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Cybertrading-Betrüger: Verhaftungen in Georgien und Israel

Schlag gegen Anlagebetrüger
Ein Mann benutzt die beleuchtete Tastatur eines Notebooks. Foto: Silas Stein/dpa/Illustration
© dpa-infocom GmbH
340.000 Euro hat allein ein Anleger aus Bayern verloren - nicht wie er glaubte durch Spekulationen, sondern an Betrüger. Nun gibt es Verhaftungen. Es geht um Millionen Euro und Tausende Betrogene.

Deutsche Ermittler haben einen Schlag gegen Cybertrading-Betrüger in Georgien und Israel unterstützt, die Anleger mindestens um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geprellt haben sollen. In den beiden Staaten seien 15 Objekte - darunter ein noch aktives Callcenter - durchsucht und elf mutmaßliche Betrüger verhaftet worden, teilten Polizei und die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) am Mittwoch mit.

Die Betrüger sollen 18 Online-Plattformen betrieben und darauf vermeintlich gewinnbringende Geldanlagen beworben haben. Das Geld der Anleger investierten die Täter aber nicht wirklich, sondern behielten es für sich. Wie viele Geschädigte es genau gibt, war laut den Ermittlern zunächst unklar. Man könne sicher von Tausenden sprechen, sagte ein ZCB-Sprecher. Sie kämen aus vielen Ländern, nicht nur aus dem deutschsprachigen Raum.

Allein in Bayern gebe es eine Reihe von Personen, die einen Betrag im sechsstelligen Bereich verloren hätten. Den höchsten Schaden im Freistaat hatte demnach ein Geschädigter mit 340.000 Euro. Ausgangspunkt der Ermittlungen war demnach die Anzeige eines Betrogenen aus Weiden in der Oberpfalz im Oktober 2018. Diese Ermittlungen führten erst nach Georgien und dann nach Israel. Laut ZCB ist die Führungsspitze der Betrüger eher dort zu verorten.

Einige der Online-Plattformen waren auch am Mittwoch noch online. «Wir versuchen, die dichtzumachen», sagte der ZCB-Sprecher. Rechtlich sei das aber nicht so einfach: Zwar könne man Internetseiten beschlagnahmen, weil diese aber in anderen Ländern gehostet würden, müsse dies über die Rechtshilfe passieren - und das könne kompliziert sein und dauern.

Der Einsatz in den beiden Ländern war demnach bereits am 19. Oktober gewesen. Es seien mehr als 30 Zeugen und Beschuldigte vernommen, Datenträger und Dokumente sichergestellt worden. Die Verhafteten sind laut den Ermittlern vier israelische, sechs georgische und eine russische Staatsangehörige. Die Haftbefehle waren bereits vor dem Einsatz erlassen worden. Es handle sich um acht Männer und drei Frauen im Alter von 27 bis 47 Jahren. Die ZCB werde um die Auslieferung der vier in Israel Festgenommenen und der russischen Frau ersuchen. Die anderen Verdächtigen kommen wohl in Georgien vor Gericht.

Die bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelte ZCB ermittelt immer wieder in ähnlichen Fällen gegen Anlagebetrüger. Im Juli hatte es Durchsuchungen in Sofia gegeben, vorher waren die Ermittler etwa in Serbien, Kosovo und der Ukraine aktiv gewesen. Allein in Deutschland seien Zehntausende Anleger von solchen Straftaten betroffen, teilte die ZCB mit. Das Dunkelfeld ist demnach beträchtlich: Die Anleger denken, eine Anlage mit hohem Verlustrisiko abgeschlossen zu haben und gehen bei einem Verlust oft davon aus, dass dieses Risiko eben eingetreten ist.

dpa

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