Maritimes Erbe "Schlösser des Nordens" - neue Stiftung für alte Schiffe

Die Grundsanierung eines Traditionsschiffes ist mitunter eine finanzielle Herausforderung. (Archivbild) Foto: Stefan Sauer/dpa
Die Grundsanierung eines Traditionsschiffes ist mitunter eine finanzielle Herausforderung. (Archivbild) Foto
© Stefan Sauer/dpa
Eine neue Bundesstiftung soll mit Millionen Euro zum Erhalt historischer Schiffe beitragen. Ein Enthusiast erklärt, warum die Schiffe aus seiner Sicht gesellschaftlich wertvoll sind.

Sanierungen von Traditionsschiffen stellen Vereine und Eigentümer finanziell mitunter vor große Herausforderungen. Eine neue Bundesstiftung soll hier ab kommendem Jahr für Erleichterung sorgen. Ziel sei, "dass den Schiffen wirklich nachhaltig geholfen wird", sagte Jan-Matthias Westermann, Vorsitzender des Dachverbands deutscher Traditionsschiffe, der Gemeinsamen Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW). Betreibervereinen könnte die Stiftung eine seriöse Grundfinanzierung für Grundinstandsetzungen bieten.

Die "Deutsche Stiftung Maritimes Erbe" (DSME) soll im kommenden Jahr die Arbeit aufnehmen. Sie ist nach Angaben des Bremerhavener Bundestagsabgeordneten Uwe Schmidt (SPD), für die Jahre 2026, 2027 und 2028 mit jeweils zehn Millionen Euro ausgestattet. Bereits in den Haushalt dieses Jahres wurden demnach eine Million Euro im Budget des Bundesverkehrsministeriums (BMV) vorgesehen, unter anderem zur Einrichtung der Stiftung. Schmidt ist Mitglied des Haushaltsausschusses und hat sich nach eigener Aussage für die Finanzierung eingesetzt.

Über die Mittelvergabe soll den Plänen zufolge ein Kuratorium entscheiden. Schiffe in ganz Deutschland könnten davon profitieren. "Die Stiftung dient der dauerhaften Sicherung historischer maritimer Objekte", erklärte Schmidt.

Fall der "Greif" verdeutlicht Probleme

Welche finanziellen Schwierigkeiten der Erhalt alter Schiffe mitunter bereitet, zeigt aktuell etwa der Fall der in Greifswald beheimateten "Greif". Das einzige in der DDR gebaute Segelschulschiff ist als Denkmal von nationaler Bedeutung eingestuft und wird derzeit umfassend saniert. Die Arbeiten sind bereits weit fortgeschritten, allerdings reichen die ursprünglich veranschlagten rund 4,46 Millionen Euro nicht aus. Anfang Dezember will die Greifswalder Bürgerschaft beraten, ob die klamme Stadt zusätzlich fast drei Millionen Euro bereitstellt. 

Selbst ein Verkauf oder der Verzicht auf die Seetüchtigkeit sind im Gespräch. Das wäre laut Westermann "ein ganz großer Verlust".

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Die "Schlösser des Nordens"

Er sagt: "Die Traditionsschiffe sind die Schlösser des Nordens." Sie zeugten von der Entwicklung der modernen Schifffahrt. Mehr als 20.000 Ehrenamtliche engagierten sich auf und für die Schiffe, ob Ingenieure, Studierende oder Hausfrauen. Zudem seien jährlich etwa 1,5 bis 2 Millionen Menschen mit den Schiffen unterwegs - selbst anpacken inklusive. So leisteten die Schiffe einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. "Und das kann man, wie bei Sportvereinen, gar nicht groß genug schätzen."

Zudem würden historische Schiffe auch für Ausbildungsfahrten für angehende Seeleute genutzt. Hier kämen sie unmittelbar mit den Elementen auf See in Kontakt. Zu seinem Dachverband gehören laut Westermann rund 80 Schiffe. 2018 seien es noch mehr als 100 gewesen.

Zusätzliches Geld für Sicherheitsanpassungen

Eine Änderung der Schiffssicherheitsverordnung 2018 hatte teils neue Standards für Traditionsschiffe definiert. Zur Anpassung hatte das BMV bis 2023 20 Millionen Euro Fördermittel bereitgestellt. Unter anderem EU-Vorgaben haben die Inanspruchnahme aber erschwert, so dass bis zum Ende des Programms insgesamt nur 5,5 Millionen Euro abgerufen wurden.

2025 wurden fünf Millionen Euro im BMV-Etat bereitgestellt für Maßnahmen, die durch die geänderte Schiffssicherheitsverordnung notwendig wurden. Im Jahr 2026 werden laut Schmidt erneut fünf Millionen Euro dafür und für Neuzulassungen sowie technischen Anpassungen bereitgestellt. Die Förderrichtlinie werde aktuell vom BMV überarbeitet.

dpa