Teure Musik Weihnachtsmärkte setzen vor allem auf lizenzfreie Musik

Viele Weihnachtsmärkte in Sachsen-Anhalt setzen wegen hoher Kosten auf lizenzfreie Musik. (Archivbild) Foto: Jennifer Brückner/d
Viele Weihnachtsmärkte in Sachsen-Anhalt setzen wegen hoher Kosten auf lizenzfreie Musik. (Archivbild) Foto
© Jennifer Brückner/dpa
In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Streit um hohe Kosten für Musiklizenzen auf Weihnachtsmärkten gegeben. Im Herbst gab es eine Einigung mit der Gema - trotzdem reagieren Veranstalter.

Nach dem Streit um hohe Kosten für Musik auf Weihnachtsmärkten setzen in diesem Jahr viele Veranstalter vor allem auf lizenzfreie Musiken und ein reduziertes Angebot. Vor allem Livemusik oder Bühnenprogramm seien weiterhin nur schwer finanzierbar, sagte der Geschäftsführer der Magdeburger Weihnachtsmarkt GmbH, Paul-Gerhard Stieger. Lizenzpflichtige Musik werde nur über einzelne angemeldete Lautsprecher gespielt. 

In den vergangenen Jahren hatten sich viele Kommunen über gestiegene Rechnungen der Verwertungsgesellschaft Gema beschwert, die für die Musik auf Weihnachtsmärkten fällig wurden. Aus Protest gab es in mehreren Städten, darunter auch in Magdeburg, einen "Tag der Stille" ohne Musik auf dem Weihnachtsmarkt. Die Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) hatte damals dazu mitgeteilt, dass sich die Berechnungsgrundlage nicht geändert habe - allerdings hätten einzelne Weihnachtsmärkte zuvor deutlich zu kleine Veranstaltungsflächen gemeldet. 

Beschwerden trotz Einigung zwischen Gema und Verbänden

Die Gema vertritt die Urheberrechte von rund 100.000 Mitgliedern, darunter Musiker, Komponisten, Texter und Musikverlage, sowie von mehr als zwei Millionen Rechteinhabern aus aller Welt. Generell wird immer dann eine Gebühr an die Gema fällig, wenn Musik öffentlich genutzt wird, wie etwa bei Veranstaltungen oder auch bei Hintergrundmusik im Einzelhandel. 

Im September einigten sich die Gema und verschiedene Verbände, darunter auch der Deutsche Schaustellerbund und der Deutsche Städte- und Gemeindebund, auf einen neuen, günstigeren Tarif. Grundsätzlich sei die Einigung positiv, sagte Stieger. Dennoch stelle selbst der rabattierte Tarif noch eine starke Steigerung dar, weil er sich auf den vor drei Jahren geforderten hohen Tarif beziehe. "Faktisch bleibt es bei einer Erhöhung." Weihnachtsmärkte müssten als Traditionsveranstaltungen differenziert betrachtet werden, forderte Stieger. Sie seien nicht mit anderen Veranstaltungen, wie Stadtfesten, vergleichbar. 

Veranstalter reduzieren Bühnenprogramm

Die Stadt Halle setzt nach eigenen Angaben auch in diesem Jahr wieder rein auf lizenzfreie Musik. Daher werde es auch keine Auswirkungen geben, die die Weihnachtsmarktbesucher merken könnten. In Stendal geht die Stadtverwaltung von etwa 30 Prozent weniger Kosten aus. Die Einigung sei zu begrüßen. "Es ist toll, dass es nun ein Entgegenkommen gab, um Kultur zu fördern", sagte eine Stadtsprecherin. Auch Weißenfels rechnet mit leicht geringeren Ausgaben als im Vorjahr. Dennoch werde das Bühnenprogramm unter der Woche reduziert, teilte die Stadt mit. Die tägliche Hintergrundmusik und das Bühnenprogramm am Wochenende bleibe unverändert. 

Gregor Peter Schmitz mit den Buchstaben GPS

Wollen Sie nichts mehr vom stern verpassen?

Persönlich, kompetent und unterhaltsam: Chefredakteur Gregor Peter Schmitz sendet Ihnen jeden Mittwoch in einem kostenlosen Newsletter die wichtigsten Inhalte aus der stern-Redaktion und ordnet ein, worüber Deutschland spricht. Hier geht es zur Registrierung.

Allein im vergangenen Jahr hätten die Betreiber von bundesweit mehr als 7.000 Weihnachtsmärkten die Nutzung von Musik bei der Gema angemeldet, teilte die Gesellschaft mit. Der neue Tarif berücksichtige den besonderen Charakter moderner Weihnachtsmärkte, die sich hinsichtlich Dauer und inhaltlicher Ausrichtung über die Jahre verändert hätten, hieß es zur Einigung. Die Märkte unterschieden sich sehr stark in ihren Öffnungszeiten und böten heute deutlich vielfältigere Programme an - von Bühnenprogrammen über Hintergrundmusik in Buden und bei Schaustellern bis hin zu Chor-Darbietungen. Um dem Rechnung zu tragen, habe man sich auf die reduzierte Vergütung verständigt.

dpa

Mehr zum Thema