Anpfiff in Amerika: Nach dem Eröffnungsspiel am Donnerstag (11.) bestreitet Deutschland am Sonntag (14.) seine erste Partie der Fußball-WM. Wie schneidet die DFB-Elf beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada ab? Schaut man in Rheinland-Pfalz und im Saarland die Spiele überhaupt? Das hat die Deutsche Presse-Agentur gefragt. Ein Überblick.
Schnieder freut sich auf den WM-Sommer
Der neue rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) schaut sich WM-Spiele am liebsten mit Freunden an. „Aber auch die Atmosphäre beim Public Viewing ist eine ganz besondere“, sagte der Regierungschef aus der Eifel der dpa. „Dieses Gemeinschaftsgefühl, wenn Menschen zusammenkommen, gemeinsam mitfiebern und über Tore jubeln - das ist für mich WM-Sommer.“ So oder so: Zu einem perfekten Fußballabend gehören für Schnieder etwas Leckeres vom Grill und gute Gespräche.
Er drücke selbstverständlich der deutschen Mannschaft die Daumen, werde vor dem Bildschirm mitfiebern. Der jüngste Test der DFB-Elf in Mainz (4:0 gegen Finnland) sei mehr als erfolgreich gewesen. „Das gibt ordentlich Rückenwind für die anstehenden Turnierwochen.“ Er traut der Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann „eine starke WM“ zu. „Und ich hoffe, dass am Ende der ganz große Wurf gelingt.“
Nicole schaut Spiele im Deutschlandtrikot
Sängerin Nicole ist Fußball-WM-Fan: Alle Spiele der deutschen Mannschaft werde sie „selbstverständlich“ schauen, auch wenn sie möglicherweise mitten in der Nacht stattfinden. Dazu ziehe sie ihr Deutschland-Trikot an: „Es ist zwar schon ein bisschen in die Jahre gekommen, aber es ist Schwarz-Rot-Gold und erfüllt seinen Zweck“, sagte Nicole der Deutschen Presse-Agentur.
Außerdem habe sie eine Ratsche, auch in Schwarz-Rot-Gold, mit der man Krach machen könne. „Wenn die Deutschen spielen, lade ich mir gerne Gäste ein, koche was Kleines und mache so eine schöne Fußballparty.“ Wer Weltmeister werde? „Am liebsten natürlich Deutschland.“ Ihr Tipp sei aber Spanien. Die Saarländerin hatte 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ für Deutschland den Eurovision Song Contest gewonnen.
Rehlinger will WM-Spiele schauen „so oft es geht“
Saar-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) ist schon im Fußball-WM-Fieber. Sie wolle sich die Spiele anschauen: „So oft es geht. Auf jeden Fall die deutschen Spiele“, sagte sie der dpa. Am allerliebsten verfolge sie die Kicker beim Public Viewing in der Gastronomie. „Ich hoffe auf schönes Wetter!“
Ob sie dabei ein DFB-Trikot anziehen werde, hänge davon ab, welche Termine sie vorher habe. „Man sagt ja so schön: „Das Trikot schwitzt nicht von allein“, geschafft werden muss ja auch“, sagte Rehlinger. Wer denn wohl Sieger der WM werde? „Ich will eher keinen kundigen Expertinnen-Tipp abgeben, sondern als Fan schlicht sagen: Ich hoffe auf Deutschland als Weltmeister!“
Kurt Beck: Eine WM mit Nebengeräuschen
Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck blickt mit gemischten Gefühlen auf die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Zwar werde er die Spiele vermutlich verfolgen, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings störe ihn manches rund um das Turnier. Kritisch äußerte sich Beck über das Auftreten von FIFA-Präsident Gianni Infantino an der Seite von US-Präsident Donald Trump sowie über die hohen Kosten für Fans. Wenn für Stadionbesuche und Parkplätze Hunderte Dollar verlangt würden, müsse man feststellen: „Das ist alles ausgeartet.“
Sportlich hofft Beck auf einen erfolgreichen Auftritt der deutschen Mannschaft. Deutschland habe in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass es eine Turniermannschaft sei und sich im Verlauf eines Wettbewerbs steigern könne. Mindestens das Viertelfinale sollte aus seiner Sicht erreichbar sein.
