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Reportage der Woche

Selbstversuch: Ein Fleischfresser auf Entzug: Ich bin plötzlich Vegetarier – und ziemlich oft echt genervt

31 Tage lang kein Fleisch, kein Fisch, keine Wurst. Unser Autor hat es ausprobiert. Hier berichtet er von verwirrten Freunden, ekelhaften veganen Produkten, dem Blick auf die Waage und einem guten Gefühl.

Speisekarte

1. Tag, 11.00 Uhr: Das Experiment kann beginnen. Nachts habe ich noch wie geplant nach der Party einen wundervollen Döner verdrückt. Jetzt gilt es: kein Fleisch, keine Wurst, kein Fisch. Einen Monat lang. Der Fleischfresser wird zum Vegetarier. Und nein, ich empfinde die Bezeichnung nicht als Beleidigung. Es ist einfach eine realitätsnahe Umschreibung meiner Ernährungsgewohnheiten. Ich befürchte, dass ich in meinen 35 Lebensjahren mehr Fleischprodukte zu mir genommen habe als der Durchschnittsdeutsche in seinem ganzen Leben. Nun will ich wissen, wie es sich anfühlt, auf Wurst-Entzug zu sein.

3. Tag, 19.10 Uhr: Ich habe seit 72 Stunden kein Fleisch gegessen und frage mich, ob ich damit meinen persönlichen Rekord bereits geknackt habe. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher. Das mag seltsam klingen, ist aber so. Ich habe 19 Jahre in Baden-Württemberg und weitere 14 Jahre in Bayern gelebt. In Regionen, in denen es normal ist, zum Frühstück eine Leberkas-Semmel oder Weißwürste, zum Mittagessen ein Schnitzel und zum Abendessen einen Wurstsalat zu essen. An einem Tag, versteht sich. Und es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, dass das ein Problem sein könnte, solange mein Arzt (oder meine Waage) nicht Alarm schlägt.

4. Tag, 13.30 Uhr: Es ist Samstag. Und samstags geht man als deutscher Vorzeigebürger einkaufen. Ich gehe tapfer an der Fleischtheke vorbei, werfe aber einen Blick auf die Frischwurst. 400, 500 Gramm würde ich mir normalerweise nun aufschneiden lassen, widerstehe aber tapfer. Dennoch wird mir bewusst, wie riesengroß die Auswahl ist. Ich zähle 17 Schinkensorten, neun Salamiarten und locker 50 bis 60 weitere Optionen. Macht nichts, es gibt hier ja nun auch vegane Wurstersatzprodukte. Allerdings nur sieben. Fünf packe ich ein.

4. Tag, 16 Uhr: Veganer Aufschnitt nach Salami-Art also. Schmeckt wie feucht zusammengeklebte Presspappe mit einem Hauch Salz. Nein, das hat nichts mit Salami zu tun. Von der Farbe einmal abgesehen.

4. Tag, 16.04 Uhr: Der vegane Aufschnitt nach Fleischwurst-Art ist ein wenig besser. Schmeckt wie Fleischwurst. Allerdings wie jene Fleischwurst, die beim Discounter immer ganz unten in der linken Kühlregalecke liegt und für 59 Cent pro 200 Gramm liebevoll geschlachtet wurde. Ich verfluche jene Besserwisser, die mir in den vergangenen Monaten weismachen wollten, dass diese ganzen wurstfreien Wurstsorten "ganz genau wie Wurst" schmecken und "kein Mensch der Welt einen Unterschied erkennen" würde. Gott sei Dank war ich bereits beim Edeka skeptisch und habe zur Sicherheit zwei Kilo Käse eingepackt. Den besten. Nichts unter 40 Prozent Fett. Keine Ahnung, ob das gut für meinen Körper ist. Aber grade will ich ja erst einmal kein Fleisch essen.

5. Tag, 13.40 Uhr: Der Vegane-Wurst-Test hat in der Zwischenzeit noch einen kleinen Erfolg hervorgebracht. Eine Sorte schmeckt tatsächlich akzeptabel. Nicht richtig gut, aber okay. Kann man sich vielleicht dran gewöhnen. Auch wenn die Alternativen fehlen. Der Aufstrich, der Leberwurst imitieren soll, ist hingegen direkt in die Restmülltonne geflogen. Nicht (nur) wegen des Geschmacks, sondern wegen der Konsistenz. "Auf Basis von Erbsen" bedeutet in diesem Fall, dass das Produkt ein wabbeliges Etwas ist, das stark an zu schwach angedicktes Aspik erinnert, das mit seinem Glibber an meinem Gaumen beinahe Brechreiz auslöst. Vielleicht mache ich den Selbstversuch einfach fünf Jahre zu früh. Aber da muss die Lebensmittelindustrie auf jeden Fall noch einmal ran.

