Ausstellungen
Militärhistorisches Museum mit Sonderschau "Wunderwaffen"

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden beschäftigt sich in einer Sonderausstellung unter dem Titel "Wunderwaffe
Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden beschäftigt sich in einer Sonderausstellung unter dem Titel "Wunderwaffen" mit Propaganda und Kriegstechnik in der NS-Zeit Foto
© Robert Michael/dpa
Eine Ausstellung in Dresden räumt mit einem Mythos auf. Es geht um die "Wunderwaffen", mit dem die NS-Propaganda das deutsche Volk bis zuletzt an den Endsieg glauben lassen wollte.

"Krieg findet nicht nur auf dem Schlachtfeld statt. Er war und ist stets auch ein Kampf um die Gedanken und Überzeugungen der Menschen", sagt Rudolf J. Schlaffer, Direktor des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden. Der Oberst hat mit seinem Team eine Sonderschau zusammengestellt, die genau das am dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte deutlich machen soll. 

Ausstellung um Propaganda und Kriegstechnik in der NS-Zeit

Unter dem Titel "Wunderwaffen" geht es um Propaganda und Kriegstechnik im Nationalsozialismus. Gerade das NS-Regime suggerierte mit seinem Fabulieren über Wunderwaffen eine Überlegenheit und ließ große Teile der deutschen Bevölkerung auch dann noch an den Endsieg glauben, als der Krieg schon lange verloren war. Die Ausstellung ist ab diesen Freitag geöffnet und bis zum 9. März 2027 zu sehen. 

"Die deutsche Propagandamaschinerie sollte nach dem Motto: 'Mit den besten Waffen wird gesiegt!' arbeiten. Selbst konventionelle Waffensysteme wie Sturzkampfflugzeuge (Stukas) oder die 8,8 cm-Flakgeschütze stilisierte die Kriegspropaganda zu scheinbar besonders leistungsfähiger und effektiver Kriegstechnik", teilte das Museum mit. Um den sogenannten Endsieg zu erringen, habe man vor allem in den letzten Kriegsjahren die Forschungs- undRüstungsanstrengungen noch einmal deutlich verstärkt. Das sei von einemGlauben an die sogenannten Wunderwaffen begleitet gewesen.

Prinzip dieser Propagandaform wirkt bis heute nach 

"Die Sonderausstellung vermittelt, wie im Nationalsozialismus Waffentechnik genutzt und in der Propaganda dargestellt wurde. Sie zeigt erstmals in großer Bandbreite Funktion und Wirkung von propagandistisch bedeutsamen Waffensystemen", betont der Museumschef. Die Propaganda habe mit ihren Wunderwaffen Stärke, Siegesgewissheit und Zukunftsfähigkeit vermitteln wollen, obwohl die damalige Realität schon anders ausgesehen habe. "So einfach dieses Prinzip war, so effektiv bleibt es auch weiterhin. Es zeigt bis heute seine Wirkung. Auch im Ukrainekrieg fallen regelmäßig Begriffe wie 'Wunderwaffe' oder 'Gamechanger' als zeitgenössische Variante."

Berichte über Waffen als Ausdruck politischen Willens

Auch der Militärwissenschaftler Jens Wehner, Kurator, stellt klar: "Wunderwaffen gibt es nicht. Sie sind stets eine Propaganda-Behauptung, um den Glauben an die Macht und Siegeschancen der eigenen Streitkräfte zu stärken und die Kriegsmoral zu heben." Letztlich zeige sich, dass Berichte über Waffen stets Ausdruck des politischen Willens sind.

Thoralf Rauchfuß, neben Wehner Kurator der Ausstellung, richtet den Blick in die Nachkriegszeit. Damals hätten Hochstapler die Legende von Fluggeräten mit überlegenen Eigenschaften verbreitet, die gegen Kriegsende angeblich Einsatzreife erreicht hätten. "Diese Geschichten verschmolzen später mit Berichten über UFO-Sichtungen. Derartige Verschwörungserzählungen entbehren jeglicher Grundlage, sind jedoch regelmäßig Inspiration für neuerliche Fortschreibungen."

Konventionelle Waffen wurden zu Wunderwaffen stilisiert

Die Sonderausstellung "Wunderwaffen" widmet sich auf einer Fläche von etwa 600 Quadratmetern zunächst der Funktion von NS-Propaganda und ihren Feindbildern. Auf dem Weg durch die Ausstellung wird gezeigt, wie konventionelle Waffen propagandistisch zu Wunderwaffen stilisiert wurden. Danach geht es um geplante "Wunderwaffen" und reine Fantasiewaffen. Besucher können etliche Großobjekte betrachten, neben konventionellen Waffensystemen auch militärische High-Tech-Produkte und Rüstungsvorhaben,die nie verwirklicht wurden. 

Zu den Exponaten gehören etwa ein Modell des Panzerkampfwagens VI "Tiger" aus dem Jahr 1942 sowie der Marschflugkörper Fieseler Fi 103, der auch als "Vergeltungswaffe 1" (V1) bezeichnet wurde und der erste Marschflugkörper der Militärgeschichte wurde. Die Ausstellung geht aber auch auf die Zeit nach 1945 ein. Nach der deutschen Niederlage versuchten insbesondere die Siegermächte Sowjetunion und USA, in den Besitz deutscher Hochtechnologie zu gelangen. Technik, Forschungsunterlagen, aber auch Wissenschaftler wurden außer Landes gebracht, um Projekte weiterzuführen.

dpa