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Wundertrunk Pu-Erh ist der teuerste Tee der Welt - warum sich Investoren um ihn reißen, obwohl er nicht schmeckt

Pu-Erh-Tee
Einer, wenn nicht der teuerste Tee der Welt, kommt aus China und schmeckt wie aufgekochte Erde.
© VeraPetruk / Getty Images
Der chinesische Pu-Erh-Tee schmeckt zwar gewöhnungsbedürftig, ist dafür aber besonders teuer. Für keinen Tee der Welt wird mehr Geld hingeblättert. Das liegt nicht nur an der vermeintlichen Wunderwirkung, sondern am Reifeprozess.

Er sieht einem getrockneten Kuhfladen nicht unähnlich und schmeckt, als hätte man den Aufguss mit Erde gemacht. Manche erkennen darin "umami" und sind bereit, für ein Tässchen ihr Konto zu plündern. Denn der chinesische Pu-Erh-Tee, um den es hier geht, ist einer, wenn nicht der teuerste Tee, den man auf dieser Welt für Geld kaufen kann. Nachfrage steigend.

Der exklusive Trunk liegt absolut im Trend, befeuert wird er vor allem von einer guten Geschichte. Denn Pu-Erh, wie so viele aus dem Land der Mitte, ist nicht irgendein Lebensmittel. Ihm werden gar sagenhafte Eigenschaften nachgesagt. So soll er für den Körper eine regelrechte Wohltat sein, Medizin schon fast. Wer den Tee trinkt, wird von Giftstoffen im Körper befreit und ist auch gefeit von den lästigen paar Kilos zu viel auf den Rippen. Denn er hält die Darmflora in Schuss und ist außerdem gut für die Nerven, so die Erzählung. Wirklich wissenschaftlich bewiesen ist die gesundheitliche Wunderwirkung allerdings nicht.

Je älter, desto teurer

Etwas anderes dafür schon: Pu-Erh lässt den Kontostand wachsen. Der exklusive Tee ist inzwischen beliebtes Gut für Investoren. 2010 kostete ein Kilo der Frühlingsernte noch 220 Euro, 2015 schon 713. Und das ist noch billig. Pro gepresstem Tee-Päckchen (100 bis 350 Gramm) wurden in der Spitze auch schon fünfstellige Preise erzielt, was in etwa 100 Euro je Gramm entspricht. Zur Einordnung: Für ein Kännchen Tee benötigt man etwa vier Gramm. Wer so viel Geld hinblättert, kauft nicht, um sich einmal selbst den speziellen Geschmack auf der Zunge zergehen zu lassen. Stattdessen wird der Tee eingekellert und nicht angerührt. Denn wie außerordentliche Spirituosen steigt auch Pu-Erh mit den Jahren im Preis. 

Pu-Erh ist nicht ein Tee wie jeder andere. Er wird nicht einfach nur getrocknet, sondern fermentiert. Dafür werden die grünen Assamblätter zunächst gedämpft und dann in Blöcke oder Fladen gepresst. Nach der Pressung beginnt der Reifeprozess - der jahrzehntelang währen kann. Ist der Pu-Erh noch nicht im fortgeschrittenen Reifestadium, spricht man von Sheng Pu-Erh. Übersetzt bedeutet das so viel wie roher Pu-Erh. In ihm stecken noch viele Gerbstoffe. Wird der "rohe" Tee gut gelagert, reift er fort und wird zum (reifen) Shu Pu-Erh. Je länger der Tee fermentiert, desto mehr ist er wert.

Beschleunigtes Verfahren

Die lange Lagerung hat aber auch ihre Tücken. Feuchtigkeit oder Wärme setzen dem Tee zu. Muffiger Geschmack ist dabei nicht das einzige Problem. Im schlimmsten Fall erobern Schimmelpilze den Tee, und anstelle in der Tasse landet er in der Tonne.

Daher setzen die Hersteller inzwischen vermehrt auf einen beschleunigten Reifeprozess. Durch den Zusatz von Mikrooganismen schreitet die Fermentation schneller voran. Was bei der traditionellen Reifung Jahre dauert, schaffen die Hersteller so binnen Tagen. Nach etwa 40  ist durch das neuartige Verfahren der Prozess abgeschlossen, der Pu-Erh gereift. Und: Die unterschiedlichen Reifeprozesse haben - zumindest in Geschmacksfragen - keine Auswirkung auf die Qualität des Tees.

Der Unterschied zeigt sich allerdings in den Preisen. Denn wirklich horrende Summen erzielen in erster Linie traditionell verarbeitete Tees, die aus Blättern alter Teebäume aus der Region Yunnan gemacht werden und nach traditionell Machart reifen.

Die Zubereitung - ein Ritual

Die Zubereitung von Tee ist hierzulande eher eine schnelle Sache - Teebeutel in den Becher, heißes Wasser, ziehen lassen und fertig. Wer Pu-Erh in voller Pracht genießen möchte, muss sich allerdings etwas mehr Zeit nehmen. Der erste Aufguss dient dazu, den Tee zu waschen. Nach etwa einer halben Minute kann der Sud abgegossen werden. Erst ab dem zweiten Aufguss entfaltet der Tee sein Aroma, der sich mit jedem weiteren Aufguss wandelt. Bis zu vier Mal können die gleichen Blätter verwendet werden.

Die fruchtigen Noten, die im rohen Pu-Erh noch zum Tragen kommen, entfallen beim Shu Pu-Erh. Der reife Tee, der nach dem Aufguss dunkelbraun, dunkelrot oder fast schwarz ist, hat alle seine Bitterstoffe verloren. Der Tee schmeckt süßlich, gleichzeitig mineralisch und eben dominant nach Erde.


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