"Mir ist klar, dass auch ich endlich klimafreundlicher leben muss"

6. Tag, 19 Uhr: Ich werde immer wieder gefragt, warum ich gerade kein Fleisch mehr esse. Vor allem von Freunden und Kollegen. So auch jetzt. Ich habe keine pfiffige Antwort und ich bin der allerletzte Kandidat, der irgendjemanden bekehren möchte. Im Gegenteil. Ich bin einfach neugierig, ob ich durchhalte. Und was der Fleischverzicht mit mir macht. Den Impuls hat in der Tat "Fridays for Future" gebracht. Ich habe, nennen Sie mich gerne naiv, nie intensiv darüber nachgedacht, wieviel CO2 die Fleischproduktion verursacht; und moralische Bedenken, Tiere zu essen, hatte ich ohnehin nicht. Doch seit wir endlich intensiver über den Klimawandel diskutieren, ist es bei mir mit dem Fleisch wie mit den Flügen: Ich will mir weder den vierwöchigen Jahresurlaub wegen Flugscham madig machen noch das Rinderfilet im Steakhouse zu besonderen Anlässen verbieten lassen. Aber mir ist klar, dass auch ich endlich klimafreundlicher leben muss. Und dafür wäre ich durchaus bereit, auf Fleisch in Zukunft ebenso öfter zu verzichten wie auf Inlandsflüge.

7. Tag, 14.45 Uhr: So langsam muss ich mir selbst ein wenig auf die Schulter klopfen. Ich halte durch. Und es fällt mir bisher nicht einmal sonderlich schwer.

8. Tag, 13 Uhr: Na gut, es fällt mir doch schwer. Vor allem in der Kantine, über die ich in den vergangenen Jahren wirklich selten ein schlechtes Wort verloren habe. Weil ich das Essen je nach Tag okay bis sehr gut finde und der Preis stimmt. Als Neu-Vegetarier sehe ich das allerdings ein wenig anders. Die Salatbar ist um 13 Uhr oft derart geplündert, dass mir die Lust auf das vegetarischste aller vegetarischen Gerichte vergeht. Und an Tagen wie heute, an denen es nur eine vegetarische oder vegane Option gibt, bist du eben schnell beim Schlachtruf "friss oder stirb". Die Kantine gibt sich Mühe, ist aber kulinarisch noch nicht im Jahr 2020 angekommen. Ein Großteil der Gerichte besteht aus Fleisch oder Fisch. Und die Alternativen sind okay, aber eintönig. Oder schrecken mich ab. Bei allem Respekt: ein Karottenbratling mit Petersiliensauce klingt nicht nach einem Gericht, was mich einen Arbeitstag überstehen lässt. Schon jetzt ist mir klar: Wären die Optionen im Alltag leckerer, attraktiver, abwechslungsreicher, man könnte einfacher auf Fleisch verzichten, ohne es wirklich zu merken.

9. Tag, 13 Uhr: Zum ersten Mal ernte ich mitleidige Blicke. Der Teamabend am Vortag dauerte eine halbe Stunde länger als geplant, weil plötzlich noch eine Flasche Wein auf dem Tisch stand. Die Kollegin neben mir beendet den Kater mit einem herzhaften Biss in einen Burger. Der für mich ausfällt. "Und du Armer musst jetzt echt diese Nudeln essen", flüstert sie mir zu.

12. Tag, 12.20 Uhr: Telefonat mit den Eltern. Ich erzähle, dass ich aktuell kein Fleisch mehr esse. Meine Mutter klingt interessiert, mein Vater hingegen ist erschreckend schweigsam. Womöglich befürchtet er, dass er bei meinem nächsten Besuch in der Heimat am Sonntagmorgen alleine in der Küche steht und nicht mehr sechs, sondern nur noch drei Weißwürste in den Topf werfen darf. 

"Warum soll ich dann nicht gleich auf Fleisch verzichten?"

