Unfall in Bayreuth
Wie konnte es zum Zusammenstoß zweier Züge kommen?

Die Ermittlungen zur Unfallursache laufen. Foto: Pia Bayer/dpa
Die Ermittlungen zur Unfallursache laufen. Foto
© Pia Bayer/dpa
Zwei Züge stoßen im Bayreuther Hauptbahnhof zusammen. Es gibt mehrere Verletzte, ein Lokführer ist schwer verletzt. Jetzt muss geklärt werden: Warum passierte der Unfall?

Die Ursache für den Zusammenstoß zweier Regionalzüge im Hauptbahnhof Bayreuth ist weiter unklar. Die Ermittlungen der Bundespolizei vor Ort liefen, man könne derzeit keine Aussagen zur Unfallursache treffen, teilte ein Sprecher der Bundespolizei mit. Ein Gutachter sollte unterstützen.

Was genau ist passiert?

Am Mittwochabend um 18.41 Uhr stießen im Bayreuther Hauptbahnhof ein leerer, rangierender Zug und ein entgegenkommender Zug zusammen. In dem Zug aus Bad Steben (Landkreis Hof) saßen 13 Fahrgäste und der Zugführer. In dem anderen Zug befand sich nur der Lokführer. Acht Menschen wurden nach Angaben der Bundespolizei verletzt. Der Lokführer des rangierenden Zuges erlitt schwere Verletzungen, schwebte aber nicht in Lebensgefahr. Es handelte sich ausschließlich um Erwachsene, es waren keine Kinder betroffen.

Der Schwerverletzte und vier mittelschwer verletzte Menschen kamen ins Bayreuther Krankenhaus. Sieben Reisende blieben den Angaben zufolge unverletzt. Alle leicht Verletzten und die unverletzten Fahrgäste seien um 20.25 Uhr aus dem Zug gebracht worden, teilte die Bundespolizei weiter mit. Man habe die Sicherungsarbeiten abwarten müssen, um den sicheren Ausstieg gewährleisten zu können, erläuterte ein Sprecher. 

Der Lokführer wollte den leeren Zug zum Betanken rangieren. An beiden Zügen entstand laut Bundespolizei Totalschaden. Die Schadenshöhe liege bei etwa 3,4 Millionen Euro.

Rätsel um die Ursache

Alkohol oder Drogen bei den Lokführern hätten keine Rolle gespielt, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Morgen. "Momentan ist es für uns nicht schlüssig, warum das passiert ist." Denkbar sei vieles, unter anderem eine Signalstörung oder ein anderer technischer Fehler. 

Es müssten die Lokführer befragt werden, dazu zahlreiche Zeugen - also sowohl die Fahrgäste als auch Augenzeugen, die das Geschehen beispielsweise als Wartende vom Bahnhof aus beobachtet haben. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth teilte auf Anfrage mit, der Vorfall sei bekannt. Es werde geprüft, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde.

Beide Züge gehören zum Unternehmen Agilis. "Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht geklärt", teilte ein Unternehmenssprecher mit. Man werde die laufenden Ermittlungen unterstützen.

Nach Polizeiangaben wurde unter anderem geprüft, ob der Lokführer des rangierenden Zuges womöglich seinen einfahrenden Kollegen übersehen hatte. Die Ermittlungen zur Unfallursache begannen noch am Mittwochabend. 

Zudem wurden die Gleise überprüft, auf denen sich der Zusammenstoß ereignet hatte. "Die Gleise sind sicher", es seien keine Weichen beschädigt worden und auch der Gleisabstand passe, erklärte ein Sprecher der Bundespolizei. "Das Gleis ist wieder freigegeben." 

Welche Auswirkungen hatte der Unfall auf den Bahnverkehr?

Die Stadt Bayreuth ist nicht an das Fernverkehrsnetz angeschlossen, da die Trassen nicht elektrifiziert sind. Deshalb hielten sich die Einschränkungen in Grenzen. Nach der Kollision am Abend warteten zunächst etwa 100 bis 150 Menschen auf eine Möglichkeit zur Weiterfahrt.

Für die am Abend betroffenen Verbindungen sei ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet worden, teilte der Agilis-Sprecher mit. Die Weiterreise der Fahrgäste sei somit gewährleistet gewesen. Das Unternehmen Agilis betreibt nach eigenen Angaben etwa zehn Prozent des bayerischen Bahnregionalverkehrs. Die Züge fahren vor allem in der Oberpfalz und in Oberfranken. 

Am Morgen war der Zugverkehr wieder aufgenommen worden, weitgehend ohne Behinderungen. Die verunfallten Züge standen zunächst weiterhin nahe dem Hauptbahnhof, blockierten allerdings nicht mehr die wichtigsten Gleise.

Aufregung in Bayreuth

Wegen der zunächst unklaren Lage waren zahlreiche Rettungskräfte zum Hauptbahnhof geeilt. Allein das BRK hatte mehr als 60 Mitarbeiter vor Ort, die Feuerwehren aus Bayreuth und Laineck etwa 85 Helfer. Zudem stellte das Technische Hilfswerk (THW) 20 Einsatzkräfte. Beschäftigte der psychosozialen Notfallversorgung betreuten nach BRK-Angaben insbesondere die nicht verletzten Zuginsassen. Neun Rettungswägen und fünf Krankentransportwägen rückten an.

Aktuelle Betriebslage Deutsche Bahn

dpa

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