Bei den Münchner Philharmonikern bricht eine neue Zeit an. Von der kommenden Saison an hat das Orchester endlich wieder ganz offiziell einen Chefdirigenten: den 37 Jahre alten Lahav Shani. Von "Aufbruch" sprach der Kulturreferent der Stadt München, Marek Wiechers, bei der Vorstellung des Programms für die neue Spielzeit, und vom "Beginn einer neuen Ära".
Das renommierte Orchester war seit 2022 ohne Chefdirigenten. Damals war der Russe Waleri Gergijew, der als Vertrauter von Wladimir Putin galt, rausgeflogen, weil er sich nicht vom russischen Einmarsch in die Ukraine distanziert hatte.
Antisemitismus-Debatte nach Ausladung von Festival
Auch um den in Tel Aviv geborenen Shani gab es Diskussionen. Im vergangenen Jahr lud das Flanders Festival Ghent die für ein Gastspiel eingeladenen Philharmoniker und Shani, der auch Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra ist, aus. Als Grund wurde damals angegeben, dass seine Haltung zur israelischen Regierung nicht klar sei. Der Schritt traf nicht nur in Deutschland auf scharfe Kritik. Dem Festival wurde Antisemitismus vorgeworfen. Der belgische Regierungschef ging damals klar auf Distanz und sprach von Schaden für sein Land.
Das Orchester habe sich "ganz klar und deutlich hinter Lahav Shani gestellt", betont Kulturreferent Wiechers. Es sei bemerkenswert, "wie eng diese Krisensituation das Orchester und den jetzigen Chefdirigenten nochmal zusammengebracht hat".
Sein Orchester gehe in der kommenden Saison verstärkt auf Tournee, betont Shani, er kündigt an, "dass wir so viele Konzerte auf Tourneen haben wie noch nie seit 2007". Das bedeute, es gebe "so viel Publikum und so viele Veranstalter, die unbedingt das Orchester mit mir hören wollen", sagte der 37-Jährige und fügt hinzu: "Wir machen das einfach – und mit großer Freude auch."
Ticketpreise werden teurer
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Wer das Orchester mit Shani in München hören möchte, muss dafür künftig womöglich tiefer in die Tasche greifen: Die Philharmoniker erhöhen die Ticketpreise um bis zu sechs Prozent. Wie Intendant Florian Wiegand mitteilte, soll das aber vor allem die hochpreisigen Kategorien treffen. Damit sollen Einschnitte aus dem öffentlichen Kulturetat ausgeglichen werden, ohne am Angebot zu sparen. "Wir trauen es uns zu, die Kartenpreise zu erhöhen", sagt Wiegand - und zusätzlich noch, mehr Publikum zu gewinnen. Zuletzt lag die Auslastung der Konzerte in der Münchner Isarphilharmonie nach Angaben des Intendanten bei 90 Prozent.