12. Tag, 14 Uhr: Nachdem die vegane Wurst ein Reinfall war, versuche ich heute mein Glück mit veganem Fleisch. Ich mache es kurz: Hühnchenfleisch, das nicht aus Hühnern gemacht ist, ist essbar. Schmeckt aber nicht nach Hühnchen. Ich zaubere mit Hilfe meiner 23 Gewürzdöschen im Regal Geschmack an die von der Konsistenz her akzeptable Masse, frage mich aber, warum ich dann nicht gleich darauf verzichten sollte. Mir fällt ein, was Tim Mälzer vor einigen Wochen in seinem Podcast "Fiete Gastro" sinngemäß sagte: "Nur Speck schmeckt wie Speck. Das kann man nicht ersetzen. Die Kunst ist nicht, Speck zu imitieren, wenn man vegan essen möchte. Das wird nicht funktionieren. Man muss kreativer sein – und eigenständige vegane Rezepte finden, die geil schmecken, sodass man gar nicht erst auf die Idee kommt, den Geschmack von Fleisch zu vermissen."

16. Tag, 12.30 Uhr: Es war mir nie bewusst, aber Klischees und Vorurteile sind auch Teil des Kantinengangs. Wenn die schmächtige, junge Frau einen Salat und ein breiter Mann Pulled Pork isst, wundert sich niemand. Heute jedoch ist es umgekehrt. "Und du setzt jetzt auf gesunde Ernährung?", werde ich ein wenig ungläubig gefragt. So als ob meine Begleitung ein schlechtes Gewissen haben müsste, nur weil ich heute die vermeintlich vernünftigere Option bestellt habe und wir nicht gemeinsam ins Fleisch beißen. Immerhin ernte ich auch ein wenig Anerkennung, was mich ehrlicherweise besser durchhalten lässt. Gepaart mit dem guten Gewissen, sich selbst gerade zu beweisen, gar nicht so sehr fleischsüchtig zu sein wie gedacht, bleibe ich stark. Und mache auch noch was für die Umwelt. Man, bin ich gut.

16. Tag, 21.59 Uhr: Ich öffne die Augen. Auf dem Fernseher läuft die dritte Episode der zweiten Staffel von "Killing Eve" (kann ich übrigens empfehlen). Dabei hatten wir doch gerade eben erst Folge zwei angemacht. Verdammt. Ich bin schon wieder auf dem Sofa eingeschlafen. Das zweite Mal in dieser Woche. Ist nicht verwunderlich, die Tage sind gerade auch anstrengend und die Nächte meist kurz. Den erhofften Energieschub, der mir durch den Fleischverzicht versprochen wurde (ein Text eines Gesundheitsportals mit der wundervollen Überschrift "Sieben Dinge, die sich in Ihrem Körper verändern, wenn Sie sich fleischlos ernähren"), vermisse ich allerdings noch.

17. Tag, 7.05 Uhr: Die Gewichtsabnahme, die mir versprochen wurde, ist dafür tatsächlich erkennbar. Ich blicke auf die Waage. Immer noch zu viel, aber immerhin anderthalb bis zwei Kilo weniger als vor gut zwei Wochen. Ich habe dafür auch eine ziemlich banale Erklärung: Ich esse beinahe jeden Mittag gezwungenermaßen die kalorienärmste Option auf der Kantinenspeisekarte. 

"Lunch beendet. Habe schon wieder Hunger!"

18. Tag, 13.33 Uhr: Ich habe gelernt, dass Naturreis mit Gemüse kein Hauptgang ist, den man erwachsenen Menschen als vollwertige Mahlzeit verkaufen sollten. Vor zwei Minuten habe ich meinen Lunch beendet. Ich habe schon wieder Hunger.

18. Tag, 20.46 Uhr: Heute bin ich auf Krawall gebürstet. Nichts macht mich satt. Oder zufrieden. Aus Protest nehme ich auf dem Sofa die "Beef" in die Hand. Das Pornomagazin der Fleischliebhaber, das wie der stern im Verlag Gruner+Jahr erscheint und deshalb alle acht Wochen auf meinem Schreibtisch liegt. Manchmal verehre ich es aufgrund der wundervollen Hochglanzinszenierung von Fleisch, manchmal nervt es mich wegen seines Claims "Männer kochen anders". Als könnten nur Typen Fleisch geil finden. Momentan sind mir solche Grundsatzfragen allerdings egal. Ich starre abwechselnd auf zwei Burger-Rezepte im Heft. "Full Meatal Jacket" (Rinderhack, Pastrami, Sauerkraut, Ahornsirup!) und die "Leberwurst-Rakete" (gemischtes Hack, Leberwurst, Käse, Ingwer!) und frage mich, welches Fleischmonster ich zuerst grillen werde, wenn der Monat endlich überstanden ist. Bis dahin freue ich mich, dass Schokolade und Rotwein fleischfrei sind. Besser als nichts. Aber nicht besser als Fleisch.

