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Angriff auf die italienische Kultur: Italiener rasten aus – weil Starbucks nach Mailand kommt

Das Ritual eines Italieners ist jeden Morgen das gleiche: ein caffè im Stehen an der Bar an der Ecke. Vielleicht noch ein Cornetto, ein italienisches Croissant. Und das jeden Tag. Kein Wunder, dass in dieser Routine Starbucks keinen Platz hat.

Starbucks Italien

Starbucks kommt nach Mailand. Das finden die Italiener gar nicht witzig.

DPA

In Italien steht eine Sache an oberster Stelle: das Essen. Essen bedeutet in Italien Kultur, es wird zelebriert wie ein Ritual. Niemals ist es nur Nebensache, niemals schaufelt man sich massenweise Nudeln in den Bauch, um einfach nur satt zu werden. Niemals! Leidenschaftlich wird darüber gestritten, wie eine perfekte Pasta sein muss, obwohl das vermeintlich einfache Gericht doch nur aus drei Grundzutaten besteht: Mehl, Eier und Salz. Manchmal sogar nur aus Mehl und Salz, eventuell noch Grieß. Es ist kaum erstaunlich, dass auch in den sozialen Netzwerken wild über die perfekte Pasta diskutiert wird.

Seit einigen Tagen gibt es ein neues Thema, dass die Italiener im Netz beschäftigt: Im September soll die erste Starbucks-Filiale in Mailand eröffnen. Wer schön öfter in Italien Urlaub gemacht hat, weiß, dass man an fast jeder Ecke einen richtig guten Espresso mit dicker Crema bekommt. Und das meist schon für 50 Cent. Starbucks ist eher bekannt für wilde Kreationen wie Frappuccino mit jeder Menge Sahne und Sirup. Für Italiener gibt es nichts Besseres als ihren Kaffee. Kein Wunder also, dass sie die Wut über die Neueröffnung des amerikanischen Kaffeekette auf Twitter entladen.

Auf Twitter haben die Betreiber des Kanals "The Local Italy" abstimmen lassen, wer eine Starbucks-Filiale begrüßen würde. 87 Prozent wählten die Antwort "Mamma mia! No thanks". 

"Zu heiß", "verbrannt", "sauer"

Die Kritiker von Starbucks haben ihre ganz eigenen Ansichten, warum die Kaffeekette nicht nach Italien passt. Der Kaffee dort schmecke verbrannt und sauer. Manch einem ist er einfach zu heiß. Ein anderer User fragt sich, warum man "verbrannten Kaffee" bevorzugt, wenn sogar das schlechteste Café Italiens noch besseren Kaffee habe als "Starburnt". Sarkastisch ist dieser User: "Für die Touristen, die einen Cappuccino nach 16 Uhr haben wollen." In Italien wird Cappuccino ausschließlich zum Frühstück getrunken. Nach dem Essen bestellt man gewöhnlich einen caffé, einen starken dunklen Espresso. +++ Woran Sie ein echtes italienisches Restaurant erkennen, können Sie hier lesen +++

Andere wiederum sehen es etwas pragmatischer. Starbucks wird vor allem für den Durchschnittstouristen attraktiv sein. Diejenigen, die handgemachten italienischen Espresso mögen, wissen wo man Qualität finde. 

Die amerikanische Kaffeehauskette wird in Mailand auf Widerstand treffen. Schließlich ist kein Italiener bereit, fünf Euro für durchschnittlichen Kaffee auszugeben, wenn er an jeder Straßenecke einen hervorragenden Espresso für fünfzig Cent bekommt.

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