Vize-Ministerpräsidentin hat WM-Spiele im Kalender
Vize-Ministerpräsidentin Sabine Bätzing-Lichtenthäler ist sicher, dass Deutschland Weltmeister wird - die SPD-Politikerin, die ein Deutschlandtrikot besitzt, beruft sich auf die englische Fußball-Ikone Gary Lineker und seine einstige Aussage, dass Fußball ein einfaches Spiel sei, 22 Männer 90 Minuten lang einem Ball nachjagten und am Ende immer die Deutschen gewännen.
Die WM-Spiele sind bei ihr fest eingeplant, so sie nicht mitten in der Nacht sind und es der politische Terminkalender zulässt. „Vor allem die deutschen, klar, aber in meiner sportbegeisterten Familie mit zwei Kindern sicher auch viele andere. Ich freu mich auf diese Zeit, in der man mit Familie und Freunden zum Event WM zusammenkommt.“ Kurze Nächte sei sie als Politikerin gewohnt.
Rituale hat sie beim Schauen von WM-Spielen nicht. „Der Versuch, unseren Hund als Fußball-Orakel im Stile der Krake Paul zu trainieren, war nicht erfolgreich. Er scheint sich nicht so für Fußball zu interessieren.“
Ex-Profi Auer: Das Schöne genießen - trotz allem
Auch der frühere Bundesliga-Stürmer Benjamin Auer will die WM mit großem Interesse verfolgen und der deutschen Mannschaft die Daumen drücken. Partien der Vorrunde ohne deutsche Beteiligung werde er wegen der teils nächtlichen Anstoßzeiten aber nicht alle sehen, sagte der Pfälzer. Die Diskussionen über politische Rahmenbedingungen sollten seiner Ansicht nach nicht im Mittelpunkt stehen. Für viele Spieler sei eine WM eine einmalige Chance. Man solle sich auf das Turnier freuen und „das Schöne genießen“.
Als größte Titelkandidaten sieht Auer Frankreich und Spanien. Deutschland traut er mindestens den Einzug ins Viertelfinale zu. „Das wäre ein Erfolg.“
Kabarettist Reichow schaut im Bademantel
Kabarettist Lars Reichow aus Mainz will sich so viele WM-Partien wie möglich anschauen. Tun wird er das vermutlich angesichts der Zeitverschiebung weniger in einem DFB-Trikot und eher im Bademantel, wie er sagt. Und wem drückt er die Daumen? „Erst mal gucken, wie sich unsere Jungs schlagen. Wenn die richtig gut spielen, drück' ich nur für uns.“ Wenn Deutschland unter die letzten Vier kommt, wäre das für Reichow ein Erfolg - der Titel wäre eine Sensation. „Das würde unserem Land viel Auftrieb geben. Ich gönne es uns.“
Dann wäre aber sein Wunsch, dass der Pokal dann vom amerikanischen Papst Leo XIV. übergeben würde und nicht „von einem Jackass wie Donald Trump“.
Die Kirche glaubt an Deutschland nur so halb
Optimistisch blickt auch der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann auf das Turnier. Wenn es die Zeit erlaube, werde er Spiele verfolgen. Als künftigen Weltmeister tippt er jedoch auf Spanien. Der deutschen Mannschaft traut er den Sprung ins Halbfinale zu. Und auch auf die Frage, ob man für das eigene Team beten oder eine Kerze aufstellen dürfe, hat der Bischof eine klare Antwort: Ja, sagt Wiesemann - vorausgesetzt, man bleibe im Herzen fair und könne am Ende dem besseren Team den Sieg gönnen.
Schunkeln bei der WM
Wer Fastnacht feiert, feiert auch die deutschen Kicker bei der WM. Der Präsident des Mainzer Carneval Vereins (MCV), Hannsgeorg Schönig, ist bei den Spielen der Elf von Trainer Julian Nagelsmann auf jeden Fall vor dem TV mit der Familie oder Freunden dabei - entweder im Trikot der Nationalmannschaft oder von Mainz 05. Auch beim „Sommermärchen“ (WM 2006) war der MCV-Präsident als Fan beim Public Viewing unterwegs. Beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko traut Schönig dem deutschen Team das Viertelfinale zu.
Großes Theater
Der Intendant des Mainzer Staatstheaters, Markus Müller, tippt auf Frankreich als Weltmeister, hofft aber mit Teamgeist auf ein möglichst weites Kommen der deutschen Kicker. Geschaut wird stets in großer Runde. Ein Deutschland-Trikot besitzt der Intendant nicht - sondern ausschließlich Jerseys von Mainz 05.