Die Industrie- und Handelskammer (IHK) sieht in den jüngst angekündigten Werksschließungen in Speyer ein Zeichen für tiefere strukturelle Probleme des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Die Entwicklung komme nicht überraschend, teilte die IHK Pfalz der Deutschen Presse-Agentur mit.
Innerhalb weniger Wochen hatten der Filterhersteller Mann+Hummel und das Technologieunternehmen TE Connectivity angekündigt, ihre Produktion in der pfälzischen Domstadt bis 2028 schrittweise einzustellen. Insgesamt stehen damit mehr als 1.200 Arbeitsplätze auf der Streichliste.
Industriebetriebe unter Druck
Die Industrie- und Handelskammern der Metropolregion Rhein-Neckar hätten bereits im Mai 2025 in einer Resilienzstudie auf die wirtschaftliche Entwicklung hingewiesen, teilte die IHK mit. Ohne Reformen und Entlastungen für Unternehmen schrumpfe die Wirtschaftsleistung in der Region jährlich um etwa ein Prozent – ebenso gehe die Zahl der Arbeitsplätze zurück.
Nach Einschätzung der Kammer hat sich auf Bundes- und EU-Ebene bislang zu wenig bewegt. Hohe Energiekosten, zunehmende Bürokratie und steigende Lohnnebenkosten setzten besonders Industriebetriebe unter Druck, die im internationalen Wettbewerb stünden. Produktionsverlagerungen ins Ausland seien daher eine Folge der aktuellen Rahmenbedingungen.
Gefordert - oder überfordert?
Die IHK sieht gleichzeitig Speyer vergleichsweise gut aufgestellt. Bei einer Umfrage habe die Stadt am Rhein mit der Schulnote 2,6 zu den bestbewerteten Standorten der Pfalz gehört. Positiv bewertet würden vor allem die Lage in der Metropolregion Rhein-Neckar, die gute Verkehrsanbindung sowie sogenannte weiche Standortfaktoren wie Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung und Freizeitangebote. Auch das Image der Stadt und die Attraktivität der Innenstadt würden geschätzt.
Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz arbeiten mehr als 80 Prozent der Erwerbstätigen in Speyer im Dienstleistungssektor. Deshalb werde die Stadt durch den Verlust der Industriearbeitsplätze zwar erheblich gefordert, aber voraussichtlich nicht überfordert, erklärte die IHK.
Stadt will sich nicht abfinden
Die Speyerer Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) hatte von einem "System der Standortverlagerung" gesprochen und Unterstützung von Bund und Land gefordert. Die Stadt werde sich nicht damit abfinden, dass innerhalb kurzer Zeit mehr als 1.200 Industriearbeitsplätze verloren gingen. "Wir erwarten auch, dass Konzerne, die jahrzehntelang von Speyer und den Beschäftigten profitiert haben, ihrer eigenen Verantwortung gerecht werden", betonte Seiler.