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Online-Petition in USA Baut den Todesstern!

Ein US-Bürger will erreichen, dass der Todesstern gebaut wird - was Jobs und die Landesverteidigung sichere. Auch der Rest der Welt sollte groß denken. stern.de hätte da ein paar Vorschläge.
Von Niels Kruse

Vom Todesstern (bekannt aus Kino, Kinderzimmern und Fernsehen) ist bislang nur eine einzige Schwachstelle bekannt: eine zwei Meter breite Öffnung eines Abwärmeschachts. Nur computergestützte Laserwaffen vermögen es, dieses Ziel zu treffen und so die gigantische Raumstation zu zerstören. Oder Luke Skywalker. Doch der hat bekanntlich schon vor langer Zeit in einer weit entfernten Galaxis gelebt. Bevor das gute Stück aber kaputtgeschossen wird, muss es erst einmal gebaut werden. Und wenn es nach einigen Amerikanern geht, soll genau das bald geschehen.

Es klingt jetzt etwas bizarr und verworren, also von Anfang an: Die USA sind in der Krise. Schon viele Jahre in Folge. Es fehlt nicht nur an Arbeitsplätzen, auch der Status als Weltpolizei wankt. Was liegt da näher als aus den Schwächen eine Stärke zu machen? Eine sehr, sehr starke Stärke! Mitte November hatte ein besonders pragmatischer US-Bürger daher einen Geistesblitz und reichte ihn per Petition in Washington ein: Er fordert den Bau des Todessterns. Und zwar pronto, Beginn in vier Jahren.

550 Amerikaner teilen bereits die ambitionierte Idee

"Durch die Konzentration unserer Verteidigung auf ein mächtiges Weltraum-Waffensystem wie den Todesstern ist unsere Regierung in der Lage, Jobs im Bau- und Ingenieurswesen, in der All-Forschung und anderen Bereichen zu schaffen. Gleichzeitig wird unsere Landesverteidigung gestärkt", schreibt John D. aus Longmont, Colorado, Verfasser der Online-Bittschrift. Konkreter Adressat ist die Weiße-Haus-Seite "We the people", auf der alle US-Bürger ihr Begehren eingeben können. 25.000 Unterzeichner innerhalb von 30 Tagen braucht die Petition, damit die Regierung sich mit den Anliegen beschäftigt und eine offizielle Antwort formuliert. 6300 waren es am Freitagvormittag. Der Initiator hat also noch acht Tage Zeit, den benötigten Rest zusammenzutrommeln. Nachdem aber einige Medien bereits über die unorthodoxe Eingabe berichtet haben, könnte es vielleicht sogar noch etwas werden.

Ganz und gar ungewiss ist noch die konkrete Umsetzung des ambitionierten Vorhabens. Denn viele naheliegende Fragen sind völlig unbeantwortet: Reichen vier Jahre Planungszeit aus? Wie viele Leute braucht man überhaupt, um eine Kampfstation zu bauen, von der Kenner behaupten, sie habe einen Durchmesser von 140 bis 160 Kilometern und bestehe aus 1.080.000.000.000.000 Tonnen Stahl? Gibt es überhaupt so viel Eisen auf der Erde? Und, vor dem Hintergrund von Projekten wie Elbphilharmonie und Flughafen Berlin-Brandenburg, auch nicht ganz unwichtig: Wann wird das Ding überhaupt fertig? Einige wissenschaftliche Witzbolde hatten sich vor knapp einem Jahr genau diese Fragen gestellt und sind zu dem Ergebnis gekommen: Der Bau des Todessterns würde 833.315 Jahre dauern und 852.000.000.000.000.000 Dollar kosten - rund das 13.000fache des aktuellen Weltsozialprodukts. Kurzum: eine große Aufgabe für eine große Nation.

DIe USA inspiriert die Welt

Und eine große Inspiration für den Rest der Welt: Die derzeit leicht derangierten Europäer etwa täten gut daran, im flachen Osten Österreichs ein zweites Paar Alpen zu errichten. Die ramponierten Wälder im Originalgebirge würden es ihnen danken und die Tourismusindustrie sowieso. Aus dem gleichen Grund könnten sich die Ägypter ihr Land mit unzähligen, weiteren Pyramiden vollstellen. Das schafft Arbeit für Generationen und würde von internen Streitereien ablenken.

Für die nordafrikanischen Nachbarstaaten, also die Sahara-Anrainer, käme in Betracht, die Wüste mit einer hollandesken Kanallandschaft zu durchziehen - blühende Landwirtschaften locken. Die Asiaten dagegen sollten in Erwägung ziehen, ob sie den Mount Everest auf 10 oder besser 20 Kilometer erhöhen. Jeder Hobbybergsteiger gähnt ja mittlerweile über die popeligen 8848 Meter. Alternativ dazu und um des Klimas willen, können die Himalaya-Länder auch überlegen, wie man aus dem unansehnlichen Steinhaufen ein kuscheliges, lebensbejahendes Regenwaldgebirge macht. "Think big" ist gute, alte, langerprobte Tradition. Nicht nur in den USA. Denn merke: Die Banken sind ja auch nicht mit der Verwaltung von Mäusekontos allein reich geworden.

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