Die höheren Dieselpreise seit dem Angriff von USA und Israel auf den Iran sind auch für die kommunalen Busunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern eine Belastung. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben. Dabei sind sie unterschiedlich stark betroffen.
Bei Nahbus Nordwestmecklenburg sei die aktuelle Lage "eine außergewöhnlich hohe finanzielle Belastung", wie es auf Anfrage hieß. Das Unternehmen habe rund 130 eigene Busse plus etwa 50 Fahrzeuge von Subunternehmen. "Wir reden hier über eine Zusatzbelastung von rund 800.000 Euro – eine Summe, die kein Nahverkehrsunternehmen einfach kompensieren kann", sagte Nahbus-Geschäftsführer Oliver Kriegel angesichts möglicher Mehrkosten bis Jahresende.
Gerade im ländlichen Raum, in dem die Fahrgastzahlen und Einnahmen naturgemäß geringer ausfielen, wirkten solche Kostensteigerungen besonders hart, so Kringel. Die aktuelle Entwicklung gefährde damit die wirtschaftliche Stabilität des gesamten regionalen ÖPNV.
VDV: Verkehrsleistung wird sinken
Wegen der hohen Preise werde die Verkehrsleistung in ganz Deutschland weiter sinken, sagte der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Alexander Möller. Bislang habe die Branche viele Kostensteigerungen ohne große Auswirkungen für die Fahrgäste wegdrücken können. "Jetzt geht das nicht mehr."
"Wir müssen aufpassen, dass wir nicht einerseits ein Deutschlandticket haben, aber andererseits kein ÖPNV-Angebot mehr, das für die Menschen gut genug ist, um das Ticket zu wollen und zu nutzen", erklärte Möller. Aktuell beobachte der Verband aber stabile Verkaufszahlen beim Deutschlandticket. Im April hätten bundesweit rund 14,2 Millionen Menschen ein solches Ticket erworben und damit ähnlich viele wie im Vorjahr.
Die Inflation in Mecklenburg-Vorpommern war im April weiter angezogen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Preise nach Angaben des Statistischen Landesamts um drei Prozent. Die Kraftstoffpreise lagen im April demnach 31,4 Prozent über dem Niveau ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Vormonat März stiegen demnach die Spritpreise um 9,7 Prozent.
Zusatzkosten in Millionenhöhe?
Auch beim Verkehrsunternehmen Rebus im Landkreis Rostock blickt man besorgt auf die hohen Preise an der Zapfsäule. "Die gestiegenen Spritpreise belasten den ÖPNV sehr", sagte Rebus-Prokurist Marc Weinhauer. Die Entwicklung werde stetig beobachtet, um zu prüfen, inwiefern Kosten anderweitig aufgefangen werden könnten. Einschnitte im Betrieb seien kurzfristig nicht vorgesehen. Das Fahrplanangebot werde aber regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst.
Bei Rebus liege der Spritverbrauch laut Weinhauer nach der Einführung von 52 Wasserstoffbussen bei etwa 2,5 Millionen Liter pro Jahr. "Sollte der Dieselpreis auf aktuellem Niveau verharren, wäre mit Mehrkosten von circa einer Million Euro netto zu rechnen", sagt er. "Allerdings rechnen wir damit, dass sich die Lage bis zum Jahresende entspannt."
Weniger Sorgen durch Umstellung auf Elektro
Die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) zeigte sich dagegen gelassener. "Seit 2023 kaufen wir keine Dieselbusse mehr und stellen unsere gesamte Busflotte schrittweise auf Biomethan- und Elektroantrieb um", hieß es. "Bereits jetzt ist etwa ein Drittel unserer Busse ohne Dieselkraftstoff im Linienverkehr unterwegs." Daher habe der hohe Dieselpreis weniger Einfluss als früher.
In diesem Jahr und in den kommenden Jahren werde die Zahl der Dieselbusse weiter reduziert. Die Straßenbahnen des Unternehmens seien ohnehin schon mit Strom unterwegs. In den vergangenen Wochen hätte die RSAG insgesamt etwa zwei Prozent mehr Fahrgäste gezählt als in den Wochen davor – das seien rund 3.000 mehr pro Tag.
Die Verkehrsgesellschaft VLP im Landkreis Ludwigslust-Parchim setzt im ländlichen Raum schon länger auf E-Linienbusse. Mittlerweile fahren laut Unternehmen 47 der 250 Linienbusse und 26 der 50 Rufbusse elektrisch.
Busbetriebe fordern Entlastungen und Hilfe beim Umstieg auf Elektro
Nahbus fordert nun Entlastungen für Energie- und Kraftstoffkosten, "die ausdrücklich auch Busunternehmen berücksichtigen". Zudem müsse gerade der ländliche ÖPNV gestärkt werden. Seit März habe die Zahl der Fahrgäste spürbar zugenommen. Unklar sei aber, ob dies allein an den Tankpreisen oder auch am Tourismus oder Einschränkungen bei der Bahn liege.
Nach Angaben der RSAG verschärfe sich die angespannte finanzielle Lage im öffentlichen Nahverkehr aktuell weiter. Die Kommunen seien inzwischen an der Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten. "Der Finanzierungsbeitrag von Bund und Land für die Sicherstellung und den dringend benötigten Ausbau des ÖPNV muss schnell und deutlich wachsen." Auch der Umstieg auf E-Busse müsse finanziell gefördert werden.