabendsonne unter mächtigen Kastanienbäumen zu genießen und dabei ein kühles Weißbier zu trinken. Doch das war nicht immer so.

Wie das Weizenbier Bayern rettete

Die Geschichte des Weißbiers beginnt vor 400 Jahren: Als Maximilian I. am 4. Februar 1598 das Amt als Herzog von Bayern antritt, sind die Staatskassen leer, der Schuldenberg ist riesig. Geld muss her, nur wie? Um den Haushalt zu sanieren, greift der junge Bayer zu einem ungewöhnlichen Mittel: 1603 sichert er dem Staat Bayern zunächst das Privileg zum Weizenbierbrauen. Anschließend baut er ein Netz von staatlichen Hofbräuhäusern und verpflichtet die Wirte im ganzen Land, Weizenbier auszuschenken, andernfalls droht ihnen ein Entzug der Schankgenehmigung. Das Problem: Die einfachen Leute trinken an kühlen Tagen und in den Wintermonaten lieber Wein als Bier. Daher macht Maximilian den Wein durch hohe Aufschläge teurer, die er dem Bier erspart. Dadurch saniert er nicht nur die Haushaltskasse, zugleich verwurzelt er das Weizenbier - in Bayern bis heute Weißbier genannt - im Kulturgut.

Der diesjährige Weizenmeister kommt von der Küste

Vier Jahrhunderte später finden aber auch immer mehr Norddeutsche Gefallen an dem trüben Bier. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Bier aus Stralsund preisgekrönt: Auf dem World Beer Cup in Denver, Colorado erhielt das Roggenweizen der Störtebeker Braumanufaktur die diesjährige Auszeichnung. Norddeutscher geht es für ein Weizen kaum. Bei den Kunden kommen die aufwendig gebrauten Biere an: "Der Wunsch nach Bier mit Geschichte, Tradition und Kultur, aber auch einer gewissen Innovation in den Grenzen des Reinheitsgebotes, wird verstärkt in den Verbrauchern wach", sagt Georg Schneider von der Kelheimer Brauerei #link;www.schneider-weisse.de;Schneider Weisse#. "Dann herrscht meist ein gewisser Aha-Effekt, wenn Kunden erleben, welche Geschmacksvielfalt in den unterschiedlichen Weizenbieren steckt."

Vergangenen Sommer entwickelte der Braumeister ein Weißbier mit einem fruchtig-säuerlichen Aroma, das an grünen Apfel und Grapefruit erinnert, in diesem Frühjahr experimentierte er mit Aromen von Nüssen und Zartbitterschokolade. Die US-Brauerei New Belgium ging sogar noch weiter und brachte ein Kokosnuss-Curry-Hefeweizen auf den Markt. Die Beschreibung klingt jedenfalls vielversprechend: "Das Kokosnuss-Curry-Hefe wird ein wissbegieriges Lächeln auf die Visage des Trinkers zaubern."

So trinkt man Weizenbier

Beim Weizenbier handelt es sich um ein obergäriges Bier. Es ist in der Regel nur mäßig gehopft, also weniger bitter als andere Sorten. Ein weiterer Unterschied: Weizenbiere werden aus über 50 Prozent Weizenmalz hergestellt, hinzu kommt Gerstenmalz. Die Farbe schwankt zwischen naturtrüb und kristallklar, je nach Typ ist das Bier hell oder dunkel. Die Trübung entsteht durch die beim Brauvorgang eingesetzte Hefe.

Gemeinsam ist allen Weizenbieren der hohe Kohlensäuregehalt. Wer als Laie schon einmal versucht hat, ein Weizen in ein Glas einzuschenken, dürfte das überschäumende Temperament des Bieres kennen. Um eine zu starke Schaumentwicklung zu verhindern, sollte das Glas deshalb vor dem Einschenken mit kaltem, klarem Wasser ausgespült werden. Wichtig: Das Glas sollte danach nur abtropfen und nicht mit einem Trockentuch ausgewischt werden.

Auch bei der Lagerung ist das Weizenbier anspruchsvoll: Kühl und dunkel sollte es sein, außerdem sollte ein Hefeweizen immer stehend gelagert werden. Die Wahl des Glases ist entscheidend, am besten schmeckt ein Weizen aus hohen, geschwungenen Gläsern, mancher Bierfan trinkt auch gerne aus Rotweingläsern. Für welches Glas man sich auch entscheidet, auf jeden Fall sollte es frei von Fettresten sein, da der Schaum sonst sofort in sich zusammenfällt. Die optimale Trinktemperatur des Weizenbieres beträgt acht bis zwölf Grad Celsius.

Gesund? Ja! Aber nur ohne Alkohol...

Was viele nicht wissen: Weizenbier ist nicht nur lecker, sondern auch gesund. Wissenschaftler der TU München haben herausgefunden, dass Weizenbier positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Sportlern hat. Läufer, die alkoholfreies Weizen nach dem Training tranken, waren um ein Drittel weniger anfällig für Infekte als die Vergleichsgruppe. Bekamen sie doch eine Erkältung, verlief die Krankheit milder oder kürzer. Der Haken: Damit der Effekt eintritt, sollte man die alkoholfreie Variante trinken. Na dann: Prost!

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