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Monica Berg: Das ist die beste Bartenderin der Welt: "Egal ob Mann oder Frau, der Job bleibt der gleiche"

Monica Berg wurde als "Best Bartender" ausgezeichnet. Als erste Frau. Dabei differenziert die Barkeeperin gar nicht zwischen den Geschlechtern. Warum sie dafür plädiert, keine Unterschiede zu machen - und welche die größte Herausforderung in der Barwelt ist.

Monica Berg präsentiert ihre Eigenkreation "Muyu", einen Likör auf Jasmin-Basis. Er schmeckt blumig mit Aromen wie Orangenblüten, Patchouli, Yuzu und Iris. Berg empfiehlt ihn als Highball zu trinken, aufgefüllt mit Champagner.

Monica Berg präsentiert ihre Eigenkreation "Muyu", einen Likör auf Jasmin-Basis. Er schmeckt blumig mit Aromen wie Orangenblüten, Patchouli, Yuzu und Iris. Berg empfiehlt ihn als Highball zu trinken, aufgefüllt mit Champagner.

Sie ist Barkeeperin, Unternehmerin und möchte etwas in ihrer Branche bewegen: Monica Berg wurde von der "World's 50 Best Bars"-Jury als beste Bartenderin ausgezeichnet. Erstmals ging diese Ehrung an eine Frau. Dabei macht Berg selbst gar keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Für sie bleibt der Job der gleiche, egal ob Frau oder Mann. Gemeinsam mit Alex Kratenas führt sie die Londoner Bar "Tayēr + Elementary", die es auf Platz 52 der besten Bars der Welt geschafft hat. Jüngst hat sie eine Likör-Reihe auf den Markt gebracht, die sich Muyu nennt. Der stern hat mit Berg darüber gesprochen, ob man es als Frau in der Branche schwerer hat und welche die größte Challenge im Bar-Business ist. 

Im vorherigen Jahr gewannen Sie den "Altos Bartenders' Bartender Award", der von den "World's 50 Best Bars" verliehen wird. Jemand gratulierte Ihnen dann, dass Sie als Frau die Auszeichnung erhielten. Wie haben Sie darauf reagiert?

Ich habe nicht mal daran gedacht bis man mich darauf hingewiesen hat. Ich sagte, ich sei Barkeeper - völlig egal welches Geschlecht ich bin.

War es das erste Mal, dass Sie merkten, dass in der Barwelt Unterschiede zwischen Geschlechtern gemacht werden?

Als ich vor 20 Jahren anfing als Bartender zu arbeiten, machte man noch keine Unterschiede. So war mein Gefühl. Erst als ich an Wettbewerben teilnahm, wurde mir der Stempel der weiblichen Bartender aufgedrückt. Ich habe das Gefühl, es wird bewusst versucht, einen Unterschied zu machen. Aber ganz ehrlich, der Job ist für jedes Geschlecht der gleiche.

Haben Sie schlechte Erfahrungen in der Barindustrie gemacht - weil Sie eine Frau sind?

Blöde Kommentare kriegt man als Frau wohl in jeder Lebenslage zu hören. Ich hatte aber immer Glück, dass ich mit guten Teams zusammenarbeiten durfte. Aber ja, ich war auch in Situationen, in denen es hart war, eine Frau zu sein - und Karriere zu machen.

Haben Sie ein Beispiel?

Ich meine das ganz allgemein. Man wird nicht unbedingt von seinen Kollegen belästigt, sondern häufig von den Gästen. Und diese Situationen können knifflig sein.

Sie haben die digitale Plattform "Back of House" ins Leben gerufen. Es ist ein Tool, das Teams im Gastgewerbe nutzen können, um sich anonym über Diskriminierung, Belästigungen und andere Probleme am Arbeitsplatz zu beschweren. Wieso hielten Sie es für notwendig, ein solches Tool zu generieren?

Es wird viel darüber gesprochen, welche Probleme in der Barwelt existieren. Aber niemand sucht nach Lösungen. Eigentlich wollte ich nur meinem Team die Möglichkeit geben, unangenehme Themen anzusprechen. Dann hielt ich es aber für richtig, dieses Tool für jeden zugänglich zu machen. Es nimmt den Menschen die Hemmung, Probleme persönlich anzusprechen. Ich sage aber nicht, dass das eine das andere ausschließt. Übrigens sollen nicht nur Frauen, sondern auch Männer die Plattform nutzen. 

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Worin sehen Sie die größten Herausforderungen in der Barwelt?

Die sehe ich generell im Job an sich. Die Arbeit hinterm Tresen ist hart und man arbeitet zu ungewöhnlichen Zeiten. Das macht es schwer, ein normales Leben zu führen. Tatsächlich ist das größte Problem, das auf uns zukommen wird, der Mangel an guter Ausbildung und damit geht einher, dass uns gute Bartender fehlen werden.

Das heißt, Sie würden sich eine Ausbildung für Bartender wünschen?

Es gibt keine systematische Ausbildung für Bartender. Das war schon immer so. Jetzt ist es aber weit schlimmer, weil es Generationen von Bartendern gibt, die einfach fehlen. Früher haben einfach die Älteren die Jüngeren ausgebildet. Heute haben die Jungen aber auch ziemlich hohe Erwartungen.

Inwiefern?

Es gibt eine Art leise Revolution. Als ich jung war, habe ich einfach nach einem Job gesucht. Die jüngere Generation sucht heutzutage nach einem Sinn in ihrer Arbeit. Und sie wollen etwas lernen. Wenn wir ihnen das nicht bieten können, dann wird es schwer geeignetes Personal zu finden. Also bieten wir regelmäßig Schulungen an, die alles beinhalten - vom Messerschärfen bis zum Destillieren. Haben unsere jungen Bartender keine Lernkurve, dann sind sie weg. Geld ist dabei weniger wichtig geworden, es geht mehr darum, was ich ihnen beibringen kann.

Wieso haben Sie sich für den Beruf des Bartenders entschieden?

Ich mag es, mit Menschen zu arbeiten. Ich genieße den sozialen Aspekt, den der Job mit sich bringt. Aber natürlich mag ich es auch, kreativ zu sein und etwas herzustellen, sei es ein toller Drink - oder eben mein eigener Likör.

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