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«Requiem für den unbekannten Verfolgten»-Uraufführung im Dom


Vor mehr als 60 Jahren wurde ein großes Werk des Greizer Komponisten Hans Heller uraufgeführt. Mit dem Konzert des «Requiem für den unbekannten Verfolgten» im Erfurter Dom wird ein weiteres von einem großem Orchester erstmals aufgeführt.

Vor mehr als einem halben Jahrhundert wurden die Noten zu Papier gebracht - am Donnerstagabend sollen sie erstmals im ehrwürdigen Erfurter Dom erklingen. Mehr als 30 Jahre lagen die Manuskripte des im thüringischen Greiz geborenen Komponisten Hans Heller vor der Uraufführung im Musikarchiv der Akademie der Künste in Berlin. Hier fokussiert man sich unter anderem auf die Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die während der Nazizeit aus Deutschland flohen - wie auch Heller.

Insgesamt zwei Weltkriege erlebte der 1898 geborene deutsch-jüdische Komponist mit. 1933 floh er nach Frankreich und überlebte später bis Kriegsende in einem Versteck. Auch dort komponierte er. 1946 emigriert er in die USA, kehrte jedoch Mitte der 50er Jahre nach Deutschland zurück, wo sein «Requiem für den unbekannten Verfolgten» entstand. Seine großen Werke wurden bislang nicht gedruckt und gerieten so nach seinem Tod 1969 in Vergessenheit.

An das Archiv übergeben worden waren die Manuskripte letztendlich vom Sohn Hellers nach dessen Tod. «Wir vom Archiv haben seitdem immer wieder versucht, Musiker anzusprechen», sagt der Leiter der Musikarchive der Akademie der Künste Berlin, Werner Grünzweig.

Da die Werke den Musikern aber bis dato absolut unbekannt - und auch mit einem großen Orchester und einem Chor sehr aufwendig zu inszenieren seien - habe sich viele Jahre niemand finden lassen, so Grünzweig. Er zeigte sich aber überzeugt davon, dass Heller «ein Komponist ist, der es wert ist, gespielt zu werden».

Umso glücklicher sei er gewesen, als sich mit dem Professor für Jüdische Musik an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, Jascha Nemtsov, ein Musikkenner der Manuskripte annahm.

Egal, wie dramatisch die Schicksale auch waren, «für mich ist das wichtigste die Qualität», erklärt Nemtsov. Bei Heller sei er sofort überzeugt gewesen. «Ich schätze dieses Werk wirklich als ein sehr Bedeutendes.» Er nennt ihn «einen Komponisten mit einzigartiger Handschrift».

Es handle sich um moderne Werke mit einem Hauch Klassik - aber vor allem um ein «publikumsfreundliches», «dass die Zuhörer sehr schnell in den Bann zieht». So spreche es auch Menschen an, die kein großes Verständnis für Musik haben. Bei all der Analyse sei noch einmal angemerkt: Auch der Notenversteher Nemtsov wird das Stück am Donnerstagabend das erste Mal hören.

Monatelang wurden die Schriften Hellers in den Computer eingepflegt und für die Musiker und Musikerinnen aufbereitet. Seit einigen Wochen probt nun der MDR Chor. Auch das Orchester übt seit mehreren Tagen.

«Wir werden eine Möglichkeit dieses Werkes hören - vielleicht gibt es auch andere», so Grünzweig. Der Komponist habe sich seine größeren Werke immer wieder herangeholt und Veränderungen vorgenommen. Jeder Dirigent müsse sich somit für eine bestimmte Leseart entscheiden.

Auch daher sei es so bedeutend, dass es nun zu einer Aufführung komme. «Es ist ganz wichtig, dass es Referenzaufnahmen gibt», so Grünzweig. Spätere Musiker könnten darauf zurückgreifen und so wirke es auch in die Zukunft. Für alle Beteiligten, die an die Kraft der Hellerschen Werke glauben, gehe mit der Uraufführung im ehrwürdigen Erfurter Dom am Donnerstagabend im Rahmen der Achava Festspiele «ein Traum in Erfüllung».

Auch für den Festspiele-Intendant Martin Kranz ist «das Requiem für den unbekannten Verfolgten» mit dem MDR-Symphonieorchester ein besonderes Highlight. «Ich freue mich, dass wir so ein bedeutendes Werk zu Achava auf die Bühne bringen». Die Rückmeldungen von Orchester und Chor seien durchweg positiv. Neben dem Reqiuem soll auch ein Orgelsolo Hellers uraufgeführt werden.

«Wir haben hier in unseren Archiven noch viele Werke, die es wert wären, noch einmal aufgelegt oder gespielt zu werden», so Grünzweig. Auch von Heller gebe es noch viele weitere Werke, die man spielen könnte. «Wenn der Sohn uns die Sachen nicht seinerzeit gegeben hätte, dann wäre sowas wie die Uraufführung in Erfurt nicht denkbar», sagt der Musikarchivleiter. Das Konzert lasse er sich nicht entgehen.

dpa

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