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Gin Sul: Jägermeister schnappt sich Hamburgs bekanntesten Gin

Es klingt nach einer ungewöhnlichen Partnerschaft: Jägermeister hat sich bei der Hamburger Marke Gin Sul eingekauft. Es ist eine Premiere für das Familienunternehmen, das mit Kräuterlikör zur Weltmarke wurde. Und womöglich ist es nur der erste Schritt.

Jägermeister

"Gin Sul"-Gründer Stephan Garbe (links) und Michael Volke, Vorstandsvorsitzender der Mast-Jägermeister SE

Hersteller

ist in: Seit Jahren steht der Wacholderschnaps hierzulande hoch im Kurs. Er wird bevorzugt als Cocktail oder als Longdrink (Gin Tonic) getrunken. Einer der bekanntesten Vertreter ist die 2014 gegründete Hamburger Marke Gin Sul. Mit der charakteristischen weißen Tonflasche ist sie eine der größten Erfolgsgeschichten der deutschen Spirituosenszene.

Anfang Juli folgte der nächste, für viele in der Szene überraschende Schritt: Das Familienunternehmen hat sich an der in Hamburg-Altona gegründeten Destillerie beteiligt. Es ist die erste strategische Beteiligung des Likörherstellers an einem anderen Hersteller. Wie groß die Anteile sind, darüber schweigen beide Seiten. 

Jägermeister: 80 Prozent Absatz im Ausland

Stephan Garbe, Gründer von Gin Sul, erklärte zu der neuen Partnerschaft: "Um als relativ junges Unternehmen langfristig und auch international erfolgreich zu sein, brauchen wir einen erfahrenen Mitstreiter." Er wollte gerne mit einem Familienunternehmen zusammenarbeiten, das etwas vom internationalen Geschäft versteht - "uns eröffnet sich nun die einmalige Chance, von den Besten zu lernen." Mast-Jägermeister (benannt nach Jägermeister-Erfinder Curt Mast) machte im vergangenen Jahr 80 Prozent seines Absatzes im Ausland. Vor allem im Asia-Pazifik-Raum sei das Wachstum enorm, erklärte der Likörhersteller.

Gegenüber dem Branchenmagazin "Mixology" führt Garbe seine Beweggründe aus: "Mir ging es irgendwann wie einem Tischler, der nur noch Stühle verkauft, aber keine mehr baut." Anfangs ging es ihm nur ums Produkt, um die Entwicklung, das Experimentieren. Mittlerweile sei der Erfolg aber so groß, dass er mehr Zeit mit Buchhaltung und Management verbringt, als ihm lieb ist.

Gin-Sul-Gründer: "Es geht um das Produkt"

Wenn sich große Unternehmen kleine Craft-Hersteller einverleiben, sorgt das häufig für Stirnrunzeln. Zuletzt war das etwa der Fall, als sich Pernod Ricard die Kult-Marke Monkey 47 einverleibte. Garbe entgegnet den Kritikern im "Mixology"-Interview: "Ich finde, bei dieser Craft-Diskussion täte ein wenig verbale und ideologische Abrüstung ganz gut. Angefangen damit, dass ich mir von Niemandem einreden lasse, dass Handwerklichkeit und wirtschaftlicher Erfolg ein Widerspruch sein müssen. Es geht doch um das Produkt." Gin Sul bleibe unabhängig, versichern beide Seiten.

Jägermeister wolle vom Know-How und von Garbes Kreativität profitieren, erklärte das Unternehmen. Hinter dem Investment stecke der "Lebensmittelzeitung" zufolge die Jägermeister-Tochter M-Venture, die vom früheren McKinsey-Berater Christoph Goeken geführt wird. Man betone, dass es sich um ein "erstes Investment" handelt. Man könne sich in Zukunft weitere Beteiligungen vorstellen, derzeit sei aber "nichts Konkretes geplant".

Jägermeister ist mittlerweile in 135 Ländern aktiv. Allerdings entwickelt sich der Markt nicht überall so rosig wie im pazifischen Raum: Die Lage in den USA sei etwa "herausfordernd".

Mit "Manifest" in den Luxusmarkt

Um das Geschäft anzukurbeln, brachte der Hersteller im Frühjahr 2017 mit "Manifest" eine Premium-Version seines bekannten Kräuterlikörs auf den Markt. Mit dieser zielt man weniger auf Junggesellenabschiede, sondern auf Genusstrinker. Mit einem Alkoholgehalt von 38 Prozent hat Manifest mehr Umdrehungen als der normale Jägermeister (35 Volumenprozent). Die Flasche kommt edler daher, das bekannte Orange und Grün sucht man dort vergebens.