In Mecklenburg-Vorpommern ist die Bedarfsquote an Kita-Plätzen im Bundesländer-Vergleich am geringsten. Nach einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, fehlen in diesem Jahr im Nordosten 1.200 Kitaplätze. Damit gehen in MV vier Prozent der Kinder, für die es Bedarf gibt, leer aus. Zu Vergleich: Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt diese Quote bei 18 Prozent.
Bundesweit fehlen den Angaben zufolge für rund 300.000 Kinder unter drei Jahren Kitaplätze. Damit haben 14,2 Prozent der unter Dreijährigen mit Betreuungsbedarf keinen Platz. In die Berechnung des arbeitgebernahen Instituts wurde eine repräsentative Befragung der Regierung zu den Betreuungswünschen mit berücksichtigt. Das IW verwendete zudem Betreuungs- und Gesamtdaten des Statistischen Bundesamts zu Kindern.
Die Lücken-Liste von A bis Z
Wie verbreitet es ist, dass Wunsch und Wirklichkeit bei der Kinderbetreuung auseinanderklaffen, hängt vom Wohnort ab. In Ostdeutschland haben laut Studie 7,3 Prozent der Kinder unter drei mit Bedarf keinen Platz - in Westen 15,6 Prozent. Für wie viel Prozent aller Kinder unter drei mit Betreuungsbedarf fehlt in den einzelnen Ländern also ein Betreuungsplatz? Das zeigt diese Liste der Betreuungslücken (alphabetisch):
In Baden-Württemberg sind das 13,6 Prozent; in Bayern 12,8; Berlin 10,6; Brandenburg 6,1; Bremen 18,9; Hamburg 8,9; Hessen 16,8; Mecklenburg-Vorpommern 4; Niedersachsen 16,3; NRW 18; Rheinland-Pfalz 18,7; Saarland 18,5; Sachsen 6,3; Sachsen-Anhalt 4,3; Schleswig-Holstein 13,4 und in Thüringen 8,2 Prozent.
Ins Verhältnis gesetzt hat das IW hierbei die Zahl der Eltern, die nach eigenen Angaben Betreuungsbedarf haben, mit der Zahl der betreuten Kinder.
Abbau Ost prognostiziert
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Mit Blick auf die Situation in Ostdeutschland schreibt das IW: "Hier ist die Zahl der unter Dreijährigen seit 2019 mit einem Rückgang um fast 20 Prozent regelrecht eingebrochen." Der Osten komme zusammen nur auf 25.000 fehlende Plätze. Da dort die Betreuungsbedarfe mit den stark rückläufigen Kinderzahlen deutlich gesunken seien, müssten an sich genügend Plätze zur Verfügung stehen. Dennoch könnten punktuell Engpässe auftreten, wenn einzelne Wohnlagen einen sehr starken Zuzug von Familien erlebten.
IW-Experte Wido Geis-Thöne prognostizierte, dass in den Ostländern wohl künftig Kita-Plätze abgebaut würden. Ein Rückbau der Kapazitäten scheine "unausweichlich", so die Studie. Die Forscher mahnen, die Gebäude und Orte so zu erhalten, dass sie in Zukunft bei Bedarf wieder in Betreuungseinrichtungen umgewandelt werden können. Eignen könne sich dafür eine Nutzung als Jugendtreffs oder Vereinsheime.
Der Bildungsökonom forderte Anstrengungen für gute Kita-Qualität. Heute seien vor allem in Ostdeutschland die Gruppen oft zu groß. Generell gilt laut Geis-Thöne: "Gerade für Kinder aus bildungsfernen Haushalten ist der Besuch einer Kita entscheidend für den weiteren Bildungsweg."
IW-Studien zur Kinderbetreuung Kita im Fokus des Arbeitgeberverbands BDA