19. Tag, 11.15 Uhr: Überraschung! Amazon weiß mal wieder, an was ich am Vorabend gedacht habe. Lieferdienst "Fresh" will mir einen veganen Beyond-Meat-Burger verkaufen. 5,99 Euro für 227 Gramm Fleischersatz – ohne Brötchen, Salat oder andere Beilage, versteht sich. Macht einen gerundeten Kilopreis von 25 Euro. Der Schwabe in mir, der sich wirklich selten zu Wort meldet, brüllt in meinem Kopf: "Das sind 50 Mark für Hackfleisch, das gar kein Hackfleisch ist." Während im Discounter das Kilo Hack gerade zwischen sechs und acht Euro kosten dürfte. Da darf man sich am Ende nicht wundern, wenn die Menschen sich gegen das vegane Produkt entscheiden. Befürchte ich.

21. Tag, 20.15 Uhr: Abendessen in einem angesagten Restaurant in der Hamburger Hafencity, neun Kolleginnen und Kollegen an einem Tisch. Wir entscheiden uns für die gemütliche Variante – alles in die Mitte, zum Teilen. "Irgendwelche Allergien, Vegetarier, Veganer?", fragt die Kellnerin, als wir bestellen. Und zum ersten Mal im Leben muss ich beim gemeinsamen Essengehen den Arm heben und bitte um (k)eine Extrawurst. Für die Menschen am Tisch ist das kein Problem. Zumindest wirkt es so. Aber ich fühle mich dennoch irgendwie unwohl.

22. Tag, 12.45 Uhr: Off-site. Wir haben uns im sechsten Stock unseres Verlagsgebäudes eingesperrt, um die Strategie für die kommenden Monate zu diskutieren. Mittagessen kommt, wie das heutzutage in ist, in kleinen Gläschen. "Sorry, Swen, ich wusste nicht, dass du Vegetarier bist", entschuldigt sich die Kollegin, die das Essen organisiert hat. "Nicht schlimm", entgegne ich. Woher soll sie auch wissen, dass ich mir grade mal in den Kopf gesetzt habe, kein Fleisch mehr zu essen? Die Chefin sortiert in der Zwischenzeit die Gläschen und schanzt mir alles zu, was nach vegetarischer Ernährung aussieht. Fast schon rührend, wie sie sich um mich kümmern. Was nichts daran ändert, dass mir wieder einmal auffällt: Als Vegetarier ist's oft anstrengend, ein vernünftiges Essen zu organisieren. Vor allem, wenn es schnell gehen soll.

24. Tag, 13.03 Uhr: Gleiche Beobachtung beim Bäcker um die Ecke. Schon klar, er verkauft auch ein Käsebrötchen. Aber Fakt ist: In der Auslage liegen rund 25 Optionen mit Fisch oder Fleisch und drei ohne. Zudem ist der Nudelsalat heute schon ausverkauft. Wie auch der Rest des Kühlregals. Immer wieder komme ich nicht umhin festzustellen: Natürlich werde ich satt. Aber ich bin nicht zufrieden. Und dennoch glücklich, nicht auf die Idee gekommen zu sein, einen veganen Monat zu versuchen. Ganz im Ernst: Ich weiß nicht, was ich machen würde, wenn man mir jetzt auch noch Käse, Eier und Milch wegnehmen würde.

25. Tag, 8.21 Uhr: Vermutlich wäre ich wütend. So wie jetzt: "Falsch gedacht: Parmesan ist nicht vegetarisch", bellt mich die Headline eines Nachhaltigkeitsportals auf Facebook an. Nicht falsch verstehen: Es ist durchaus legitim zu erklären, dass in Käse Enzyme tierischen Ursprungs stecken können. Aber so langsam machen mich die Belehrungen und Warnungen sauer. Als ob irgendein Enzym für mich die gleiche Bedeutung hätte wie ein Nackensteak. Und ich finde den mitschwingenden und im Text stehenden moralischen Zeigefinger, durch den Verzehr von Käse indirekt die böse Fleischindustrie zu unterstützen, kontraproduktiv. Bei mir wirken die ganzen belehrenden Warnungen nicht. Wenn ich etwas an meiner Lebensweise ändern soll, dann muss ich davon auch überzeugt sein.

