Mangel an Betreuungsplätzen 27.700 Kitaplätze fehlen in Hessen

Eine Erzieherin spielt in einer Kindertagesstätte hinter einer Rollbahn mit Kindern. Foto: Uwe Anspach/dpa
Eine Erzieherin spielt in einer Kindertagesstätte hinter einer Rollbahn mit Kindern. Foto
© Uwe Anspach/dpa
Neue Lückenliste zum Kitaplatz-Mangel: In Hessen suchen Eltern im Bundesvergleich länger nach einem Platz als in anderen Ländern. Ganz anders sieht es im Osten aus.

Für rund 27.700 Kinder unter drei Jahren fehlen in Hessen nach einer neuen Studie Kitaplätze. Damit haben 16,8 Prozent der unter Dreijährigen mit Betreuungsbedarf keinen Platz, wie eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Im Westen bleibe die Lage insgesamt "angespannt".

Allerdings wünschen sich laut der Studie in Hessen weniger Eltern für Kinder dieser Altersgruppe einen Betreuungsplatz als noch 2020. So fehlten 2020 noch 28.300 Plätze. Als Hauptgrund dafür nennt das Institut stark gesunkene Kinderzahlen. Mit 16,8 Prozent liegt der Anteil der Eltern, die keinen Platz finden, aber weit über dem Bundesdurchschnitt von 14,2 Prozent und auch höher als 2020 (15,8 Prozent).

Große Unterschiede

Wie verbreitet es ist, dass Wunsch und Wirklichkeit bei der Kinderbetreuung auseinanderklaffen, hängt in Deutschland vom Wohnort ab. In Ostdeutschland haben laut Studie 7,3 Prozent der Kinder unter drei mit Bedarf keinen Platz – in Westen 15,6 Prozent.

In Nordrhein-Westfalen fehlen demnach zum Beispiel 85.000 Plätze. Damit gehen im bevölkerungsreichsten Bundesland 18 Prozent der Kinder, für die es Bedarf gibt, leer aus. In den Ländern mit den anteilsmäßig größten Lücken, Bremen, Rheinland-Pfalz und im Saarland, fehlt es laut der Studie für jeweils knapp 19 Prozent der Kinder unter drei an Plätzen. In der Hauptstadt Berlin schrumpfte die Lücke innerhalb von fünf Jahren um fast vier Prozentpunkte auf 10,6 Prozent.

Ins Verhältnis gesetzt, hat das IW hierbei die Zahl der Eltern, die nach eigenen Angaben Betreuungsbedarf haben, mit der Zahl der betreuten Kinder.

Abbau Ost prognostiziert

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IW-Experte Wido Geis-Thöne prognostizierte, dass in den Ostländern wohl künftig Kitaplätze abgebaut würden. Ein Rückbau der Kapazitäten scheine "unausweichlich", so die Studie. Die Forscher mahnen, die Gebäude und Orte so zu erhalten, dass sie in Zukunft bei Bedarf wieder in Betreuungseinrichtungen umgewandelt werden können. Eignen könne sich dafür eine Nutzung als Jugendtreffs oder Vereinsheime.

Der Bildungsökonom forderte Anstrengungen für gute Kita-Qualität. Heute seien vor allem in Ostdeutschland die Gruppen oft zu groß. Generell gilt laut Geis-Thöne: "Gerade für Kinder aus bildungsfernen Haushalten ist der Besuch einer Kita entscheidend für den weiteren Bildungsweg."

Rück- und Ausblick

Vergangenes Jahr fehlte es laut der IW-Vorgängerstudie an 306.000 Kitaplätzen für Kinder unter drei; für 13,6 Prozent der Kinder mit Bedarf gab es keinen Platz. Insgesamt schreite der Ausbau von Betreuungsplätzen in Deutschland "derzeit kaum voran", hieß es damals. Auch diesmal forderte das IW, die Politik müsse vor allem im Westen den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur weiter vorantreiben.

In die Berechnung des arbeitgebernahen Instituts eingeflossen war eine repräsentative Befragung der Regierung zu den Betreuungswünschen. Das IW verwendete zudem Betreuungs- und Gesamtdaten des Statistischen Bundesamts zu Kindern.

dpa