Kriminalität
Zoll Hannover entdeckt hohe Schadenssumme bei Schwarzarbeit

Im vergangenen Jahr schlossen die Ermittler nach Angaben des Zolls mehr als 2.700 Strafverfahren ab. Aus Urteilen und Strafbefeh
Im vergangenen Jahr schlossen die Ermittler nach Angaben des Zolls mehr als 2.700 Strafverfahren ab. Aus Urteilen und Strafbefehlen ergaben sich Geldstrafen von mehr als einer Million Euro. (Symbolbild) Foto
© Julian Stratenschulte/dpa
16,5 Millionen Euro Schaden, mehr als 2.700 abgeschlossene Strafverfahren und Geldstrafen von über einer Million Euro: Der Zoll Hannover zieht Bilanz zur Bekämpfung von Schwarzarbeit.

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Hannover hat im vergangenen Jahr eine deutlich höhere Schadenssumme durch illegale Beschäftigung und Sozialabgabenbetrug festgestellt. Wie der Zoll mitteilte, lag der ermittelte Schaden bei rund 16,5 Millionen Euro – mehr als doppelt so viel als im Jahr zuvor mit 7,2 Millionen Euro.

Der Anstieg bedeute jedoch nicht automatisch, dass Schwarzarbeit im Zuständigkeitsbereich stark zugenommen habe, sagte der Leiter der Finanzkontrolle Schwarzarbeit, Felix Seehausen. "Die mehr als doppelt so hohe Schadenssumme ist nicht gleichzusetzen mit einer Verdopplung der Schwarzarbeit", sagte Seehausen. Viele Verfahren zögen sich über mehrere Jahre.

Gerichte verhängten Freiheitsstrafen von insgesamt rund 26 Jahren

Auch die zunehmende Komplexität der Fälle spiele eine Rolle, erklärte Seehausen. Unternehmen seien oft überregional tätig, und bei sogenannten Kettenbetrugsverfahren seien Durchsuchungen in mehreren Bundesländern sowie komplexe Firmenstrukturen keine Seltenheit.

Im vergangenen Jahr schlossen die Ermittler nach Angaben des Zolls mehr als 2.700 Strafverfahren ab. Aus Urteilen und Strafbefehlen ergaben sich Geldstrafen von mehr als einer Million Euro. Zudem verhängten Gerichte Freiheitsstrafen mit einer Gesamtdauer von rund 26 Jahren.

Bundesweite Schwerpunktprüfung in der Baubranche

Neben Ermittlungen gehören auch Kontrollen zum Alltag der Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Die Zöllnerinnen und Zöllner aus Hannover und Lüneburg führten demnach mehr als 9.500 Personenbefragungen durch und überprüften knapp 700 Arbeitgeber.

Am Dienstag beteiligte sich die Finanzkontrolle zudem an einer bundesweiten Schwerpunktprüfung in der Baubranche. In Hannover befragten die Beamten dabei fast 100 Beschäftigte. In zwei Fällen leiteten sie vor Ort Strafverfahren wegen Urkundenfälschung ein, weil sich Arbeitnehmer mit gefälschten Dokumenten ausgewiesen hatten.

Mindestlohnverstöße und illegale Beschäftigung von Ausländern 

Insgesamt ergaben sich demnach bei fünf kontrollierten Baustellen mehr als 40 Verdachtsfälle, bei denen nun weiter ermittelt wird. Dabei gehe es unter anderem um mögliche Mindestlohnverstöße, illegale Beschäftigung von Ausländern und Verstöße gegen Sozialversicherungspflichten.

dpa