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Energieversorgung Söder setzt auf Flüssiggas und Wasserstoff aus Kroatien

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Andrej Plenković (r), Premierminister von Kroatien, besuchen ein LNG-Terminal.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Andrej Plenković (r), Premierminister von Kroatien, besuchen ein LNG-Terminal. Foto
© Peter Kneffel/dpa
Bayern will sich bei der Suche nach der Energie der Zukunft nicht nur auf andere verlassen - schon gar nicht nur auf den Norden. Die Suche führte ihn nun auf die Insel Krk. Doch rasche Lösungen gibt es nicht.

Bayern setzt zur Sicherstellung der eigenen Energieversorgung mittel- und langfristig auch auf Gas- und Wasserstofflieferungen aus Kroatien - genauso wie Österreich. Dazu soll der Bau von Pipelines über Slowenien nach Österreich und Bayern vorangetrieben werden. Das kündigten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Österreichs Kanzler Karl Nehammer am Donnerstag bei einem Treffen mit Kroatiens Premierminister Andrej Plenkovic auf der kroatischen Insel Krk an. "Unser Ziel ist vor allem, grünen Wasserstoff auf Dauer nach Bayern zu bringen", sagte Söder.

Eine gemeinsame Steuerungsgruppe soll nun mit Netzbetreibern und Energieversorgern die nächsten Schritte klären - und so vor allem den Weg für den Bau der Pipelines ebnen. Insgesamt muss dabei allerdings mit einer Projektdauer von mehreren Jahren gerechnet werden.

Vor Krk befindet sich auf einem Schiff ein sogenanntes LNG-Terminal, in dem Flüssiggas wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt und ins Netz eingespeist wird. Schon heute deckt Kroatien damit seinen Erdgasbedarf - und will die Kapazitäten deutlich ausbauen. In Zukunft soll die Infrastruktur auch für die Nutzung von flüssigem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien umgewandelt werden können.

"Bayern sucht nach Energie für die Zukunft. Und wir richten unsere Blicke nicht nur nach Norden, sondern auch nach Süden", sagte Söder und betonte: "Man hat gelernt, dass man nicht von einem allein abhängig sein darf. Deswegen ist unser Ziel, nicht nur unabhängig von Russland zu werden, sondern auch unabhängiger von monopolen Quellen." Grüner Wasserstoff nach Deutschland solle auch "über die Südrouten" fließen können. "Wir machen das in alle Himmelsrichtungen."

Der Ministerpräsident betonte aber, es handle sich bei alledem um kein kurzfristiges Projekt. "Da geht es jetzt nicht um diesen Winter. Da geht es um eine langfristige neue Energieperspektive für Europa." Es gehe um eine "Zukunftsoption", nicht um eine "Notlösung für die Gegenwart". "Das ist alles nichts, was über Nacht passiert." Nehammer sprach von einer Bauzeit von drei bis fünf Jahren für die nötigen neuen Pipelines - je nachdem, wann man mit dem Bau beginnen könne.

Plenkovic sicherte Bayern und Österreich zu, die Kapazitäten des LNG-Terminals auf Krk könnten bei Bedarf in Zukunft auch noch weiter ausgebaut werden. Da der Energiebedarf der beiden Länder derart hoch sei, könnten die Lieferungen aber nur einen kleinen Teil abdecken.

Aktuell hat das LNG-Terminal auf Krk eine Kapazität von 2,9 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. In einem nächsten Schritt soll sie auf 6,1 Milliarden Kubikmeter ausgebaut werden. Zum Vergleich: Der bayerische Bedarf liegt aktuell bei rund 11 Milliarden Kubikmetern.

Bayern setzt deshalb auch schon auf künftige Lieferungen aus dem Norden. So will der Freistaat die Anlandung von Flüssigerdgas in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern unterstützen - Fachleute aus Bayern sollen dort in Kürze bei Genehmigungsverfahren helfen. Von Lubmin aus führen Gasleitungen unter anderem über Tschechien auch nach Bayern.

Söder hatte aber bereits auf dem CSU-Parteitag Ende Oktober angekündigt: "Wir wollen nicht nur unabhängig von Russland werden, sondern auch deutlich unabhängiger vom Norden Deutschlands."

In einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung Kroatiens, Österreichs und Bayerns heißt es, man wolle sich gegenseitig "bei der Stärkung der Energiesicherheit, der Diversifikation der Energiequellen sowie der Sicherung der Versorgungssicherheit mit natürlichem Erdgas und Wasserstoff" unterstützen. Als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine sei "eine Neubewertung und Neukonzeption der Energieversorgung Europas erforderlich". Auf Krk solle deshalb "ein Knotenpunkt für die europäische Energieversorgung der Zukunft" entstehen. Angestrebt wird deshalb eine finanzielle Unterstützung des gesamten Projekts durch die Europäische Union.

dpa

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