26. Tag, 19.30 Uhr: Was mich ebenfalls immer wieder ratlos zurücklässt, ist die Tatsache, wie oft irgendwo Fleisch oder Wurst reingeworfen wird, auch wenn es gar nicht zwingend nötig wäre: In den Fertig-Bratkartoffeln ist Speck, auf dem Eier-Sandwich liegt Schinken, im Linseneintopf wurden bereits zerschnittene Würstchen versenkt. Der Monat ist fast um – und mir tun alle Vegetarier leid, auf die offensichtlich ziemlich selten Rücksicht genommen wird. Mehr noch: Ich bin ziemlich oft echt genervt von uns Fleischfressern.

28. Tag, 19 Uhr: Gleichzeitig setzt bei mir ein Lerneffekt ein. Man muss trainieren, fleischfrei zu denken. Und sich daran gewöhnen, entsprechend zu kochen. Meine Frau, die das Experiment mit mir durchzieht, zaubert plötzlich Shakshuka und danach ein israelisches Blumenkohl-Rezept, während ich versuche, Chili sin Carne schmackhaft zu gestalten. Und ja, es gelingt! Eine Kollegin hat mir sogar ein Veganer-Kochbuch von Attila Hildmann geschenkt, das toll ist – gleichzeitig aber auch deutlich mehr Zeit in der Küche erfordert als die Rezepte, die ich im Schlaf kochen kann. Vielleicht versuche ich bald mal mein Glück mit den vegetarischen Gerichten von Jamie Oliver

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30. Tag, 13.01 Uhr: Das Burger-Universum schlägt zurück. Zu meinen Gunsten. Heute gibt’s einen veganen Burger. Portobello, gefüllt mit Ziegenkäse, Brötchen, Salat, Mayo, Pommes. Endlich darf auch ich mir donnerstags, am Burger-Tag in der Kantine, mal wieder sinnlos Kalorien reinstopfen. Na gut. Einen wässrigen Pilz mit Ziegenkäse in ein Brötchen zu pressen, ergibt geschmacklich ehrlicherweise wenig Sinn (und ist drei Geschmacksgalaxien entfernt von einem Burger aus ordentlichem Rindfleisch), aber irgendeine Synapse gaukelt mir vor, heute belohnt zu werden für die Enthaltsamkeit. Noch so eine Erkenntnis: Es ist nicht immer das Fleisch, das mir zuletzt fehlte. Sondern die gefühlte Belohnung in Form eines fettigen, ungesunden Gerichts.

31. Tag, 13.01 Uhr: 24 Stunden später. Das Veganer-Universum schlägt zurück. Mitten in die Fresse rein. "Chili-Bohneneintopf mit geräuchertem Tofu" steht auf dem Speiseplan. Tofu. Tofu ist eigentlich keine Option. Niemand sollte Tofu essen müssen. Dieses weiße, labberige Etwas. Tofu ist die einfallslose Antwort auf jene, die kein Fleisch wollen. Ich bin ganz kurz davor, den Lachs oder die Lasagne zu bestellen und mir zu sagen, dass 30 Tage auch als Monat durchgehen. Aber ich bleibe hart. Die Freundin, mit der ich mich seit rund vier Jahren regelmäßig zum Essen treffe, schaut mich ein wenig verwirrt an. "Ich sage nichts. Aber du würdest jetzt einen blöden Witz machen, wenn ich das bestellt hätte." Recht hat sie.

Und dann ruft endlich das Schnitzel ...

32. Tag, 18 Uhr: Es ist vorbei. Fazit? Vielleicht: Ja, ich kann nur empfehlen, den Versuch selbst mal durchzuziehen. Weil es tatsächlich deutlich einfacher war als gedacht, einen Monat fleischfrei zu leben, und weil es wirklich lehrreich war, mehr über die eigene Ernährung(sgewohnheiten) zu erfahren. Und doch gab's Schattenseiten. Dinge, die nervten und verwirrten. Heute glaube ich, dass ich in Zukunft deutlich weniger Fleisch essen werde als in den vergangenen Jahren. Ich rede mir ein, dass ein Lerneffekt eingesetzt hat. Dass es möglich ist, immer öfter auf Fleisch und Wurst zu verzichten. Und doch will ich nicht verheimlichen, mit welcher Belohnung ich den geschafften fleischfreien jetzt feiern werde: In einem Restaurant. Mit einem Schnitzel. Ich habe es wirklich vermisst.

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